Compania huldigt Zimmermann
Porträtkonzert vor leeren Reihen

Münster -

Bernd Alois Zimmermann hat offensichtlich kaum Freunde in Münster: Compania, das Ensemble für Neue Musik des Sinfonieorchesters, lud am Samstag zum Konzert mit der Musik Zimmermanns ein – und spielte im Kleinen Haus vor fast leeren Sitzreihen.

Sonntag, 21.10.2018, 16:50 Uhr aktualisiert: 24.10.2018, 18:24 Uhr
Musizierten: Mihai Ionescu und Christian Büscherfeld (Violine), Svenja Ciliberto (Viola) und Christian Fagerström (Violoncello)
Musizierten: Mihai Ionescu und Christian Büscherfeld (Violine), Svenja Ciliberto (Viola) und Christian Fagerström (Violoncello) Foto: heh

Zimmermann wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Grund genug also, ihn mit einem Porträtkonzert zu feiern. Und obwohl auch Werke von Frescobaldi, Milhaud, Dallapiccola und Lonquich auf den Pulten lagen, waren am Samstagvormittag erst neun Konzertkarten verkauft, verriet die enttäuschte Bratschistin Svenja Ciliberto, die das Konzert auch moderierte. Am Abend lauschten dann drei Dutzend Zuhörer dem gelungenen Konzert.

Eine elegante Blechbläserfanfare von Girolamo Fres-cobaldi, noch weit von der Strahlkraft des Barock entfernt, eröffnete den Abend. Denn Frescobaldi gehörte zu den Komponisten, die den jungen Zimmermann beeinflussten, so Ciliberto.

Boris Cepeda lotete dezent die Feinheiten in Zimmermanns acht „Konfigurationen“ für Klavier aus. Wie Lichtreflexe blitzten die sparsam gesetzten Töne auf, die wenigen Akkorde genoss Cepeda, ein paar unauffällige Arpeggien kamen als Farbpracht dazu. Mihai Ionescu brachte danach den ersten Satz von Zimmermanns Solosonate für Violine zu Gehör. Sparsam gesetzte Töne auch hier, ein paar Doppelklänge und Pizzicati, die von Ionescu musikalisch lebendig, fast ein wenig drängend der Geige entlockt wurden.

Ciliberto verriet, dass Zimmermann sich bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik direkt nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wohl fühlte. Und weil er die Partituren Milhauds studiert hatte, brachten Mihai Ionescu (Violine), Christian Büscherfeld (Violine), Ciliberto (Viola) und Christian Fagerström (Violoncello) dessen neuntes Streichquartett mit. Als sanftes Lied für die Violine kam der erste Satz daher, fast folkloristisch der zweite. ein bisschen fugiert der dritte und polyphon, mit deutlichem rhythmischen Gerüst, der vierte Satz. Gelungen!

Sopranistin Henrike Jacob, von Kapellmeister Thorsten Schmid-Kapfenburg am Klavier begleitet, sang vier Lieder Dallapicolas – dramatisch und virtuos. Am Ende stand Zimmermanns Streichtrio, organisch im Zusammenspiel, mit düsterem, marschartigem Charakter..

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