Do., 11.10.2018

Crashtest mit Kindersitzen in Wolbeck Kinder oft schlecht gesichert

Unfallforscher Siegfried Brockmann in der Crashtest-Anlage in Wolbeck: Bei der Sicherung von Kindern im Auto gibt es schwere Mängel, so eine Studie der Versicherer. Häufig werden Kindersitze falsch eingebaut oder die Gurte nicht richtig angelegt.

Unfallforscher Siegfried Brockmann in der Crashtest-Anlage in Wolbeck: Bei der Sicherung von Kindern im Auto gibt es schwere Mängel, so eine Studie der Versicherer. Häufig werden Kindersitze falsch eingebaut oder die Gurte nicht richtig angelegt. Foto: hpe

Münster - 

Die Unfallforschung der Versicherer stellte bei einer groß angelegten Studie schwere Mängel bei der Sicherungen von Kindern im Auto fest.

Von Helmut P. Etzkorn

Der Kleinwagen rast mit 50 Stundenkilometern gegen eine Mauer, auf der Rückbank zwei Kinder in ihren Sitzen. Eins wird bei dem heftigen Aufprall durch den Gurt optimal gehalten. Das andere Kind schleudert mit dem Kopf aus der lockeren Halterung gegen den Vordersitz. Zum Glück sind es nur Dummys bei einem Crashtest am Mittwoch in Wolbeck.

„Im Ernstfall hätte das schlecht gesicherte Kind sehr schwere Kopfverletzung erlitten“, sagt Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung der Versicherer. Denn obwohl fast alle Kinder bis zwölf Jahren heute in speziellen Sitzen im Auto mitfahren, ist die „Versagerquote“ überraschend hoch. Brockmann: „Über die Hälfte aller Kinder werden nicht richtig im Auto gesichert.“

Gurte falsch angelegt

Besonders auf Kurzstrecken zur Schule, wo es morgens schnell gehen muss, werden die Gurte nicht ordentlich gestrafft oder einfach falsch angelegt. Auch, weil es unendlich viele Sitztypen gibt und die Anleitungen zum korrekten Einbau oft schwer verständlich sind. Brockmann: „Die Eltern sind im guten Glauben, alles richtig gemacht zu haben. Doch der Schein trügt.“

Gurte werden in Babyschale und Kindersitz oft zu locker angelegt. Bei einem Unfall können sie das Kind dann nicht im Sitz halten. Brockmann: „Auch wenn die Kleinen über die enge Fixierung meckern, Sicherheit geht vor.“

Mehr Aufklärung notwendig

Die Unfallversicherer fordern mehr Aufklärung für die Verbraucher. Die schriftlichen Sicherheitshinweise sollten durch Anleitungsfilme ergänzt werden, auch müsste der Fachhandel laut Brockmann „ausführlicher einweisen und beraten“. Eltern sollten beim Kindersitzkauf auf eine leichte und sichere Handhabung achten. Bei einer Befragung von 1042 Autofahrern mit Kindern an Bord fanden die Unfallforscher heraus, dass nur die Hälfte wusste, wie die korrekte Handhabung von Kindersitz und Babyschale funktioniert.

Brockmann: „Gurte werden nicht durch die richtigen Öffnungen gezogen, die Befestigung des Sitzes ist oft mangelhaft.“ 2017 starben in Deutschland 14 Kinder im Auto, über 1000 wurden schwer verletzt.



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