Mit Müll gegen den Hunger
Erfinderteam will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Münster-Hiltrup -

Mit einfachsten Mitteln Nahrung trocken und sicher lagern – mit ihrer Erfindung wollen drei Familien aus Hiltrup und dem Münsterland Kleinbauern in Afrika helfen.

Montag, 22.10.2018, 16:00 Uhr aktualisiert: 22.10.2018, 17:20 Uhr
Drei Familien wollen helfen, zwei große Probleme in Entwicklungsländern zu lösen: Hunger und Müll. Sie nutzen alte PET-Flaschen als Behälter, um Getreide oder Linsen haltbar zu machen. Alles, was man dafür braucht, ist eine trockene PET-Flasche, einen Becher und eine Einwegspritze.
Drei Familien wollen helfen, zwei große Probleme in Entwicklungsländern zu lösen: Hunger und Müll. Sie nutzen alte PET-Flaschen als Behälter, um Getreide oder Linsen haltbar zu machen. Alles, was man dafür braucht, ist eine trockene PET-Flasche, einen Becher und eine Einwegspritze. Foto: Pressemitteilung

Eine Bauanleitung gegen Hungersnöte: Man nehme eine leere PET-Flasche und fülle trockenes Getreide ein. Der Deckel wird nur locker aufgedreht, so dient er als Ventil. Dann wird ein Becher über den Deckel gestülpt. In diesen Deckel wurde ein kleines Loch gebohrt, in das eine Einwegspritze passt. Ein paar mal die Luft aus der Flasche herausziehen – fertig. Das Getreide ist nun luftdicht verpackt und bleibt bis zu zwei Jahre lang frisch.

Mit einfachsten Mitteln Nahrung trocken und sicher lagern – damit ließe sich in Afrika viel Not lindern. Das dachten sich drei Familien aus Hiltrup und dem Münsterland. Sie wollen ihren „Vakuumheld“ möglichst vielen Kleinbauern in Asien, Afrika und Südamerika zeigen. Dafür haben sie eine Schwarmfinanzierung gestartet und Kontakt mit großen Hilfsorganisationen aufgenommen.

Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe: „Das Smartphone ist in Afrika unglaublich verbreitet“, erklärt Dr. Daniel Bertsch. Deswegen planen sie ein englisches Erklärvideo zu drehen. Wenn genug Geld zusammen kommt, wollen sie außerdem Videos mit Darstellern aus Afrika oder anderen Schwellen- und Entwicklungsländern in den Sprachen Englisch, Portugiesisch und Spanisch herausgeben.

Getreide in alten PET-Flaschen luftdicht verpacken – damit lassen sich gleich zwei Probleme lösen, ist die Hiltruperin Ulrike Meywald überzeugt: „In Afrika gibt es kein Pfandsystem für Plastikflaschen und in manchen Seen haben sich bereits Müllinseln gebildet, die Fischern das Leben schwer machen. Es wird an der Zeit, den Flaschenmüll zu entsorgen oder ihm einen neuen Nutzen zu geben.“ Genau das wollen sie mit dem „Vakuumheld“ erreichen.

Die Idee kam Bernd Ternes auf einer Party. Als er von einem befreundeten Agrarwissenschaftler hörte, dass es in vielen Ländern Afrikas zwar genügend Getreide gibt, bei der Lagerung jedoch bis zu 35 Prozent durch Schimmel, Insekten oder Verunreinigungen unbrauchbar werden, setzte er sich mit seinen Freunden aus Münster zusammen und überlegte, wie man das Vakuumieren mit möglichst einfachen, kostengünstigen Mitteln in Entwicklungsländern umsetzen könnte.

Am Ende stand die Idee, mit der Einwegspritze und den PET-Flaschen. Das mag beim ersten Versuch etwas fummelig sein, kommt aber ohne Strom und teure Geräte aus. Ein befreundeter Student der Agrarwissenschaften beschäftigt sich gerade in seiner Masterarbeit mit der Frage, wie gut das Verfahren auch vor Schädlingen wie dem Maisrüsselkäfer schützt. Zwischenstand: Die Erfindung aus Hiltrup und dem Münsterland schlägt sich ganz gut.

Jetzt kommt es drauf an: Nur wenn bis zum Ende des Jahres genügend Spenden zusammenkommen, wird das Projekt „Vakuumheld“ tatsächlich umgesetzt. Mindestens 5000 Euro wollen die Familien auf der Internetplattform „Startnext“ für ihr Vorhaben sammeln.

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