Park ohne Ordnung
Problembereich Bremer Platz

Münster -

Mit dem Bahnhofsumbau soll auch der Bereich am Bremer Platz schöner werden. Doch der ist fester denn je in den Händen der Trinker- und Drogenszene.

Samstag, 29.09.2018, 15:00 Uhr aktualisiert: 29.09.2018, 15:34 Uhr
Auf dem Bremer Platz werden Drogen nicht nur konsumiert, sie werden dort auch gehandelt. Am rechten Bildrand macht sich ein Konsument gerade seine Dosis fertig. Während sich die Szene dort täglich trifft, machen viele Passanten um den Park lieber einen Bogen.
Auf dem Bremer Platz werden Drogen nicht nur konsumiert, sie werden dort auch gehandelt. Am rechten Bildrand macht sich ein Konsument gerade seine Dosis fertig. Während sich die Szene dort täglich trifft, machen viele Passanten um den Park lieber einen Bogen. Foto: Oliver Werner

Für manche ist es ein Rückzugsraum in aller Öffentlichkeit, für viele andere ein verlorenes Stück Münster. Am Bremer Platz treffen Trinker auf Obdachlose, Osteuropäer ohne Perspektive auf Drogensüchtige. Aggression und Gewalt untereinander sind an der Tagesordnung, harte Drogen werden offen konsumiert und auch verkauft. Menschen verrichten ihre Notdurft vor den Augen von Passanten und Anwohnern in der Parkanlage und den angrenzenden Vorgärten.

Im Zuge des Bahnhofsumbaus, so ist es der Wille des Rates, soll der Park auf einer möglichst breiten Basis aller Beteiligten umgestaltet werden – allerdings ganz explizit ohne die dort ansässigen Szenen zu verdrängen. Aber geht das überhaupt?

Status Quo ist keine Lösung

„Die Situation am Bremer Platz hat sich in den vergangenen Jahren ständig verschlechtert“, sagt CDU-Schatzmeister Hendrik Grau, der Anlieger am Bremer Platz ist. Für ihn steht fest: „Ein Zementieren des jetzigen Status Quo ist definitiv keine Lösung.“

Der Bremer Platz ist uns unter der Hand weggeschwommen.

CDU-Ratsherr Richard-Michael Halberstadt

CDU-Ratsherr Richard-Michael Halberstadt, Teil der Ordnungspartnerschaft Bahnhof/Drogen, schluckt merklich bei der Frage nach der Zukunft des Platzes. Bei allen schwierigen Szenen rund um den Bahnhof müsse man ehrlich bekennen: „Der Bremer Platz ist uns unter der Hand weggeschwommen.“ Die Frage, wie man die Szenen dort noch bändigen wolle, sei bei der aktuellen Situation vor Ort berechtigt. Hoffnungen setzt Halberstadt zumindest auf das neu eingerichtete Quartiersmanagement.

Montessori-Schule macht Vorschlag

Stefan Scholz und Christina Möller, als städtische Quartiersmanager, sind allerdings – eigenen Angeben zufolge – keine Streetworker. Sie sehen ihre Aufgabe vor allem als Mittler der ganz unterschiedlichen Interessen, die am Bremer Platz aufeinandertreffen. Er erwarte „eine Gemengelage“, sagte Scholz in dieser Woche, bevor er sich mit Anliegern zu einem Termin traf.

Anlieger am Bremer Platz sind auch die Montessori-Grundschule und die Montessori-Gesamtschule. Deren geschäftsführende Schulleitung Eva Grindel würde sich wünschen, dass der Park in Zukunft wieder einer breiteren Bevölkerung zur Verfügung steht. Vielleicht, so sagt Grindel, könne ja ein Weg vom Bahnhof direkt auf die Schule zuführen und so ganz nebenbei den Park in zwei Bereiche trennen. „Ein Basketball- oder Soccerfeld“, das wäre schön, findet Grindel, die das Projekt Umgestaltung „spannend“ nennt. Ein Spielplatz gehe natürlich nicht, man brauche eben irgendetwas, wo man keine Drogen im Sand verstecken könne, sieht die Betriebswirtin die Situation betont realistisch.

Polizei will Szene nicht vertreiben

Und die Polizei? Die gibt an, beobachtete Straftaten auch zu verfolgen. Dafür sei man bereits seit vergangenem Jahr vermehrt, sowohl in Uniform als auch zivil, im Einsatz. Man wolle die Szene aber eben nicht vertreiben, um sie weiter im Auge behalten zu können. Eine zu rigide Vorgehensweise, das klingt zumindest mit, wäre dafür nicht förderlich. Die Situation am Bremer Platz, sie zeige eben ein gesamtgesellschaftliches Problem, lässt eine Sprecherin der Behörde wissen.

Münsters Drogenszene

Mehr Drogenabhängige könne man nicht feststellen, sagt Dr. Wolfgang Schneider, Leiter beim Drogenhilfeverein Indro. Er schätzt die Zahl der Drogensüchtigen in Münster auf 1000 bis 1200 – Alkoholiker und Drogenkonsumenten der Partyszene nicht mitgerechnet. Durch den Wegfall der Tankstelle an der kleinen Bahnhofstraße sowie dem Bereich Engelenschanze, den die Polizei weitgehend drogenfrei bekommen hat, komme es allerdings zu einer Verdichtung am Bremer Platz. Heroin sei weiter die dominierende Substanz in der Szene, ob nun gespritzt oder geraucht. Zudem nehme man einen Anstieg von gepanschtem Kokain wahr.

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Stefan Leschniok, ordnungspolitischer Sprecher der CDU, stellt in diesem Zusammenhang fest, dass Straftaten geahndet werden müssen. Das, so Leschniok, gehe auch ohne Hundertschaften. Er hofft zudem, dass „gewisse Grenzüberschreitungen“ in Zukunft rund um den Bremer Platz, aber auch in den umliegenden Bereichen, unter anderem durch die neu eingerichtete Doppelstreife der Ordnungsbehörden eingedämmt würden.

Ob das ausreicht, um die Interessen der Anlieger zu wahren? „Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass wenn die Situation so am Prinzipalmarkt wäre, wir die ersten wären, die schreien würden“, sagt Christdemokrat Halberstadt.

Kommentar

Man mag ja alle verstehen können, die die Drogenszene am Bremer Platz belassen wollen. Um nicht noch weitere Bereiche Münsters diesem Elend auszusetzen. Um die Kriminalität kontrollieren zu können. Oder einfach, weil es hier ja immer noch um Menschen handelt, die man nicht einfach wegschieben kann. Doch der derzeitige Zustand rund um den Platz zeigt nicht nur, dass die bisherige Vorgehensweise als gescheitert betrachtet werden darf, er weckt auch Zweifel, ob sich die Situation in Zukunft, trotz der geplanten Umgestaltung, überhaupt noch in geordnete Bahnen lenken lässt. Verwaltung und Behörden müssen endlich die Belange und Interessen der Anlieger, die sich an Recht und Gesetz halten, als Priorität behandeln, denn genau das passiert bislang nicht. - Björn Meyer

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