Viel Lärm und Konfetti vor dem Standesamt
Hochzeitsgesellschaften nerven Anwohner

Münster -

Im „Halb-Stunden-Takt“ werden an manchen Tagen im Standesamt an der Hörsterstraße Ehen geschlossen. Vor allem freitags und samstags geben sich die Festgesellschaften die Türklinken in die Hände. Die Anwohner sind vom Halli-Galli vor ihren Türen genervt.

Mittwoch, 10.10.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 10.10.2018, 08:47 Uhr
Vor dem Lotharinger Kloster herrscht vor allem freitags und samstags Hochbetrieb. Viele Anwohner sind mittlerweile genervt.
Glitzer, Konfetti und Blüten (kleines Foto) sind vor allem an den Wochenenden vor dem Lotharinger Kloster ein Fall für Sondereinsätze der Abfallwirtschaftsbetriebe. Foto: Matthias Ahlke

Es kracht und böllert, der Schampus fließt, Blechdosen scheppern übers Pflaster: Alltag vor dem münsterischen Standesamt an der Hörster­straße. Für ein Brautpaar soll der Hochzeitstag der schönste im Leben sein, für die Nachbarschaft vom Lotharinger Kloster sind manche Trautermine der blanke Horror. Vor allem freitags und samstags, wenn im „Halb-Stunden-Takt“ in den beiden Trausälen Ehen geschlossen werden, zerrt der Lärm an den Nerven der Anwohner.

Manche Festgesellschaften als Albtraum

Für die Nachbarschaft vom Standesamt an der Hörsterstraße sind aber nicht die Brautpaare sondern manche Festgesellschaften der Albtraum. „Samstags ist hier die Hölle los“, klagt eine Anwohnerin. Lautes Getöse und Böllern aus einer Lametta-Kanone begleiteten die Empfänge. Alle halbe Stunde verlässt eine neue Gesellschaft das ehemalige Kloster, um ihr Hochzeitspaar vor den Türen des Standesamtes gebührend zu feiern. Jede Gesellschaft hat für ihr Brautpaar neue Überraschungen im Gepäck. Die wenigsten Festgäste ziehen sich in den Klostergarten zurück.

Samstags ist hier die Hölle los.

Anwohnerin des Standesamtes

„Wir sind langsam frustriert und mit den Nerven am Ende“, sagt eine Nachbarin. Sie spricht von einer enormen Belastung, wenn zusätzlich noch Plastikflitter in die Luft geschossen werde. Der Flitterkram setze sich überall fest, erklärt die Frau, die das Spektakel seit gut sechs Jahren vor der Tür miterlebt. Durch Lichtschächte würde der Glitzerkram bis ins Gebäude wehen.

Im Garten, im Treppenhaus und überall seien Reste zu finden. Mit einem normalen Staubsauger sei da nichts auszurichten. Die Anwohner freuen sich darum über die Abfallwirtschaftsbetriebe, die freitags und samstags auf der Straße eine Sonderschicht einlegen.

Gebrüll und Live-Musik

An den Lärm habe sie sich langsam gewöhnt, aber nicht an die Glitzerkanonen, die in jüngster Zeit eher noch zugenommen hätten. „Vielleicht auch, weil die Kanonen als Ein-Euro-Artikel verkauft werden“, vermutet eine weitere Nachbarin vom Standesamt. Sie beschleicht das Gefühl, dass so manche Gesellschaft nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ vorgehen würde und bedauert zugleich das Team vom Standesamt, das solchen Aufläufen vor dem Kloster quasi machtlos gegenüberstehen würde.

Aber auch die Brautpaare könnten häufig nichts dafür, wenn vor dem Kloster geknallt werde. „Wir gönnen ihnen einen schönen Tag.“ Nur wer den Brauttourismus vor der Tür des Standesamtes miterlebe, das Gebrülle höre und an manchen Tagen mit Live-Musik beschallt werde, der sei abends fertig.

Deutlich würden die Brautpaare im Vorfeld ihres Termins darauf hingewiesen, was man nicht darf und was erlaubt sei, sagt Jürgen Kupferschmidt, Leiter des städtischen Amtes für Bürger- und Ratsservice, Die Paare leisteten ihre Unterschrift, dass nichts passiere, aber sie seien ihren Festgesellschaften gegenüber manchmal machtlos, so Kupferschmidt.

Immer mehr Gäste im Standesamt

Heute begleiteten immer mehr Gäste die Paare ins Standesamt, das an manchen Terminen aus allen Nähten platzt. „Wir sind großzügig, aber irgendwann ziehen wir eine Grenze“, so der Leiter des Bürgeramtes. Eine Trauung müsste immer noch feierlich sein, so Kupferschmidt.

Wenn Festgesellschaften mit heute bis zu 120 Gästen auftauchten, müssten Gäste vor der Tür bleiben, denn der kleine Trausaal lässt nur 30 Gäste zu, der größere Saal fasst 60 Gäste. An einem ausgebuchten Samstag geben sich beim münsterischen Standesamt 16 Paare das Ja-Wort.

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