Prozess
Familie mit Messer bedroht - sechs Jahre Haft für Raubüberfall

Münster -

Der Tatvorwurf gegen einen 32 Jahre alten Georgier lautete „besonders schwerer Raub“. Am Landgericht kam es am Donnerstag bereits am ersten Prozesstag zur Urteilsverkündung. Der wohnungslose Mann wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Freitag, 05.10.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 05.10.2018, 07:03 Uhr
 
  Foto: dpa

Ihm war zur Last gelegt worden, im April mit einem unbekannten Komplizen in eine Familienwohnung in Kinderhaus eingedrungen zu sein. Mit dem Zweck, Geld zu erbeuten, attackierte er den Familienvater sofort; währenddessen bedrohte der Komplize dessen Frau und die zwei Kinder mit dem Messer . Die 10-jährige Tochter wurde getreten, um sie zum Schweigen zu bringen. Der Vater, der sich zum Schutz seiner Familie ergeben hatte, wurde mit Klebeband gefesselt und trug Prellungen sowie einen abgesplitterten Zahn davon. Diese Zeugenaussagen der Eltern hielt das Gericht für glaubhaft.

Angeklagter ist unglaubwürdig

Für unglaubwürdig hingegen befand der Richter die Darstellung des Angeklagten. Der Georgier hatte behauptet, von dem ihm namentlich unbekannten Komplizen erst vor der Wohnungstür zur Tat angestiftet worden zu sein. Ursprünglich habe er gedacht, man wolle sich nur Cannabis beschaffen.

„Sind Sie ein Dealer?“, hatte der Richter den zur Zeit arbeitslosen Familienvater denn auch gefragt. Dieser verneinte. Er kiffe nur gern, so wie Andere abends ein Glas Wein trinken. Der Richter deutete an, dass ihn die Täter womöglich für einen Hasch-Dealer gehalten und daher bewusst seine Wohnung ausgewählt hätten.

„Du hast mein Leben und das meiner Kinder zerstört!“

„Die Wohnung ist ein besonders geschützter Raum“, wurde betont. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die Mutter und ihre zwei Kinder traumatisiert. Die 34-Jährige hat eine ambulante Trauma-Therapie absolviert und brach im Gerichtssaal in Tränen aus.

Der Angeklagte hatte sich zuvor erhoben und bei der jungen Frau entschuldigt. „Das kannst du nicht wiedergutmachen - du hast mein Leben und das meiner Kinder zerstört!“, rief die Mutter.

Anwalte plädierte auf drei Jahre

Das Leben des Georgiers sei „absolut atypisch“ für solch eine Tat, betonte sein Anwalt und plädierte auf ein Strafmaß von drei Jahren. Der 32-Jährige stamme aus normalen Verhältnissen; er hatte in seiner Heimat studiert und wollte „Regisseur“ werden (die Übersetzerin war sich da nicht sicher).

Der Täter sei nicht vorbestraft und seinerzeit nur zum Geldverdienen auf dem Bau nach Deutschland gereist - was nicht gelang. Seinen Komplizen nannte der Angeklagte indes nicht, obwohl der Richter ihm Strafmilderung in Aussicht gestellt hatte. Mit dem Strafmaß von sechs Jahren blieb das Gericht zwei Jahre unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

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