Berliner Deutschrocker in der Sputnikhalle
Melodien von Milliarden

Münster -

Die Berliner Band Milliarden kehrte zurück auf die Bühne der Sputnikhalle, um dort weiterzumachen, wo beim letzten Mal Schmerzensschreie statt Zugaberufe das Konzert unfreiwillig beendet hatten. Am Samstag trumpften sie mit einem umjubelten Auftritt voller Energie, Romantik und Attitüde auf. Und einem Heiratsantrag als i-Tüpfelchen.

Montag, 01.10.2018, 16:00 Uhr aktualisiert: 01.10.2018, 18:08 Uhr
Die Berliner Rockband Milliarden spielte am Samstag in der Sputnikhalle – dort wo sich Sänger Ben Hartmann beim letzten Auftritt das Knie verdreht hatte.
Die Berliner Rockband Milliarden spielte am Samstag in der Sputnikhalle – dort wo sich Sänger Ben Hartmann beim letzten Auftritt das Knie verdreht hatte. Foto: Jörn Krüßell

„Ich bin ein Betrüger. Ich betrüge mich selbst“, singt Ben Hartmann nach einem Drittel des Konzertes. Es ist ruhiger geworden, im besten Sinne besinnlicher. „Ich schreibe mir die tollsten Geschichten. Und dunkelsten Lieder. Ich schreibe mich selbst“, geht es weiter.

Alle singen mit, natürlich. Identifikation und Sehnsucht nach Emotion und Liebe sind wiederkehrende Themen in den Texten der Band Milliarden um Sänger Ben Hartmann. Und die unbändige Überzeugung, die die gesamte Band ausstrahlt, überträgt sich auf die Körpersprache. Immer wieder sucht Ben die Nähe zum Publikum, stellt sich an den Rand der Bühne, lehnt sich den ersten Reihen des Publikums entgegen.

Voller Körpereinsatz

Dieser volle Körpereinsatz spricht für eine gelungene Verarbeitung der Ereignisse des letzten Milliarden-Konzerts, wo an gleicher Stelle der Abend für Hartmann im Krankenhaus endete, nachdem er auf der Bühne ausgerutscht war und sich das Knie verdreht hatte.

Nicht so an diesem Abend. Auch wenn der Opener „Regenbogen“ noch gemächlich daher kommt, geht es danach mit „Rosemarie“ und „Über die Kante“ vom neuen Album „Berlin“ so richtig los. Schonhaltung Fehlanzeige.

Retro-Deutschrock sagen manche zum Sound der Band. Immer energisch, immer zum mitsingen und tanzen. Wenn Ben nicht selber Gitarre spielt, ist er alles, nur nicht still, den Sprung in die Menge lässt er sich am Ende auch nicht nehmen.

Bandkollege und Keyboarder Johannes Aue hält es nicht minder still. Ein mobiles Keyboard am Bühnenrand lässt ihn immer wieder nach vorne kommen und zum zweiten Frontmann werden.

Hartmann verurteilt Rassismus

Politisch wird es später auch noch. Hartmann appelliert an Aufklärung und Vernunft, verurteilt Rassismus, und das Publikum reagiert mit Anti-AFD-Sprechchören. Dann singt er „Freiheit is’ ne Hure und ich bin ihr Kind“. So klingen Überzeugungstäter. Von irgendwo aus der vollen Sputnikhalle erreicht schließlich ein Zettel die Bühne. Die Botschaft: Das Konzert soll der Rahmen eines Heiratsantrages sein. „Das ist das, was wir predigen, die Liebe“, so Hartmann danach sichtlich begeistert.

Gestalten und neu gestalten. Das Publikum hat es begriffen. Im Lied „Betrüger“ heißt es weiter: “Löse mich auf, Stück für Stück. Und setz mich neu wieder zusammen. Verkleidet als Sänger. Von dem diese Zeilen stammen“.

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