Zur Entscheidung des Exzellenzwettbewerbs
Uni-Rektor Johannes Wessels im Interview: Münster strebt an die Spitze

Münster -

Die Uni-Münster hat mit der Bewilligung zweier Anträge für Exzellenzcluster ein wichtiges Ziel erreicht, meint Uni-Rektor Johannes Wessels im Interview. Die neue Stufe des Wettbewerbs steht unmittelbar bevor.

Sonntag, 30.09.2018, 10:00 Uhr
WWU-Rektor Johannes Wessels ist mit dem Ausgang des Wettbewerbs zufrieden. Die Uni Münster bewirbt sich nun als Exzellenzuniversität.
WWU-Rektor Johannes Wessels ist mit dem Ausgang des Wettbewerbs zufrieden. Die Uni Münster bewirbt sich nun als Exzellenzuniversität. Foto: WWU/Peter Wattendorff

Zwei erfolgreiche Anträge auf die Förderung von Exzellenzclustern, ein nicht bewilligter Antrag: Das ist, wie berichtet, das Ergebnis des am Donnerstag entschiedenen Exzellenzwettbewerbs von Bund und Ländern. Prof. Dr. Johannes Wessels, Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU), freut sich darüber – und hat schon wieder die nächste Herausforderung im Visier, wie er im Gespräch mit unserer Redakteurin Karin Völker über den Exzellenzwettbewerb verrät.

Alle beteiligten Wissenschaftler reagierten am Donnerstagabend nach der Entscheidung mehr oder weniger überrascht: die Gewinner, aber auch die Forscher des Clusters „Cells in Motion“, der nun aus der Förderung herausfällt. Wie überrascht sind Sie?

Wessels: Es war bei diesem Wettbewerb zu keiner Zeit möglich, Prognosen zu treffen. Ich kann nur sagen: Mit den beiden bewilligten Clustern haben wir unser zentrales Ziel erreicht. Und wenn ich mir die Liste der erfolgreichen Anträge anschaue, finde ich, dass wir in der Förderlandschaft in sehr guter Gesellschaft sind. Das Wichtigste ist, dass wir uns jetzt auch am Wettbewerb um die Förderung als Exzellenzuniversität beteiligen können.

Die Anträge dafür müssen schon im Dezember gestellt werden. Sind Sie vorbereitet?

Wessels: Konzeptideen dazu waren schon Bestandteil der jetzt gestellten Cluster-Anträge – und natürlich haben wir uns darauf vorbereitet. Letztlich geht es darum, dass wir in der Universität einen Konsens darüber herstellen, wie wir Exzellenz verstehen.

Wird für die neue Bewerbung wieder ein Motto für dieses Gesamtkonzept benötigt?

Wessels: Das ist so, aber darüber bewahren wir noch Stillschweigen. Bevor die Antragsfrist abgelaufen ist, sollte nichts von unserem Konzept durchsickern. Der Wettbewerb ist wirklich hart.

Wie stehen denn die Chancen?

Wessels: Es sollen sich ja laut Deutscher Forschungsgemeinschaft zehn bis zwölf Hochschulen die Fördersumme von 148 Millionen Euro jährlich untereinander aufteilen. Antragsberechtigt sind jetzt 17 einzelne Hochschulen und zwei Hochschulverbünde. Es gibt also durchaus eine Chance. Andererseits dürfen sich allein in Nordrhein-Westfalen fünf Hochschulen bewerben. Eine Menge für ein einziges Bundesland . . .

Bonn, Köln Aachen und Bochum haben, wie übrigens auch viele andere Hochschulen in anderen Bundesländern, im Verbund mit anderen Cluster-Anträge gestellt. Viele dieser Verbund-Anträge waren erfolgreich. Warum ist die WWU einen anderen Weg gegangen?

Wessels: Die Hochschulen im Rheinland sind sich räumlich schon sehr nah, da bietet sich eine Zusammenarbeit an. Bonn hat als ehemalige Bundeshauptstadt gleich mehrere Großforschungseinrichtungen, die sich als Kooperationspartner eignen. Wir haben regional wenige Kooperationspartner in NRW, mit denen sich ein gemeinsamer Antrag angeboten hätte. Und die Praxis muss ja jetzt auch erst zeigen, wie gut die Zusammenarbeit der Wissenschaftler in den Verbund-Clustern funktioniert. Unsere Erfahrung ist: Je näher die Leute zusammen forschen, desto besser ist das Ergebnis.

Wie geht es weiter mit dem künftig nicht mehr geförderten Exzellenzcluster „Cells in Motion“? Besteht die Gefahr, dass die intensive Zusammenarbeit der Naturwissenschaftler aller Disziplinen, der Mediziner und Mathematiker nun wieder auseinanderfällt?

Wessels: Nein, das sehe ich gar nicht. Das Netzwerk der Zusammenarbeit ist sehr stark und die Forschergruppen können auch unabhängig von der Exzellenzförderung weiterarbeiten. Die Forscher bleiben ja. Das Beste ist, dass der Forschungsbau des Clusters „MiC“, der übrigens unabhängig von der Exzellenzförderung von Bund und Land finanziert wird, in zwei Jahren fertig sein wird. Dort kann die Zusammenarbeit optimal weiterlaufen. Und es gibt auch viele andere Förderprogramme, die in der Summe gar nicht viel weniger Geld ausschütten als der Exzellenzwettbewerb.

Die Exzellenzinitiative läuft in Deutschland nun seit 13 Jahren. Wie sehr hat dieser Wettbewerb die WWU verändert?

Wessels: Es gibt – auch abseits der Cluster – viel mehr Zusammenarbeit zwischen einzelnen Fächern und Wissenschaftlern verschiedener Fächer. Früher war es eher üblich, dass einzelne Disziplinen ihre Forschungsgebiete allein betrachtet und bearbeitet haben, das hat sich sehr geändert. Heute schauen Forscher unterschiedlicher Fächer gemeinsam auf ein Thema – und erarbeiten zusammen Ergebnisse. Das ist ein großer Gewinn für die Forschung insgesamt.

Was haben Studierende davon, dass die WWU im Exzellenzwettbewerb Erfolg hat, vielleicht gar Exzellenz-Uni wird?

Wessels: Orte, die hoch qualifizierte Forschung bieten, sind auch für Studierende attraktiv. Es ist ein Unterschied, in der Lehre von eigenen Forschungen zu berichten als nur darüber erzählen zu können, was andere geforscht haben. Exzellente Forschung zieht auch gute Studierende an. Unsere Cluster haben außerdem ja auch zu neuen Angeboten für Studierende geführt, der Cluster „Cells in Motion“ etwa hat den neuen Studiengang „Experimentelle Medizin“ eta­bliert.

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