Cellistin Camille Thomas begeisterte im Schoneberg-Konzert
Pastelltöne à la française

Münster -

Mit Camille Thomas trat eine sympathische, mitreißende Cellistin im Großen Haus auf. Und das begeisterte Publikum ließ sie und ihren Pianisten Julien Libeer erst nach drei Zugaben von der Bühne. Das zweite Konzert der Agentur Schoneberg im Theater wurde immer noch als Neuerung erlebt; es war genau das, was man sich vom Umzug erhofft hatte. Wie in Pausengesprächen zu erfahren war, gefiel die „richtige“ Konzertatmosphäre statt nüchterner Hörsaal-Ästhetik.

Montag, 22.10.2018, 17:38 Uhr aktualisiert: 26.10.2018, 15:52 Uhr
Camille Thomas
Camille Thomas Foto: Dan Carabas

Aber das Spiel von Camille Thomas war Attraktion genug. Mit wunderschönem Ton trumpfte die 30-Jährige auf. Auf dem Notenpult: nur Franzosen und Russen. Was auch Sinn macht – waren doch vor etwa 100 Jahren hier enge musikalische Bande geknüpft; seien es die „Ballets Russes“ eines Djagilew oder die langen Paris-Aufenthalte von Strawinsky und Prokofjew.

Letzteren hatte sich die Cellistin ausgesucht. Seine C-Dur-Sonate op. 119 wurde wiederum so französisch interpretiert, wie es nur sein konnte: Wo bei Rostropowitsch und Co. viel Sarkasmus aus den Pizzicati tropft, wo im Klaviersatz spitze Staccato-Stacheln aufgespießt werden, lieferten Camille Thomas und Julien Libeer subtil abgeschmeckte Nuancen und Pastelltöne. Prokofjew à la française. Und Thomas servierte auch Debussys Cellosonate mit sensibler Bogenführung und viel Drive. Schade, dass ihr Begleiter Libeer wie viele seiner Kollegen einem „Gentleman-Reflex“ folgte und sich meist zurücknahm.

Camille Thomas, die mit 18 Jahren nach Deutschland kam, sprach das Publikum auf Olivier Messiaens „Quartett für das Ende der Zeit“ an, das 1941 im deutschen Kriegsgefangenenlager entstand. Sie spielte daraus das Cello-Solo „Das Lob auf die Ewigkeit Jesu“, worin der gläubige Komponist ins Zeitlose gedehnte Cellotöne mit schlichten repetierten Klavierakkorden mischt. „Diese Hoffnung – unglaublich!“, sagte Thomas. Um hier keinen Applaus zuzulassen, spielte sie direkt danach Francks berühmte A-Dur-Sonate in einer Cellobearbeitung. Und die Interpreten trafen den französischen Ton dieses Stückes ideal.

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