Kantatenchor und Kourion-Orchester liefern im Konzert beeindruckende Klangkultur
Friedenssehnsucht und königlicher Glanz

Münster -

In den vielen Jahren seiner Aktivitäten hat sich der Kantatenchor Münster unter seinem Leiter Martin Gerenkamp ein breit gefächertes Repertoire erarbeitet, das nahezu alle Epochen der Vokalkunst berücksichtigt. Aber vielleicht ist es doch die Musik des 19. Jahrhunderts oder all das, was man so „Romantik“ nennt, in der sich das Ensemble am wohlsten fühlt. So jedenfalls der Eindruck nach der „Romantischen Serenade“ am Sonntag in der Petrikirche mit einem wunderschönen Programm.

Sonntag, 07.10.2018, 16:54 Uhr
Der Kantatenchor und das Kourion-Orchester im hellen Licht der Petrikirche
Der Kantatenchor und das Kourion-Orchester im hellen Licht der Petrikirche Foto: Schulte im Walde

Es erzählte vom Frieden, vom himmlischen wie vom irdischen, wie etwa Brahms es sich in seinem „Schicksalslied“ vorstellt oder Mendelssohn Bartholdy in seiner Kantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Gleichwohl ist diese Friede gefährdet. Von Feinden, von der Sünde, von der bösen Welt – Momente, in denen die Musik brodelte und dem Chor dramatische Ausdruckskraft abverlangte. Martin Gerenkamp und seine Sängerinnen und Sänger meisterten solche turbulenten Szenen, ohne je die Kontrolle über ihre gepflegte Klangkultur zu verlieren. Das galt genauso für das begleitende Kourion-Orchester in bläsergesättigter Besetzung. Etliches Holz war da gefragt und das Blech bis hinab zur Tuba. Vor allem bei Charles Villiers Stanford und Hubert Parry, zwei Repräsentanten der glorreichen britischen Romantik, in deren Klängen Chor, Orchester und Publikum gemeinsam schwelgen durften, „könig­liche“ Gefühle inklusive. Was kein Wunder ist, werden Stanford und Parry doch regelmäßig zu den feierlichsten Anlässen des Königs­hauses intoniert!

In den traditionellen englischen „Evensongs“ gibt es stets ein „Magnificat“. Jenes von Stanford mit Solo-Sopran ist besonders schön und offenbarte die Qualitäten der Solistin Cornelie Isenbürger vom Ensemble der Bielefelder Oper: eine warme, silberglänzend leuchtende Stimme. Zuvor schon schwebte sie über dem schlicht gehaltenen Chorklang in Mendelssohns Hymne „Hör mein Bitten“.

Aber Hymnen – da sind die Briten einfach unvergleichlich. Parrys „I was glad“ als finaler Programmpunkt ging echt unter die Haut dank der geballten Kraft von Chor und Orchester. Wem bis dahin Parrys berühmtes „Jerusalem“ gefehlt hatte, bekam es als Zugabe. Die Zuhörer waren tief gerührt.

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