Do., 11.10.2018

Ökumenisches Friedensgebet im Dom „Nie mehr Bomben, nie mehr Gewalt“

Zu den Fürbitten waren die Gottesdienstbesucher eingeladen, Weihrauchkörner auf glühende Kohlen zu legen.

Zu den Fürbitten waren die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes eingeladen, Weihrauchkörner auf glühende Kohlen zu legen. Foto: pbm

Münster - 

Im-St.-Paulus-Dom haben Gläubige anlässlich des 75. Jahrestags des ersten großen Bombenangriffs am Tag auf Münster ein ökumenisches Friedensgebet gefeiert. Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche schlugen dabei Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

„Nie mehr Bomben, nie mehr Gewalt, sondern als Kinder Gottes friedlich die Welt gestalten.“ Mit diesen eindringlichen Worten hat Dompropst Kurt Schulte das ökumenische Friedensgebet zum 75. Jahrestag der Bombardierung der Stadt Münster im St.-Paulus-Dom eröffnet.

Der 10. Oktober 1943 gilt als einer der schwärzesten Tage in der Stadtgeschichte. Mehr als 20.000 Bomben wurden über der Stadt abgeworfen, 670 Menschen starben. Unter den Teilnehmern der Andacht waren auch viele Clemensschwestern, die ihrer 52 bei dem Angriff getöteten Mitschwestern gedachten.

Neben Schulte beteten Stadtdechant Jörg Hagemann, Superintendent Ulf Schlien vom Evangelischen Kirchenkreis und Jo Riemann von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Münster (ACK) mit den Teilnehmenden um Frieden in der Welt.

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Es geht um Menschen, das Grauen und den Schmerz und was wir aus dem Erschrecken mitnehmen können in unseren Alltag mit seinen Herausforderungen.

Superintendent Ulf Schlien vom Evangelischen Kirchenkreis

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In seiner Predigt betonte Superintendent Schlien, dass es nicht nur um das zerstörte Münster, um alte Gebäude und Straßen gehe: „Es geht um Menschen, das Grauen und den Schmerz und was wir aus dem Erschrecken mitnehmen können in unseren Alltag mit seinen Herausforderungen.“ In der heutigen Gesellschaft sei das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft glücklicherweise zur Regel geworden. „Das kann Hoffnung auf Frieden machen“, sagte Schlien.

Doch der Eindruck täusche oftmals, denn wieder drohe „die Welt aus den Fugen zu geraten“, wenn sich Staaten „in blankem Nationalismus verbiegen“ und alte, scheinbar gelöste Konflikte neu entfacht werden. „Wir nehmen vieles zu oft als selbstverständlich, was immer noch brüchig und gefährdet ist“, mahnte er.

Der Superintendent verwies darauf, dass das Eintreten für Frieden und Versöhnung nicht ohne die Erinnerung an den Abgrund menschlicher Bosheit geschehen könne. „Denn nur diese Erinnerung gibt uns das Recht und die Zuversicht, dass nicht Krieg und Gewalt das letzte Wort haben.“ Die Erinnerung mache dankbar für das Erreichte und verpflichte dazu, den Frieden nicht leichtfertig zu verspielen, sondern weiterzugeben.

Er rief dazu auf, die Haltung der Gleichgültigkeit zu beenden. „Keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Unrecht, gegenüber der Spaltung unserer Welt in arm und reich, gegenüber der Missachtung der Fremden.“ Schlien appellierte an die Teilnehmenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung einzutreten und den Frieden zu wahren.

Ihren Hoffnungen Ausdruck verleihen konnten die Gottesdienstteilnehmer bei den Fürbitten, die von der Dommusik mit dem Liedruf „O Lord hear my prayer“ („Oh Herr, erhöre unsere Gebete“) begleitet wurden. Jeder war eingeladen, Weihrauchkörner auf glühende Kohlen zu legen.



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