Tierrechtler kritisieren Gerichtsurteil
„Tierwohl wichtiger als Forschungsfreiheit“

Münster -

Die Tierrechtsorganisation „Peta“ kritisiert in einer Pressemitteilung das jüngste Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster über die Zulässigkeit eines Tierversuchs an der Universitätshautklinik.

Montag, 01.10.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 01.10.2018, 14:07 Uhr
 
  Foto: Friso Gentsch

Im Juni 2017 hatte ein anonymer Hinweis zu einem illegalen Tierversuchslabor der Uni-Hautklinik für Schlagzeilen gesorgt. Anders als der Verwaltungsgericht Münster hatte das Oberverwaltungsgericht jetzt entschieden, dass die verantwortliche Wissenschaftlerin weiterhin Tierversuche durchführen darf .

"Zweifelsfreier Verstoß gegen den Tierschutz"

Anne Meinert, Kognitionsbiologin und Fachreferentin für den Bereich Tierversuche bei Peta, kritisiert die Entscheidung scharf: „Die Hauptverantwortliche mag Mitarbeiter zu Kontrollen angewiesen haben, doch das Veterinäramt ging davon aus, dass die Tiere über eine längere Zeit hinweg unter erheblichen Schmerzen gelitten haben. Sechs der damals aufgefundenen Mäuse mussten eingeschläfert werden. Die Verantwortlichen haben somit zweifelsfrei gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.“ Mit dem Urteil werde die Forschungsfreiheit über das Tierwohl gestellt.

Tierversuche an der Uni Münster

1/20
  • Die Uni Münster hat nach einem fast fünfjährigen Diskussionsprozess ein ethisches Leitbild für den Umgang mit Tieren in der Wissenschaft verabschiedet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Zusätzlich zu den Vorgaben aus dem Tierschutzgesetz will die Uni damit Mitarbeiter und Forscher für das umstrittene Thema Tierversuche sensibilisieren.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Uni in Münster hält für Tierversuche unter anderem 40 Makaken-Affen,...

    Foto: Wilfried Gerharz
  • ...90 Marmosetten-Affen,...

    Foto: Wilfried Gerharz
  • ...rund 35.000 Mäuse, knapp 1000 Ratten, 40.000 Fische und etwa 900 weitere Tiere.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Uni Münster hat Haltungsgenehmigungen für deutlich mehr Tiere. Das neue Leitbild soll einen Orientierungsrahmen liefern – neben dem bereits sehr strengen Tierschutzgesetz.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sommer 2017 waren auf dem Gelände der Uni illegale Tierbestände gefunden worden. Die Ermittlungen der Behörden sind zu diesem Fall noch nicht abgeschlossen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Uni weist daraufhin, dass das jetzt veröffentlichte Leitbild nicht im Zusammenhang mit dem Vorfall steht. Der Diskussionsprozess sei bereits Ende 2012 begonnen worden.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Uni will mit dem Leitbild Wissenschaftler an ihre persönliche Verantwortung für das Tier erinnern. Das Papier benennt das als „Nicht-Deligierbarkeit persönlicher Verantwortung“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Außerdem sollen Tierversuche auf ein Minimum beschränkt werden: „Leid der Tiere soweit wie möglich reduzieren“, heißt es in dem Leitbild.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Wissenschaft soll nach Wegen suchen, Tierversuche zu ersetzen, zu reduzieren oder zu verbessern.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Nach dem Versuch soll Tieren eine Lebensperspektive ermöglicht werden.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Zudem will die Uni die Öffentlichkeit offen und transparent über die eigenen Tierversuche informieren.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Auch sollen Uni-Mitarbeiter ermuntert werden, Missstände auch anonym als sogenannte Whistleblower zu melden.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Roman Kolar, Leiter der Akademie für Tierschutz, des Deutschen Tierschutzbundes. lobt die Uni: „An manchen Stellen ist das Leitbild geradezu revolutionär. Dazu gehört der mehrfache Verweis auf den Eigenwert und die Empfindungsfähigkeit von Tieren oder auf die Verantwortung und Verpflichtung der Wissenschaft. Aber vor allem der Grundsatz, dass bei zu erwartendem schweren Tierleid auf einen Erkenntnisgewinn aus ethischen Gründen verzichtet werden muss, ist eine Aussage, die ich von deutschen Wissenschaftsorganisationen und -Einrichtungen so noch nie gehört habe.“

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Uni müsse jetzt aber beweisen, dass den Worten auch Taten folgen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Sie hat hohe Ansprüche formuliert, selbst wenn diese eigentlich nur dem gestiegenen Stellenwert des Tierschutzes in der Gesellschaft entsprechen, zum Beispiel seiner Aufnahme ins Grundgesetz vor 15 Jahren“, sagt der Biologe Roman Kolar vom Deutschen Tierschutzbund.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Leitbild soll auch Forschern den Rücken stärken, die sich bewusst für einen Tierversuch entschieden haben.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Es gibt Prozesse, denen sich die Uni stellen muss. Sie muss das Bewusstsein für das Problem Tierversuche wecken. Dabei geht es auch um die Konfrontation zwischen dem Protest gegen Tierversuche und der Notwendigkeit der Forschung“, sagt Gilbert Schönfelder, Leiter des bundeseigenen Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) in Berlin.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das im Oktober einstimmig vom Senat der Uni Münster verabschiedete Papier wurde am Freitag von einer Koordinierungskommission vorgestellt. Zu dieser Gruppe zählen sowohl Naturwissenschaftler, Mediziner, Tierschutzbeauftragte, der Leiter des Zentrums für Bioethik und Studentenvertreter.

    Foto: Wilfried Gerharz
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6089627?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker