Mietvereine schlagen Alarm
Wohnungsmarkt: Stimmung kippt

Münster -

Die Stimmung auf dem münsterischen Wohnungsmarkt ist so schlecht wie selten zuvor. Bezahlbarer Wohnraum ist nach wie vor Mangelware. Die Mietvereine schlagen daher Alarm: Es müssen schnell Lösungen her. Unter anderem schlagen sie die Entwicklung eines neuen Stadtteils vor.

Dienstag, 16.10.2018, 20:00 Uhr
Bezahlbarer Wohnraum ist in Münster Mangelware. Die münsterischen Mietervereine fordern daher Bund, Land und Stadt auf, zügig zu einer Verbesserung der Situation beizutragen.
Bezahlbarer Wohnraum ist in Münster Mangelware. Die münsterischen Mietervereine fordern daher Bund, Land und Stadt auf, zügig zu einer Verbesserung der Situation beizutragen. Foto: dpa

Die Mietervereine schlagen Alarm. „Die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist schlimm – und eine Verbesserung nicht zu sehen“, so die ernüchternde Einschätzung von Ulla Fahle vom Mieterschutzverein Münster und Umgebung.

Mieter mit geringem oder auch durchschnittlichem Einkommen hätten kaum noch eine Chance, bezahlbaren Wohnraum zu finden, so Matthias Schäfer vom Verein Wohn-In. Zur Entspannung könne die Schaffung eines neuen Stadtteils beitragen, schlugen Hubert Berning und Jutta Pollmann vom Mietverein Münster und Umgebung am Dienstag auf ihrer Jahresversammlung vor.

Bei vielen Mietern nimmt die Angst, dass ihnen ihr Vermieter kündigen könnte, immer mehr zu.

Jutta Pollmann vom Mietverein Münster

 

 

Nicht mehr auf Augenhöhe

Alle Mietervereine berichten, dass der Mangel an bezahlbarem Wohnraum längst nicht mehr das einzige Probleme sei – vielmehr sei auch die Stimmung auf dem Wohnungsmarkt zunehmend vergiftet. „Mieter und Vermieter begegnen sich kaum noch auf Augenhöhe“, so Fahle. „Bei vielen Mietern nimmt die Angst, dass ihnen ihr Vermieter kündigen könnte, immer mehr zu“, hat Jutta Pollmann beobachtet.

Zudem würden immer öfter überhöhte Mieten verlangt – und auch bezahlt. Hauptleidtragende: „Mieter mit geringem Einkommen, Familien mit nur einem – durchschnittlichen – Einkommen und Alleinerziehende“, so Matthias Schäfer.

Zwar sollen in den kommenden Jahren auf den ehemaligen Kasernenflächen in Gremmendorf und Gievenbeck rund 3000 neue Wohnungen für etwa 5000 Menschen entstehen – doch die reichen nach Einschätzung des Mietvereins Münster und Umgebung längst nicht aus, um die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum aufzufangen.

Stadt soll neuen Stadtteil planen

„Wir fordern daher die Verantwortlichen der Stadt Münster auf, die Planung und Entwicklung für einen neuen Stadtteil intensiv voranzutreiben“, so Hubert Berning. Und zwar nicht irgendwann in den kommenden Jahren – sondern so schnell wie möglich. Dass in den ehemaligen Kasernen einmalig 3000 Wohnungen entstehen, während pro Jahr 2000 neue Wohnungen erforderlich seien, sei viel zu wenig.

Matthias Schäfer von Wohn-In bewertet die Forderung nach einem Stadtteil als positiv – mahnt allerdings an, dass er über eine durchdachte Infrastruktur und eine erstklassige Verkehrsanbindung verfügen müsse.

Anreiz für dringend benötigte Fachkräfte

Zudem müsse von Anfang an auf eine durchmischte Bevölkerungsstruktur geachtet werden. Je mehr Wohnungen in Münster zur Verfügung stehen, umso größer seien auch die Chancen, dass dringend benötigte Fachkräfte nach Münster kommen, so Ulla Fahle.

Forderungen stellen die Mietervereine aber auch in Richtung Düsseldorf. So appelliert Pollmann an die Landesregierung, bald auslaufende Verordnungen, die die Mietpreissteigerungen ausbremsen sollen, zu verlängern. Im Koalitionsvertrag war indes erklärt worden, dass diese Verordnungen aufgehoben werden sollen.

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Kommentar: Ein Befreiungsschlag

In Münster fehlt Wohnraum – vor allem bezahlbarer. Das ist seit Jahren bekannt, und doch passiert viel zu wenig. Beispiel Wohn- und Stadtbau: Das städtische Tochterunternehmen stellte im vergangenen Jahr gerade mal 124 Wohnungen fertig, was nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Sicher, auf den Konversionsflächen werden in den kommenden Jahren 3000 neue Wohnungen gebaut. Doch selbst die reichen nicht aus. 2000 Wohnungen pro Jahr müssen her, haben Experten ausgerechnet. Doch die sind nicht in Sicht – nicht zuletzt, weil die Flächen fehlen. Nachverdichtung ist eine Möglichkeit – aber nicht unbedingt die beste, wie der Anwohnerprotest in der Aaseestadt zeigt. Gewachsene Strukturen werden zerstört, Unsicherheit entsteht. Ein zeitgemäß geplanter neuer Stadtteil, mit 5000, vielleicht sogar 10 000 neuen Wohnungen, könnte da zum Befreiungsschlag werden. Rat und Verwaltung sollten dieses Projekt so schnell wie möglich angehen – und sich nicht länger hinter dem Feigenblatt Kasernen-Konversion verstecken.

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