Keimzelle für Beratungsnetz in NRW
Beratungsstelle für Opfer von Gewaltstraftaten

Münster -

Ob nach einem Wohnungseinbruch oder einem Überfall – Opfer von Straftaten leiden psychisch oft noch lange darunter. Der Verein Chance hat nun die erste Fachberatungsstelle für Opfer von Gewaltstraftaten eröffnet. Es soll die Keimzelle für ein landesweites Beratungsnetz werden.

Samstag, 29.09.2018, 08:00 Uhr
Bei der Eröffnung der Beratungsstelle Opferhilfe beim Chance e.V. im Geschäftszentrum von Berg Fidel (v.l.): Initiatorin Heike Clephas, Christoph Gebhardt (Arbeitskreis der Opferhilfen Deutschland), Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson, und Geschäftsführer Rainer Wick.
Bei der Eröffnung der Beratungsstelle Opferhilfe beim Chance e.V. im Geschäftszentrum von Berg Fidel (v.l.): Initiatorin Heike Clephas, Christoph Gebhardt (Arbeitskreis der Opferhilfen Deutschland), Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson, und Geschäftsführer Rainer Wick. Foto: hö

Viele Opfer von Straftaten verfolgt das Erlebte noch lange und lastet schwer auf der Seele. Unsicherheit herrscht, wenn es um die Beantragung von Entschädigungsleistungen geht. Am Freitag wurde beim Verein Chance die Beratungsstelle für Opfer von Gewaltstraftaten eröffnet.

„Die erste dieser Art in Nordrhein-Westfalen“, unterstrich Christoph Gebhardt vom Arbeitskreis der Opferhilfen Deutschland, der extra aus Darmstadt angereist war. Er hofft, dass sich aus dieser Keimzelle „ein Netz von Beratungsstellen in ganz NRW entwickelt“ – nach dem Vorbild von Ländern wie Niedersachsen oder Hessen.

Opfer traumatisiert

Es gehe vor allem darum, „psychische Fehlentwicklungen bei Opfern zu verhindern“. Nach einem Überfall auf der Straße oder nach einem Wohnungseinbruch, der nicht selten die Opfer traumatisiert. Die Zahlen sprechen laut Gebhardt für sich: „Etwa 20 Prozent ziehen nach einem Wohnungseinbruch um, weil sie es nicht mehr aushalten und sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen.“

Und Senioren, die auf den Enkeltrick hereingefallen sind, haben es laut Gebhardt mitunter schwer, wieder Vertrauen zu Menschen aufzubauen.

Unterstützung durch die Stadt

Die Nachfrage nach Beratung in Münster und im Münsterland ist groß. Deshalb hat der Rat der Stadt Münster im vergangenen Jahr beschlossen, als Anschubfinanzierung die Beratungsstelle in den ersten beiden Jahren mit 30 000 Euro jährlich zu unterstützen, erinnerte Bürgermeisterin Wendela-Beate Viljhalmsson.

Einzigartig in NRW sei die Ausrichtung des Vereins Chance, der sich bislang vor allem um die gesellschaftliche Integration von Haftentlassenen kümmere und nun auch die Opfer unterstütze.

Treibende Kraft: Heike Clephas

Treibende Kraft bei der Einrichtung der Fachberatungsstelle Opferhilfe war Heike Clephas, die bereits seit 20 Jahren mit Straffälligen arbeitet, wie sie sagt. Seit einiger Zeit auch in der psychosozialen Prozessbegleitung im Landgerichtsbezirk Münster. „Sie hat mit Herzblut und Feuer dafür gekämpft, dass dieses Projekt auf den Weg gebracht wurde“, lobte Chance-Geschäftsführer Rainer Wick.

In den vergangenen Wochen habe sie übrigens auch Opfer der Amokfahrt vom Kiepenkerlplatz beraten.

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