York-Kaserne: Sozialwohnungen auf den Baufeldern für private Investoren
Wohn- und Stadtbau soll es richten

Münster -

Die 30-Prozent-Quote für Sozialwohnungen in den Kasernengebieten in Gremmendorf und Gievenbeck gilt. Doch wenn man sich die Details anschaut, gibt es Überraschungen:

Dienstag, 16.10.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 16.10.2018, 07:03 Uhr
Auf dem Gelände der York-Kaserne in Gremmendorf sollen 1800 Wohnungen gebaut werden. Die Vorgaben für Sozialwohnungen konzentrieren sich auf die Bereiche, die vom städtischen Unternehmen Wohn- und Stadtbau entwickelt werden.
Auf dem Gelände der York-Kaserne in Gremmendorf sollen 1800 Wohnungen gebaut werden. Die Vorgaben für Sozialwohnungen konzentrieren sich auf die Bereiche, die vom städtischen Unternehmen Wohn- und Stadtbau entwickelt werden. Foto: Matthias Ahlke

Die Begriffe „Konversion“ und „preiswertes Wohnen“ werden in offiziellen Verlautbarungen der Stadt permanent zusammengebracht. Die gewünschte Botschaft ist klar: Angesichts hoher Mieten und Immobilienpreise will die Stadt in Gremmendorf und Gievenbeck gegensteuern.

Bei einem Blick in interne Unterlagen, die unserer Zeitung vorliegen, stellt sich aber Ernüchterung ein. Zwar hält die Stadt ihre eigene Vorgabe, wonach auf beiden Kasernenflächen jeweils 30 Prozent der Wohnflächen öffentlich gefördert sein müssen (sprich Sozialwohnungen), auch tatsächlich ein.

750 Wohnungen sollen gebaut werden

Das „Wie“ wirft aber Fragen auf, wie sich am Beispiel der York-Kaserne belegen lässt. Hier die Details: Die Stadt hat das städtische Wohnungsbauunternehmen Wohn- und Stadtbau damit beauftragt, in der York-Kaserne 750 Wohnungen zu bauen, davon 450 Sozialwohnungen mit einer Fläche von insgesamt 29 000 Quadratmetern.

Darüber hinaus verkauft die Stadt Münster an private Investoren Baufelder für insgesamt 1050 Wohnungen. Bezogen auf diese 1050 Wohnungen müsse „nur“ 5000 Quadratmeter für Sozialwohnungen abgedeckt werden.

Rabatt für städtisches Unternehmen

Man kann es auch so ausdrücken: Die Wohn- und Stadtbau baut in Gremmendorf 41,7 Prozent der Wohnungen, aber sie schafft 85,3 Prozent der Fläche für Sozialwohnungen.

Muss die Wohn- und Stadtbau beim Bau der Sozialwohnungen „bluten“, während die Privaten geschont werden und sich auf die lukrativen Geschäfte konzentrieren können? Dieser Vorwurf, der in Ratskreisen bereits erhoben wird, verkennt aber eine wichtige Information.

Die Wohn- und Stadtbau – als städtisches Unternehmen – hat beim Grundstückserwerb von einen Preisnachlass in Höhe von 25 000 Euro je zu bauender Sozialwohnung profitiert. Dieser Rabatt, den der Bund der Stadt gewährt hat und den diese wiederum an die Wohn- und Stadtbau weitergibt, gilt – nach der aktuell gültigen Rechtslage – nicht für Private.

"Schwarze Null" ist nicht verhandelbar

Gleichwohl könnte, wie zu hören ist, die Stadt auch den Privaten eine höheren Anteil an Sozialwohnungen auf ihren Baufeldern in der York-Kaserne abverlangen, was aber zur Folge hätte, dass die Stadt diesen Interessenten die Grundstücke preiswerter verkaufen müsste.

Genau hier aber beißt sich ganz offenbar die Katze in den Schwanz. Der Kostenapparat, den sich die Stadt Münster bei der Konversion ans Bein gebunden hat, ist offenbar so groß, dass Preisnachlässe bei der Grundstückvergabe die „schwarze Null“ gefährden könnten. Und genau diese „schwarze Null“ ist für den münsterischen Stadtkämmerer Alfons Reinkemeier nicht verhandelbar.

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