Streit zwischen Mieterin und Vermieter
Daheim ist nicht mehr zu Hause

Münster -

Die 91-jährige Angela Bröskamp wohnt seit 18 Jahren in ihrer Wohnung. Nach einem Wechsel des Vermieters fühlt sie sich jetzt aus der Wohnung gemobbt.

Mittwoch, 24.10.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 24.10.2018, 07:39 Uhr
Angela Bröskamp und Enkelin Tanja Greiner mit ihrem im Jahr 2000 unterzeichneten Mietvertrag. Der neue Eigentümer ihrer Mietwohnung zweifelte lange an der Existenz des Schreibens.
Angela Bröskamp und Enkelin Tanja Greiner mit ihrem im Jahr 2000 unterzeichneten Mietvertrag. Der neue Eigentümer ihrer Mietwohnung zweifelte lange an der Existenz des Schreibens. Foto: Björn Meyer

Knapp 70 Jahre wohnt die 91-jährige Angela Bröskamp in Münster. Vor 18 Jahren, nach dem Tod ihres Mannes, zog sie in eine kleine, rund 60 Quadratmeter große Wohnung am Mat­thäuskirchweg. „Ich hatte einen tollen Vermieter. Korrekt, ordentlich, pünktlich und quatschen konnte ich auch gut mit ihm“, sagt die Seniorin mit einem jugendlichen Lächeln. Doch der Vermieter ist mittlerweile verstorben. Die Immobilie am Matthäuskirchweg wurde zwangsversteigert. Mitte August diesen Jahres erwarb die Immo Pool Hamm GmbH das Haus, in dem Angela Bröskamp wohnt. Seitdem fühle sie sich gemobbt, sagt Bröskamp.

Schon am Tag nach der Übernahme der Immobilie sei es losgegangen, berichtet Tochter Sigrid Bröskamp, die zu dem Zeitpunkt bei ihrer Mutter in der Wohnung war. „Am 15. August wurde das Haus versteigert, einen Tag später standen die bei meiner Mutter vor der Tür und haben ihr einen neuen Mietvertrag unter die Nase gehalten.“ Der habe die Miete nicht nur von 376 auf 845 Euro anheben sollen, sondern habe zudem nur eine befristete Laufzeit bis zum 31. Dezember aufgewiesen. Hätte Angela Bröskamp unterschrieben, hätte sie am Ende des Jahres ohne Wohnung dagestanden.

Der neue Eigentümer aber hat eine andere Sicht auf die Geschehnisse. Ihm habe kein gültiger Mietvertrag vorgelegen. Der mitgeführte Mietvertrag sei daher lediglich für den Fall gewesen, dass die Dame keinen Mietvertrag besitze, sagt Faik Burnic, Geschäftsführer der Immo Pool Hamm.

Unter Druck gesetzt

An diese Version glauben Angela und Sigrid Bröskamp sowie Enkelin Tanja Greiner nicht: „Meine Oma hätte unterschrieben, wenn nicht meine Tante in der Wohnung gewesen wäre“, sagt sie, während die alte Dame neben ihr entschuldigend mit den Schultern zuckt.

Sigrid Bröskamp leitete den Vorgang an den Mieterschutzbund weiter. Trotz Unterlassungsaufforderung schickte die Immo Pool Hamm dennoch weiter Briefe an Angela Bröskamp. „Ich habe mich schon sehr aufgeregt und mein Blutdruck ist hochgegangen“, blickt die alte Dame zurück.

Für Susanne Grimme vom Deutschen Mieterschutzbund ist die Angelegenheit klar: „Der neue Mietvertrag hätte den bestehenden aufgehoben. Das war meiner Meinung nach genau kalkuliert“, sagt sie, denn da das Haus nicht grundlegend saniert werde, liege, anders als von der Firma behauptet, kein Kündigungsrecht vor.

Die Immo Pool Hamm verweist dagegen darauf, dass ihr erst in der vergangenen Woche ein gültiger Mietvertrag vorgelegt worden sei. Zudem sei man nicht schon am Tag nach der Versteigerung bei Angela Bröskamp vorstellig geworden, sondern erst rund zehn Tage später. „Ungeheuerlich“, findet Sigrid Bröskamp diese Version der Geschichte.

