Di., 25.09.2018

Sexueller Missbrauch Bistum Münster verfolgt zwei Blickrichtungen: „Täter bestrafen, Opfern helfen“

Bistumssprecher Dr. Stephan Kronenburg, Bernadette Böcker-Kock (Ansprechperson für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster), Generalvikar Dr. Norbert Köster und die Präventionsbeauftragte des Bistums, Beate Meintrup (v. l.), auf der Pressekonferenz in Münster

Bistumssprecher Dr. Stephan Kronenburg, Bernadette Böcker-Kock (Ansprechperson für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster), Generalvikar Dr. Norbert Köster und die Präventionsbeauftragte des Bistums, Beate Meintrup (v. l.), auf der Pressekonferenz in Münster Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Sich dem dunklen Kapitel stellen, zugleich Konsequenzen ziehen: Beide Herausforderungen nahm der in wenigen Tagen aus dem Amt scheidende Generalvikar Norbert Köster am Dienstag in Münster vor einer großen Schar Journalisten in den Blick. Täter müssten, soweit das auch im großen zeitlichen Abstand möglich sei, „mit aller rechtlich möglichen Härte zur Rechenschaft gezogen werden“.

Von Johannes Loy

Zugleich verdeutlichte Köster: „Nach vorne müssen wir Maßnahmen ergreifen, um möglichst zu verhindern, dass es weitere Opfer gibt.“ Die von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie mache deutlich: „Das ist der Missbrauch von Macht, der häufig verbunden war mit völlig unzureichenden Sanktionsmaßnahmen und dem Mechanismus, Beschuldigte einfach zu versetzen.“ Hier habe sich seit 2010 durch die höhere Aufmerksamkeit vieles verändert. „Es gibt heute auch im Bistum Münster eine Linie der Nulltoleranz gegenüber dem Verbrechen des sexuellen Missbrauchs und auch gegenüber der Vertuschung.“

Neuorientierung des Priesterberufs

Der Generalvikar warnte bei der Einschätzung und den Ursachen der Zahlen vor monokausalen Erklärungen und Generalverdacht. Weder der Zölibat noch Homosexualität seien eindeutige Risikofaktoren für sexuellen Missbrauch. Zugleich setzte er sich für eine grundlegende Neuorientierung und Bewertung des Priesterberufs ein – weg von allen Überhöhungen des Klerikers zu einer ausgewogenen Balance zwischen Klerikern und Laien. Zwar sind die Zahlen im Bistum Münster seit den Nachkriegszahlen deutlich zurückgegangen – von 86 Fällen vor 1950 auf 16 Fälle ab 2010. Doch kann das Thema auch gegenwärtig nicht einfach zu den Akten gelegt werden. So gab es nach Auskunft von Bernadette Böcker-Kock, Beauftragte des Bistums in Fällen sexuellen Missbrauchs, auch im Jahr 2018 bislang 14 einschlägige Meldungen.

Zahlungen von fast einer Million geleistet

Mit Bardo Schaffner und Bernadette Böcker-Kock hat das Bistum Münster seit Mitte 2016 zwei Ansprechpersonen, die in keinerlei dienstlicher Verbindung mit dem Bistum stehen und deshalb als „Außenstehende“ fungieren. Dies schaffe im Kontakt mit „den Meldern“ des Missbrauchs „eine Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauens“, sagte Böcker-Kock, die als Fachanwältin für Familienrecht arbeitet.

Bislang hat das Bistum in 158 Fällen „Zahlungen zur Anerkennung des Leids“ in Höhe von 937.800 Euro geleistet.



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