Unternehmensnachfolge: Der Nächste bitte
Weg frei für die nächste Generation

Münster -

Unternehmensinhaber wollen heute früher ihre Nachfolge regeln, darum weckte auch eine Veranstaltung der IHK das Interesse. Zwei Betriebe, die den Weg geschafft haben, sind die Stadtteilauto CarSharing GmbH, die jetzt von Till Ammann geführt wird. Jan Eismann ist Geschäftsführer in fünfter Generation im Haus der Wohnkultur am Prinzipalmarkt.

Mittwoch, 26.09.2018, 14:26 Uhr
Till Ammann (Stadtteilauto Car­Sharing) und Jan Eismann (Kösters) (kl. Foto) haben jeweils den Familienbetrieb übernommen.
Till Ammann (Stadtteilauto Car­Sharing) und Jan Eismann (Kösters) (kl. Foto) haben jeweils den Familienbetrieb übernommen. Foto: gh

Till Ammann übernahm den Betrieb „Stadtteilauto CarSharing Münster GmbH“ von seinem Vater. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt der 36-Jährige. So empfindet es auch Jan Eismann. Er ist Chef im Familienbetrieb Kösters. Der 44-Jährige übernahm in vierter Generation die Geschäftsführung im Haus für Wohnkultur am Prinzipalmarkt. Beide Unternehmen, sagt Michael Meese von der IHK, seien gute Bespiele für eine optimale Nachfolgeregelung.

Mit genau diesem Thema beschäftigte sich am Dienstagabend auch eine Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen. Wie nicht anders zu erwarten, so Organisator Meese, sei die Nachfrage groß gewesen. Der Referent für Gründung, Finanzierung und Nachfolge ist überzeugt, dass das Thema ohnehin in den kommenden Jahren und mit Blick auf den demografischen Wandel noch drängender sein werde.

„In fast jedem dritten Familienunternehmen sind die Inhaber älter als 55 Jahre“, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel zu Beginn der Veranstaltung. Ab diesem Alter sollte seiner Meinung nach langsam die Frage geklärt werden: Wer wird in Zukunft das eigene Unternehmen übernehmen? Denn nichts zu tun, so Jaeckel, sei der größte Fehler bei der Unternehmensnachfolge.

Die IHK begleitet Nachfolgeprozesse. Loslassen können und Verantwortung abgeben, das seien aber Dinge, die nicht immer funktionierten, sagt Michael Meese.

Rund 150 Adressaten interessierten sich derzeit für die Übernahme eines Betriebes. Etwa 100 Unternehmen begleitet die IHK umgekehrt auf dem Weg zu einem möglichen Inhaberwechsel. Dieser Prozess könne sich jedoch über einen längeren Zeitraum hinziehen, so Meese. Vor allem im ländlichen Einzelhandel sei es schwer, eine Nachfolgeregelung zu treffen. Einfacher wäre es, größere, mittelständische Unternehmen zu vermitteln. Die Bewerber, die heute bei ihnen anfragten, seien zwischen 30 und 40 Jahre alt.

Michael Meese stellt fest, dass sich Unternehmer heute auch deutlich früher Gedanken über einen Generationswechsel machen würden. Früher waren Betriebsinhaber um die 70 Jahre alt, wenn sie sich zum ersten Mal mit der Frage beschäftigten. Heute liegt das Alter der Betriebsinhaber, die sich dem Problem stellen würden, deutlich unter 60, so Meese.

Obschon die Übernahme eines Familienbetriebes „nicht so einfach sei wie vielleicht die eines fremden Betriebes“, schwärmt Jan Eismann von seinem Job. Als er den Betrieb 2016 übernommen habe, habe er es mit drei Familienmitgliedern zu tun gehabt: Mutter, Tante und Cousin. Jan Eismann, der eigentlich aus der Werbebranche kommt, wusste aber, was auf ihn zukam. Er war seit 2008 in der Kösters-Geschäftsführung tätig. Inzwischen hat er das Sortiment neu sortiert, das Konzept des Geschäftes überdacht und neue Hersteller aufgenommen.

Auch Till Ammann empfindet es als vorteilhaft, im Familienbetrieb groß geworden zu. Dies habe die Übernahme erleichtert. Der 36-Jährige, der in Enschede die Kunst der Fotografie studiert hat, sattelte nach dem Studium um. „Mein Herz hängt an dem Betrieb“, sagt Ammann heute, der 2010 als Mitarbeiter ins Unternehmen eingestiegen war. Heute sitzt der 36-Jährige am Steuer der GmbH. 210 Fahrzeuge umfasst die Stadtteilauto-Flotte, die gerade um Elektrolastenräder erweitert wird.

Till Ammann peilt außerdem Wachstum im Umland an. Dort habe in den Jahren 2010/2011 eine Trendwende eingesetzt. Viele hätten erkannt, dass Carsharing eine Alternative zum eigenen Auto sein könnte. Insgesamt 60 Stationen betreibt Till Ammann heute, von denen die in Berg Fidel, in der Aaseestadt und am Leonardo-Campus neu sind. Mit angezogener Bremse verfolgt der Geschäftsführer augenblicklich die Diesel-Diskussion: „Diesel-Fahrzeuge kaufen wird gerade keine ein.“ Normalerweise werden die Fahrzeuge mit rund 150 000 Kilometern ausgetauscht.

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