Verbraucherberatung warnt vor Inkasso-Betrug
Wenn Kosten explodieren

Münster -

Horrende Gebühren können auf Verbraucher zukommen, wenn sie eine Rechnung nicht bezahlt haben und ein Inkassobüro auftritt. Forderungen könnten schnell von drei Euro auf über 70 Euro steigen, die Verbraucherzentrale warnt darum vor möglichem Inkasso-Betrug.

Mittwoch, 17.10.2018, 09:00 Uhr
Simone Weinke von der Verbraucherzentrale in Münster warnt davor, voreilig Unterschriften zu leisten.
Simone Weinke von der Verbraucherzentrale in Münster warnt davor, voreilig Unterschriften zu leisten. Foto: gh

Wer seine Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt, der riskiere es, Post vom Inkassobüro zu bekommen. Horrende Gebühren könnten damit verbunden sein. Simone Weinke berichtet von Drohbriefen der Inkassobüros an die Verbraucher.

Meistens drehe sich damit die Gebührenschraube weiter nach oben, berichtet die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale in Münster. Aus drei Euro Mahngebühr könnten schnell Forderungen von 70 Euro und mehr werden. Was bei einer geringen Forderung besonders ärgerlich sei, so Weinke. Wer nicht weiter weiß, der könne sich an die Beratungsstelle wenden.

Nein-Sagen ist erlaubt

Wer einfach drauflos zahlt oder unbedacht eine Ratenzahlungsvereinbarung unterschreibt, für den könnten die Kosten explodieren. Vor allem in der Schuldnerberatung, sagt Weinke, seien die Inkassofallen ein Dauerthema. Darum macht die Verbraucherzentrale in Münster mit ihrer Aktion „Vorsicht, Inkasso“ verstärkt darauf aufmerksam, dass auch Nein-Sagen bei aufgeblasenen Forderungen erlaubt sei.

Auch sei es ratsam, so Weinke, das Kleingedruckte vor einer Unterschrift durchzulesen, um Fallstricke zu vermeiden, unzulässige Kostenpositionen zu entlarven und mögliche Abtretungen zu verhindern.

Normales Inkasso rechtlich ungeregelt

Die Expertin berichtet von schwarzen Schafen unter den vielen Inkasso-Büros, die sich zu einer blühenden Branche entwickelt hätte. Was daran liege, vermutet Weinke, dass ein normales Inkasso rechtlich ungeregelt sei.

Viele Unternehmen würden heute umgekehrt sehr schnell ihre Forderungen an Inkassobüros abtreten. Versandhäuser, Stromanbieter und Telekommunikationsanbieter gehörten wie der Lebensmittelhandel dazu und ließen sich in der Regel durch Inkassobüros vertreten. Habe ein Verbraucher seine Rechnung nicht bezahlt oder platze die Lastschrift, könnten demnach die Kosten saftig in die Höhe schnellen, so Weinke.

Ein Inkassobüro, erklärt die Beraterin, ist ein Unternehmen, dass Gläubigern dazu verhilft, geschuldetes Geld einzutreiben. Aber das Inkassobüro möchte auch verdienen. Simone Weinke berichtet in diesem Zusammenhang von zwielichtigen Dienstleistungen, mit denen manche Büros Kasse machen wollten.

Drohkulisse reicht vom Mahnbescheid bis zum Gerichtsvollzieher

Die Drohkulissen reichten vom Mahnbescheid über eine Zwangsvollstreckung bis hin zum angedrohten Besuch eines Gerichtsvollziehers. Simone Weinke rät darum, darauf zu achten, dass schon aus dem ersten Schreiben hervorgehen muss, ob die Forderung tatsächlich bestehe. Sie hofft, dass der Gesetzgeber die Reißleine zieht, um die Inkassokosten einzuschränken.

Wer ratlos ist, der kann sich an die Verbraucherzentrale in Münster, Aegidiistraße 46, wenden.

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