Zwei Versionen der Geschichte

Faik Burnic aber beharrt darauf, dass seiner Firma Unrecht getan werde. Dass man Angela Bröskamp noch in diesem Monat aufgefordert habe, die Wohnung bis Ende Oktober zu räumen und zudem eine Rechnung über knapp 1000 Euro präsentierte – neben der weiter bezahlten Miete – sei lediglich in dem fehlenden Mietvertrag und dem „bösen Brief“ des Mieterschutzbundes begründet. „Wir haben Frau Bröskamp sogar Unterstützung bei der Wohnungssuche zugesagt“, deckt sich Burnics Geschichte nur in Ansätzen mit der der Familie. „Er hat mich gefragt, ob ich meine Mutter nicht zu Hause aufnehmen könne“, sagt Sigrid Bröskamp.

Ein Happy End hat die Geschichte dennoch. Für Angela Bröskamp steht fest, dass sie nicht länger in ihrer Wohnung bleiben möchte. „Ich dachte immer, ich bleibe hier bis zu meinem Ende, aber nun habe ich eine schöne, altengerechte Wohnung in Mecklenbeck gefunden, alles ebenerdig“, sagt die alte Dame und schiebt hinterher: „Und einen sehr netten Vermieter habe ich dort auch.“

So wohnte ich im Studium

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  • Steffi Stephan (Musiker, Bassist im Panikorchester von Udo Lindenberg, Jovel-Gründer):

    Ich habe schon in einer Multi-Kulti-WG gewohnt, lange bevor ich studiert habe. Die WG war nämlich die Wohnung meiner Familie, in der meine Mutter, nachdem mein Vater 1956 früh gestorben war, drei Zimmer an Studenten untervermietete. Wir hatten eine richtiggehende kleine Herberge für Studenten – meine Mutter bot Kost und Logis in unserer großen Wohnung in einem Haus neben dem späteren Coerdehof im Kreuzviertel an, der heute ja auch ein Studentenwohnheim ist.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das waren sittsame Zeiten, Damen beziehungsweise Herrenbesuch war damals nicht gestattet. So lernte ist noch als Schüler in den 60er Jahren junge Leute aus Indien aus dem Iran oder aus Japan kennen – mit all ihren kulturellen Verschiedenheiten. Das war in diesen Jahren etwas sehr Ungewöhnliches. Bei uns wurde ein Tischgebet gesprochen, und ich erlebte, dass das für unsere Gäste, die selbst ganz anderen Religionen angehörten, überhaupt kein Problem war. Ich habe nach der Schule zuerst Kaufmann gelernt. Als ich danach in Münster mit dem Musikstudium angefangen habe, lebte ich weiter als Student in der WG, die ich schon kannte. Übrigens zog auch Udo Lindenberg bei uns ein, er studierte auch hier Musik. Heute steht das Haus nicht mehr, es wurde abgerissen.

    Foto: Oliver Werner
  • Markus Lewe (Oberbürgermeister von Münster):

    Ich habe an der Uni Münster mit Jura angefangen, bin aber schell zu Verwaltungswissenschaften umgeschwenkt. Der Grund: Ich hatte schon Familie, ich wollte schnell einen Abschluss. Mit meiner Frau und unserem Ältesten wohnte ich ab 1985 in Coerde an der Schneidemühlerstraße in einem Haus der damaligen städtischen Wohnungsgesellschaft „Deutsches Heim“. Die Wohnungen, wir hatten immerhin 68 Quadratmeter, wurden an studentische Familien vermietet.

    Foto: Oliver Werner
  • Es war ein buntes Völkchen in dem Haus: Viele Nachbarn aus Südkorea, aber aus anderen Nationen, viele kleine Kinder. Direkt vor dem Haus war ein Spielplatz, da trafen sich Kinder und Eltern. Wir haben uns gegenseitig unterstützt. Kitas für Unter-Dreijährige waren rar, so haben wir als Elterninitiative eine Kindergruppe organisiert. So konnten wir beide, meine Frau, studierte Lehramt, das Studium ganz gut schaffen. Wir sind bis 1990 geblieben, als wir auszogen, war das zweite Kind schon da. Wir haben damals mit extrem wenig Geld viel Glück erlebt. Diese Erfahrung ist mir heute sehr wichtig.

    Foto: Oliver Werner
  • Prof. Dr. Ute von Lojewski (Präsidentin der Fachhochschule Münster):

    Ich kam zum Wintersemester 1974, also vor jetzt mittlerweile 40 Jahren nach Münster. Erstes Semester BWL an der Universität Münster. Meine erste Adresse in Münster war die Wohnheimanlage Wilhelmskamp des Studentenwerks an der Steinfurter Straße. Die Häuser sahen damals, obwohl sie noch gar nicht sehr alt waren, noch deutlich grauer und weniger freundlich aus als heute.

