Schiedsgericht ermittelt gegen gesamten Vorstand
Fingierte Mitglieder setzen FDP Münster unter Druck

Münster/Düsseldorf -

Die FDP in Münster soll Mitgliederzahlen nicht korrekt angegeben haben. Die Parteiführung in Düsseldorf ist alarmiert. Jetzt ermittelt ein Schiedsgericht gegen den gesamten Kreisvorstand.

Montag, 01.10.2018, 06:55 Uhr aktualisiert: 01.10.2018, 13:34 Uhr
Schiedsgericht ermittelt gegen gesamten Vorstand: Fingierte Mitglieder setzen FDP Münster unter Druck
Foto: dpa (Symbolbild)

Dieser Auftrag ist speziell. Normalerweise kümmert sich das Schiedsgericht der NRW-FDP um säumige Parteimitglieder, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen und deshalb vor dem Rauswurf stehen. Dieses Mal könnte am Ende auch eine disziplinarische Strafe stehen – allerdings gegen einen ganzen Kreisvorstand: Der FDP-Landesvorstand selbst hat das Schiedsgericht nach Informationen unserer Zeitung schon vor einigen Wochen mit einem brisanten wie pikanten Fall beauftragt. Es geht um den Vorwurf, der FDP-Kreisverband Münster habe Ende 2017 frei erfundene Parteimitgliedschaften an nicht existierende Personen ausgegeben.

Keine Stellungnahme

Im Fokus des Verfahrens steht Münsters FDP-Vorsitzender Manuel Lascasas mit dem Ende vergangenen Jahres amtierenden Vorstand. Zur Erklärung: Im März hat der Kreisverband einen neuen Vorstand gewählt, weiter mit Lascasas an der Spitze.

Fragt man im Landesvorstand oder im FDP-Bezirk Münsterland nach einer Stellungnahme, ist Schweigen die Antwort. Kein Wunder, der trotzdem durchgesickerte Fall ist peinlich für eine Bürgerrechtspartei: Nach Informationen unserer Zeitung meldete der FDP-Kreisverband Münster zum 31. Dezember 2017 noch 33 Neumitglieder, die in den letzten fünf Tagen des Jahres aufgenommen worden seien. Als die Landespartei dann die Mitgliedsausweise per Post verschickte, kamen viele zurück: Adressat nicht auffindbar.

Daraufhin ließ Münsterland-Bezirkschef Karlheinz Busen die Liste der Neumitglieder mit dem Melderegister der Stadt Münster abgleichen. Ergebnis: 21 Neumitglieder gab es nicht. Ihre Echtheit hätte aber der Kreisvorstand überprüfen müssen. Eherne Regel, die ein Parteiinsider so formuliert: „Die Integrität der Mitgliederdaten darf nie in Zweifel gezogen werden.“

Warum werden Parteimitglieder erfunden?

Warum man erfundene Parteimitglieder aufnimmt? Auf die Frage reagieren einzelne FDP-Mitglieder mit Achselzucken. Es gibt aber auch Spekulationen: Das Motiv könnte im bevorstehenden Bezirksparteitag der Münsterland-FDP liegen, bei dem die Delegiertenzahl von der Mitgliederzahl abhängt: Und Lascasas galt als Konkurrent Busens um den Posten als Bezirkschef. So weit kam es nicht, Lascasas scheiterte an einer fehlenden Stimme bei der Wahl für einen Stellvertreterposten. Bemerkenswert: Münsters FDP-Chef hatte nach seiner Wiederwahl bilanziert, dass dessen Mitgliederzahl 2017 um 200 auf 435 gestiegen sei.

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