Polizei-Einsatz im Hambacher Forst
„Die Kollegen sind am Limit“

Münster/Kerpen -

Seit Wochen ist auch die Einsatzhundertschaft der Polizei Münster im Hambacher Forst im Einsatz. Laut Gewerkschaft sind die Kollegen inzwischen „am Limit“, eine Freizeitplanung sei über Monate nicht mehr möglich.

Dienstag, 02.10.2018, 07:23 Uhr
Die Einsatzhundertschaft der Polizei Münster ist seit Wochen im Hambacher Forst eingesetzt.
Die Einsatzhundertschaft der Polizei Münster ist seit Wochen im Hambacher Forst eingesetzt. Foto: hpe

Münsters Polizei-Einsatzhundertschaft ist gemeinsam mit den 17 anderen NRW-Bereitschaften seit Wochen fast täglich im Hambacher Forst im Einsatz. Eine verlässliche Freizeitplanung ist nicht mehr möglich und die Dauerbelastung mit ständig wechselnden Schichten weit weg von den Familien könnte sich bis zum Frühjahr 2019 hinziehen. Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Münster ist jetzt „das Limit erreicht“, so ihr Sprecher Arnd Breitkopf.

Weil parallel noch die Einsätze bei Fußballspielen der 1. und 2. Liga und, wie am vergangenen Wochenende der Großeinsatz beim Erdogan-Besuch dazu kommen, seien die persönlichen Freiräume und die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen, inzwischen „gleich Null“. Für Breitkopf ist eine Phase erreicht, bei der „selbst bei den Besten die Motivation auf der Strecke bleibt“.

"Belastungsspitzen" für die Hundertschaften

Verantwortlich für den landesweiten Einsatz am Rande des Braunkohlereviers in Düren ist das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD). Pressesprecher Jan Schabacker bestätigt, dass die Hundertschaft aus Münster „in die polizeilichen Maßnahmen im Hambacher Forst voll involviert sei.

Schabacker: „Zweifellos eine starke Belastung für alle Beteiligten, am Limit ist die Polizei NRW allerdings nicht. Es stehen im Rahmen der aktuellen Sicherheitslage ausreichend Kräfte in Reserve für akute Einsätze.“ Es gebe „immer mal wieder Belastungsspitzen“ für die Hundertschaften, jetzt sei solch eine Phase. Eine direkte Urlaubssperre gebe es allerdings nicht, es sei nur eine „größtmögliche Verfügbarkeit“ angeordnet. Genehmigte Urlaube könnten also weiterhin von den Kollegen genommen werden, allerdings werden aktuell neue Anträge auf freie Zeit in aller Regel negativ beschieden.

Räumung im Hambacher Forst

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  • Mehrere Demonstranten stehen mit Transparenten und Schildern auf der Aktion „Trecker gegen Braunkohle“ von der Organisation „Campact“ vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Die Aktivisten protestieren vor der heutigen Sitzung der Kohlekommission gegen die Abholzung durch RWE im Hambacher Forst und fordern den sofortigen Kohleausstieg.

    Foto: Fabian Sommer
  • Mehrere Traktoren der Aktion „Trecker gegen Braunkohle“ von der Organisation „Campact“.

    Foto: Fabian Sommer
  • Polizisten stehen Aktivisten im Hambacher Forst gegenüber.

    Foto: Arnulf Stoffel
  • Eine Umweltaktivisten hängt unter einem Baumhaus am Seil.

    Foto: Oliver Berg
  • Hinter einem Protestkamp steht eine Braunhohlebagger.

    Foto: Oliver Berg
  • Polizisten begleiten nach der Räumung eines Baumhauses eine Aktivistin (2.v.r) aus einem Hubwagen.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Bagger gräbt im Hambacher Forst an einer Stelle, an der zuvor ein Baumhaus von Aktivisten geräumt und abgerissen wurde.

    Foto: Marcel Kusch
  • Teilnehmer einer Demonstration stehen im Hambacher Forst einer Reihe von Polizisten gegenüber. Mehrere tausend Menschen protestieren gegen die Rodung des Waldes.

    Foto: Henning Kaiser
  • Demonstrationen von mehreren tausend Braunkohlegegnern haben die weitere Räumung des Hambacher Forstes am Wochenende nicht stoppen können.

    Foto: Henning Kaiser
  • Teilnehmer einer Demonstration gegen die Rodung des Hambacher Forsts versuchen über einen Wall in den Wald zu kommen und werden von der Polizei gehalten.

    Foto: Christophe Gateau
  • Ein Teilnehmer einer Demonstration gegen die Rodung des Waldes wird von der Polizei am Hambacher Forst festgehalten, nachdem er versucht hat eine Polizeikette durchzubrechen.

    Foto: Henning Kaiser
  • Teilnehmer einer Demonstration tragen Baumsetzlinge die sie auf dem gerodeten Teil des Forstes anpflanzen wollen. Die Demonstranten konnten nur über Äcker und Wege am Rande des Waldes laufen.

    Foto: Henning Kaiser
  • Polizisten stehen nachts im Hambacher Forst.

    Foto: Christophe Gateau
  • Ein Bagger fährt durch den Hambacher Forst.

