Lärmbelästigung
Immer wieder Partysemester

Münster -

Ute Junker kann nicht mehr schlafen. In ihrer Nachbarschaft, den ehemaligen Reihenhäuser der britischen Armee am Lilienthalweg, wohnen Erasmus-Studenten. Und die feiern oft, laut und lange. Eine Lösung des Problems? Nicht in Sicht.

Freitag, 28.09.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 28.09.2018, 10:07 Uhr
Ute Junker aus Gremmendorf ist Nachbarin der Erasmus-Studierenden in früheren Britenhäusern. Der ewige Partylärm macht sie nach eigener Darstellung mürbe.
Ute Junker aus Gremmendorf ist Nachbarin der Erasmus-Studierenden in früheren Britenhäusern. Der ewige Partylärm macht sie nach eigener Darstellung mürbe. Foto: Oliver Werner

Ute Junker lebt seit ihrer Geburt in Gremmendorf am Josef-Suwelack-Weg. In ihrer Jugend hat sie gern und auch mal laut gefeiert, das betont sie immer wieder. Jetzt ist es so, dass ihre Nachbarn in den umliegenden Gärten feiern – „sehr laut und meist vom späten Abend gegen 22 Uhr bis in den frühen Morgen“, sagt Junker. Oft ist mehrmals pro Woche Party, seit vier Jahren schon.

Junge internationale Gäste

In einigen der ehemaligen Reihenhäuser der britischen Armee am Lilienthalweg, deren Gärten an Ute Junkers Haus angrenzen, wohnen Erasmus-Studenten. Die Mieter beim Studierendenwerk wechseln alle paar Monate, weshalb immer neue junge internationale Gäste der Hochschulen in Gremmendorf einquartiert sind.

Die Häuser – jeweils mit Terrasse und großem Garten – sind beliebt: Drei oder vier Studenten bilden eine Wohngemeinschaft, „super geeignet für tolle Studentenpartys“, findet auch Ute Junker. Dass sie akustisch immer mitfeiert und deswegen oft nicht schlafen kann, setze ihr mittlerweile auch gesundheitlich sehr zu, wie sie sagt.

Bei 40 Dezibel fängt Ruhestörung an

Versuche, selbst mit den Bewohnern in Kontakt zu treten, seien ignoriert worden, sagt Ute Junker. „Die jungen Leute streiten am nächsten Morgen einfach ab, gefeiert zu haben“, erzählt sie. Polizei und Ordnungsamt seien zwar diverse Male auf ihre Veranlassung hin vor Ort gewesen, Ruhe sei aber nicht eingekehrt. Michael Thomas, Abteilungsleiter beim Ordnungsamt, bestätigt das. „Unsere Mitarbeiter fanden es gar nicht so laut“, berichtet Thomas. Er will beim nächsten Einsatz veranlassen, dass der Lärm im Schlafzimmer von Ute Junker gemessen wird. Nach der Gesetzeslage darf der Pegel ab 20 Uhr 40 Dezibel nicht überschreiten. „Bei 40 Dezibel fängt die Ruhestörung erst bei mir an“, betont Junker dazu, die mit einer Handy-App immer wieder Werte darüber misst.

Erasmus-Studierende bleiben nur kurz

Ihren Bitten an das Studierendenwerk, einen Hausmeister in der Nähe einziehen zu lassen, sei nicht nachgekommen worden. Zwar unterschrieben die Bewohner im Mietvertrag, nachts keinen ruhestörenden Lärm zu verursachen – in der Praxis sei dies aber wirkungslos. „Und weil jeder nur ein paar Monate bleibt, gibt es kaum eine Handhabe.“

„Wir haben schon wiederholt mit den jeweiligen Mietern gesprochen und um gegenseitige Rücksichtnahme gebeten“, heißt es beim Studierendenwerk. „Letztlich können wir als Vermieter aber auch nur an die Mieterinnen und Mieter appellieren, direkt sanktionieren können nur das Ordnungsamt und die Polizei.“

Kontakt zum „International Office“ der Uni

Das Ordnungsamt empfiehlt, Kontakt zum „International Office“ der Universität zu suchen, das die Erasmus-Studenten betreut. „Wir organisieren Veranstaltungen für die Ankömmlinge, jetzt zum Semesteranfang eine ganze Willkommenswoche“, berichtet Hannah Pfeifer vom International Office. Dabei erhalten die Erasmus-Studenten, die jeweils auch einen deutschen Studenten als „Buddy“ haben, unter anderen Verhaltensregeln, auch, dass sie nachts im Wohngebiet nicht lärmen sollen.

Erasmus-Studienzeit gilt als „Partysemester“

Was eben nicht immer auf offene Ohren stoße. Nicht umsonst gilt die Erasmus-Studienzeit auch als „Partysemester“. Junge Leute aus ganz Europa kommen zusammen, und ein einziges Semester ist vielen zu kurz, um ernsthaft ans Studieren zu denken, wie einzelne selbst sagen.

Universität und Stadt freuen sich, dass Münster bei Erasmus-Studenten beliebt ist – rund 1000 kamen im vergangenen Jahr. Ute Junker versteht die Freude von Stadt und Hochschulen über das internationale Ansehen. Dass sie selbst aber Jahr für Jahr von der Geräuschkulisse des Partysemesters beschallt wird, will sie nicht hinnehmen. Und nicht akzeptieren, dass es gegen den immer wiederkehrenden Lärm offenbar kein Mittel gibt.

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