Do., 11.10.2018

Erster Teil der „Theater en Face“-Trilogie über Erinnerungen Blütenstaub und Fegefeuer

Trauerarbeit mit Hilfe der Erinnerung leistet die Performance „Tränen für Man Ray“.

Trauerarbeit mit Hilfe der Erinnerung leistet die Performance „Tränen für Man Ray“. Foto: Xenia Multmeier

Münster - 

Die Studiobühne ist in strengem Kontrast gehalten. Schwarz die Wände und die beiden Tische, weiß der Boden und das Cello, das wie gekreuzigt an einem Pfosten hängt und durch Schnüre mit den anderen Gegenständen verbunden ist. Das Prinzip der Gegensätzlichkeit spiegelt sich bei den Darstellerinnen.

Von Helmut Jasny

Die Studiobühne ist in strengem Kontrast gehalten. Schwarz die Wände und die beiden Tische, weiß der Boden und das Cello, das wie gekreuzigt an einem Pfosten hängt und durch Schnüre mit den anderen Gegenständen verbunden ist. Das Prinzip der Gegensätzlichkeit spiegelt sich bei den Darstellerinnen. Im dicken schwarzen Mantel verkörpert Marion Bertling den Winter, während Stephanie Kieswick im schulterfreien weißen Kleid auf den Sommer verweist. Grob strukturieren die beiden Jahreszeiten auch den vorgetragenen Text, der ansonsten ganz der Assoziation folgt.

Mit der Performance „Tränen für Man Ray“ betreibt das Theater en face Trauerarbeit mit Hilfe der Erinnerung. Als Basis für ihre Inszenierung verwendet Xenia Multmeier Texte der Österreicherin Friederike Mayröcker, mit denen sie sich den Schmerz über den Tod ihres Lebensgefährten Ernst Jandl aus der Seele buchstabierte. Es sind Erinnerungsfetzen, die zwischen Orten und Zeiten, zwischen Gedanken und Eindrücken, zwischen Gewissheiten und Vermutungen hin und her springen.

Sie lebe im Blütenstaub, sagt die eine Rezitatorin, im Purgatorium (Fegefeuer) die andere. Zusammen mit dem Klappern der Schreibmaschinen, einem Grammophon und Kompositionen von Schubert und Schumann bilden ihre Stimmen einen Klangraum des Erinnerns, in dem auch die Objekte von Man Ray als Referenz der Trauer auftauchen. Gelungene Bilder wie ein Buch, aus dem die beschriebenen Seiten als Papierschnipsel heraushängen, oder das Nachformen der Satzmelodie mit den Beinen runden die Rezitation szenisch ab.

Parallel dazu visualisieren die Tanzeinlagen von Frauke Barfues und Bruno de Carvalho die mühevolle, letzten Endes aber heilende Erinnerungsarbeit. Man sieht den Tänzer auf seine am Boden liegende Partnerin zuwanken. Zaghaft stößt er sie an, um sie in Bewegung zu versetzen. Das funktioniert erst schlecht, dann immer besser, bis es beiden schließlich gelingt, durch die Erinnerung die Starre der Trauer aufzubrechen. Auch hier bestimmen Gegensatzpaare wie Leichtigkeit und Schwere das Bild. Sogar ein dynamischer Break Dance wird dargeboten, der in der sonst eher feinsinnig gestimmten Aufführung allerdings etwas befremdlich wirkt.



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