Do., 11.10.2018

Prozessauftakt vor dem Landgericht Bandendiebstahl: Angeklagte zum Geständnis bereit

Prozessauftakt vor dem Landgericht: Bandendiebstahl: Angeklagte zum Geständnis bereit

Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht zeigten sich die vier Angeklagten zum Geständnis bereit. Foto: dpa

Münster - 

Sie sollen in die Lager von Fotogeschäften eingedrungen sein und hochwertige Kameras gestohlen haben: Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht zeigten sich die vier Angeklagten zum Geständnis bereit. Die Beweislast ist offenbar erdrückend.

Von Lukas Speckmann

Die vier Angeklagten machen den Eindruck, als wären sie schon genug bestraft. Vor einem halben Jahr waren sie in Rumänien verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert worden. Seitdem sitzen sie in verschiedenen Gefängnissen und haben kaum Kontakt zur Außenwelt, auch nicht zur Familie.

Denn ein Teil ihrer Beute bleibt verschwunden, deshalb beschränkt die Justiz die Kommunikation. Die vier sind entsprechend gar: Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht flossen viele Tränen.

Keine gewöhnlichen Einbrecher

Doch die Rumänen sind anscheinend keine ganz gewöhnlichen Einbrecher. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sich 2015 zu einer Bande zusammengeschlossen zu haben, um in Warenlager von Fotogeschäften einzusteigen. Die Beute: hochwertige Kameras und Zubehör. Der Schaden: über 380 000 Euro.

Vier Fälle – in Griesheim bei Darmstadt und Eschborn bei Frankfurt sowie in Westerkappeln und Münster – hat der Staatsanwalt auf seiner Liste. „Ihnen wird hier kein Eierdiebstahl vorgeworfen, sondern erhebliche Straftaten mit erheblichen Schäden“, sagt die Vorsitzende – und begründet damit, warum eine spontane Begegnung mit den Angehörigen im Gerichtssaal erstmal nicht drin ist.

Filmreife Einbrüche

Die Angeklagten, alle Anfang 30, wirken nicht wie schwere Jungs. Keine Vorstrafen, keine Drogen, kein Alkohol – aber als Kraftfahrer, Kellner oder Hilfsarbeiter auf dem Bau kamen sie nur mühsam über die Runden. Ihre Taten allerdings waren offenbar filmreif: Laut Anklageschrift kamen sie meist übers Dach und schalteten die Alarmtechnik aus.

Der letzte Streich ereignete sich demnach in der Nacht zum 2. April 2017 in Münster. Die Täter schnitten ein Loch ins Wellblechdach, rissen die Isolierung heraus und stiegen ein, von der Alarmanlage unbehelligt. Sie nahmen Kameras, Objektive, Ferngläser und Smartphones im Wert von über 130 000 Euro mit. Doch die deutsche und die rumänische Polizei war ihnen auf den Fersen, im April 2018 klickten die Handschellen.

Erdrückende Beweislast

Die Beweislast ist offenbar erdrückend. Jetzt kann nur noch ein frühes und vollständiges Geständnis helfen. Und tatsächlich sind die vier so begierig, auszupacken, dass zum Prozessauftakt darüber gestritten wurde, wer als Erster aussagen darf – denn danach hätten die anderen ja nichts mehr zu gestehen . . .

Die Lösung: Alle vier ließen vorab erklären, dass sie zumindest die Taten in Westerkappeln, Eschborn und Münster zugeben werden. Die Details sollen am nächsten Prozesstag folgen, am 23. Oktober.



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