    Foto: Christophe Gateau
  • Teilnehmer einer Demonstration gegen die Räumung und die geplante Rodung des Hambacher Forstes, die vorbei an den Polizeiketten in den Hambacher Forst gekommen sind, halten in der Nähe des Baumhausdorfes «Oaktown» eine Kundgebung ab. Eine Demonstrantin zeigt ein Schild mit den Worten «Hambi bleibt!».

    Foto: Henning Kaiser
  • Polizisten verhindern das Eindringen von Demonstranten in das „Gefahrengebiet Hambacher Forst“, in dem die Räumung von Baumhäusern der Braunkohlegegner fortgesetzt wird.

    Foto: Jana Bauch
  • Feuerwehrleute sind an einer Hütte im Hambacher Forst im Einsatz. In der Hütte soll sich noch mindestens eine Person seit über 24 Stunden verschanzt haben.

    Foto: Christophe Gateau
  • Polizisten auf Pferden verhindern das Eindringen von Demonstranten.

    Foto: Henning Kaiser
  • Polizei und Demonstranten.

    Foto: Henning Kaiser
  • Aktivisten hängen an einer Anlage auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks Niederaußem. Mit ihrer Aktion wollen sie den Protest im Hambacher Forst unterstützen.

    Foto: Henning Kaiser
  • Ein Polizist steht im Hambacher Forst vor einem von Aktivisten gebauten Haus. Eine Nebelgranate ist vorher von Aktivisten geschmissen worden.

    Foto: Marcel Kusch
  • Ein dreibeiniger Hochsitz vor einem Baumhaus.

    Foto: Jana Bauch
  • Über Polizisten, die vor dem Hambacher Forst stehen, fliegt ein Motorgleitschirm.

    Foto: Jana Bauch
  • Eine Polizistin steht im Wald an einer Absperrung.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Räumpanzer der Polizei steht im Hambacher Forst.

    Foto: Marius Becker
  • Ein Umwelt Aktivist steht mit erhobener Faust im Wald.

    Foto: Oliver Berg
  • Eine Umweltaktivistin sitzt mit fixierten Händen auf einem Baumstamm.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Ein Umweltaktivist sitzt auf einem Hochsitz im Hambacher Forst.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Behörden wollen am Donnerstag mit Räumungen im Hambacher Forst beginnen.

    Foto: Marius Becker
  • Umweltaktivisten haben Barrikaden gebaut, um die Polizei aufzuhalten.

    Foto: Christophe Gateau
  • Die Aktivisten versuchen die Rodung des Hambacher Forsts durch den Energiekonzern RWE zu verhindern.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Räumfahrzeug entfernt eine Barrikade.

    Foto: Henning Kaiser
  • Aktivisten sitzen im Hambacher Forst auf einem Tripod und dahinter auf einem Pfahl.

    Foto: Henning Kaiser
  • Streit um Braunkohle: Polizeifahrzeuge stehen am Donnerstag in der Nähe von Morschenich am Tagebau Hambach.

    Foto: Henning Kaiser
  • Der Energiekonzern RWE will im Herbst mehr als die Hälfte des noch verbliebenen Waldstücks roden, um weiter Braunkohle baggern zu können.

    Foto: Christophe Gateau
  • Für die Polizei hat einer der größten Einsätze in der jüngeren NRW-Geschichte begonnen. Wasserwerfer und schweres Räumgerät sind im Einsatz.

    Foto: Oliver Berg
  • Mitarbeiter der zuständigen Stadt Kerpen informierten die Baumbesetzer per Lautsprecher über den Räumungsbeschluss und forderten sie auf, die Baumhäuser innerhalb von 30 Minuten zu verlassen. „Wenn sie dann nicht freiwillig runterkommen, dann werden wir mit Hilfe der Polizei die Baumhäuser räumen“, sagte ein Stadtsprecher.

    Foto: Marius Becker
  • Die Waldbesetzer kündigen gewaltlosen Widerstand an.

    Foto: Christophe Gateau

Die Hundertschaft aus Münster ist immer für einige Tage im Einsatz, die Polizisten wechseln sich mit Kollegen aus anderen Städten ab. Einsatzzeiten verschieben sich sehr kurzfristig, die Schicht dauert zwölf Stunden.

Finanzieller Ausgleich 

Insgesamt stehen rund 2000 Bereitschaftspolizisten in NRW zur Verfügung. Zur Absicherung der Räumungsarbeiten im Hambacher Forst sind immer rund 1000 Polizisten präsent.

Breitkopf: „Die Situation ist schwer erträglich. Eine solche Maximalbelastung haben die Kollegen noch nie durchmachen müssen.“ Freizeit sei über Monate hinweg nicht mehr planbar.

Um zumindest einen finanziellen Ausgleich hinzubekommen, fordert die Gewerkschaft eine Erschwerniszulage für die Hundertschaften, wie sie bislang nur die Spezialeinheiten bekommen. „Unsere Leute werden oft respektlos behandelt, erleben im Hambacher Forst massive Gewalt, trotzdem setzen sie sich immer gewissenhaft für die Sicherheit ein.“ Viele seien inzwischen auch in einer „moralischen Zwickmühle“ zwischen ihren eigenen politischen und ideologischen Überzeugungen und dem Auftrag, den Rechtsstaat zu schützen.

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