„Die Nerven“ im Gleis 22
Geballte Portion Postpunk-Inferno

Münster -

Zum Ausklang des Wochenendes spielte das Stuttgarter Trio Die Nerven am Sonntagabend im Gleis 22. Unterstützt von den Neuseeländern Astro Children, war es ein Fest für jeden Fan von lärmigem Postpunk und Indierock.

Montag, 22.10.2018, 14:06 Uhr aktualisiert: 22.10.2018, 14:26 Uhr
Sorgten für ein Konzert-Highlight im Gleis 22: Sänger Max Rieger (M.), Bassist Julian Knoth (r.) und Drummer Kevin Kuhn von Die Nerven.
Sorgten für ein Konzert-Highlight im Gleis 22: Sänger Max Rieger (M.), Bassist Julian Knoth (r.) und Drummer Kevin Kuhn von Die Nerven. Foto: Jörn Krüßel

Dunedin und Stuttgart – weiter entfernt könnten die Heimatstädte der beiden Bands nicht liegen, doch es gibt den gemeinsamen Nenner: Noise Rock. Das Duo Astro Children kommt nur mit Schlagzeug und Gitarre aus.

Sängerin Millie Lovelock erinnert an eine Mischung aus Kim Gordon von Sonic Youth und Karen O der Yeah Yeah Yeahs, stets expressiv und immer wieder pausierend, um sich in dunklen Dissonanzen an der Gitarre zu verlieren, während das Schlagzeug unermüdlich voran treibt. Das ist drängend und spannend und immer ein bisschen am Rande des Wahnsinns.

Dann machten sie Platz für Die Nerven: Die haben sich in den vergangenen Jahren ein achtbares Standing in der deutschen Kulturlandschaft erarbeitet. Alben, die mit Superlativen überschüttet wurden, ein Theaterstück vertont, Tocotronic als Video-Doubles engagiert und ein Doppel-Live-Album eingespielt.

Zwei-Minuten-Punk-Präzision

Ziemlich viel also für so eine junge Band, die 2010 in Stuttgart startete, dann nach Berlin übersiedelte und mittlerweile zur Speerspitze des neuen deutschen Postpunk gehört.

Das wussten auch die Besucher im ausverkauften Gleis 22, dicht an dicht steht man bis zur Theke, die Vorfreude ist greifbar. Das Trio um Sänger Max Rieger startet mit den Songs „Niemals“ und „Frei“ vom neuen Album „Fake“. Und als ob sie jegliches Scheinbare, Unechte und Falsche mit purer Wucht und Energie vertreiben wollen, werden die Songs noch einmal zwei Gänge härter performt.

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Nicht lange dauert es, und der Moshpit ist in vollem Gange. So überwältigend roh und dreckig die drei auch ihre Songs spielen, es wird immer gleichzeitig Kopf und Körper angesprochen. Die Nerven können Zwei-Minuten-Punk-Präzision genauso wie das lang Angelegte und Aufbauende, sie spielen intelligent mit Sounds und Stimmungen. Laut, selbstbewusst und befreiend – eins der besten Konzerte des Jahres im Gleis 22.

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