    Ich fand zunächst einen Platz in einem Doppelzimmer mit einer anderen Studentin, die ich vorher nicht kannte. Auf dem Flur gab es Gemeinschafts-Toiletten und Duschen für alle Flurbewohner. Auf dem Weg dahin traf man sich morgens im Bademantel. Kommunikationszentrum war die eine Gemeinschaftsküche mit dem einzigen Fernseher weit und breit. Hier spielte sich das Leben ab, Wir kochten zusammen, guckten Filme an, verfolgten gemeinsam das Weltgeschehen, diskutierten. Es war immer jemand zum Reden da.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das klingt zurückschauend nicht sehr spektakulär und nach ziemlicher Enge. Es war für mich aber eine fantastische Zeit. Im Wohnheim habe ich die Menschen kennengelernt, aus denen auch heute noch mein ältester und engster Freundeskreis besteht.

    In meinem Flur lebten viele Mathematikstudenten, weshalb ich heute mit vielen Mathematikern befreundet bin. Einmal im Jahr treffen wir uns immer noch für ein verlängertes Wochenende, ein wunderbare Tradition, an der nicht gerüttelt wird. Manche meiner früheren Mitbewohner auf dem Flur sehe ich das ganze Jahr nicht – aber kaum sind wir zusammen, ist die Atmosphäre so vertraut als wohnten wir immer noch im Wilhelms­kamp.

    Ich bin die ganze Zeit meines Studium, bis 1979 dort wohnen geblieben. nachher hatte ich es komfortabler, nachdem ich in ein Einzelzimmer umziehen konnte. Der Start ins Studium war für mich persönlich eine wichtige Zeit. Durch die engen, damals im Wohnheim geschlossenen Freundschaften wirkt sie bis heute nach.

    Foto: Karin Völker
  • Marianne Ravenstein (Prorektorin für Lehre und Studium der Universität Münster):

    Nach dem Abitur vom Wintersemester 1976/77 bis zum Sommersemester 1978 habe ich an der WWU bis zum Vordiplom das Fach Volkswirtschaftslehre studiert. Am Tag meiner Immatrikulation bekam ich über die AStA-­Zimmervermittlung in der Frauenstraße 24 eine Karteikarte mit Informationen über ein freies Zimmer in Gremmendorf. Es handelte sich um ein möbliertes und rund zwölf Quadratmeter großes Zimmer im Nachtigallenweg.

    Foto: Oliver Werner
  • Drei Studentinnen hatten auf der ersten Etage jeweils ein möbliertes Zimmer gemietet, die kleine Küche haben wir gemeinsam genutzt. Ich bin somit fast jeden Tag reichlich Fahrrad gefahren, aber auch die Buslinien (ohne Semesterticket) und überhaupt die Stadt habe ich sehr gut kennengelernt. Das Zimmer war sehr praktisch und funktional eingerichtet: mit einem Einbauschrank, einem Bett, einem Bücherregal und einer kleinen Schreibtischplatte direkt vor dem Fenster mit Blick ins Grüne. Das Waschbecken war direkt neben der Schreibtischplatte, sodass ich sowohl morgens als auch abends einen aufgeräumten Schreibtisch hatte.

    Foto: Oliver Werner
  • Svenja Schulze (NRW-Wissenschaftsministerin):

    In meinem ersten Semester (Germanistik und Politikwissenschaften) an der Ruhruniversität Bochum war ich erst einmal sehr beeindruckt von der Größe und Unübersichtlichkeit der Uni. Eine bezahlbare Wohnung in guter Lage zu finden, war auch zu meiner Studienzeit in Bochum nicht einfach. Also haben ein paar Mitstudierende und ich gemeinsam eine WG in Hattingen gegründet.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die scheinbar unendliche Auswahl von möglichen Themen und Seminaren war im ersten Semester noch ein echter Dschungel. Aber in meiner WG konnten wir uns austauschen und Tipps geben, zum Beispiel sich an die Fachschaft zu wenden. Das hat sehr geholfen. Und die rund acht Kilometer morgendlichen Radfahrens von Hattingen nach Bochum haben fit gehalten und waren ein guter Ausgleich zu der „Kopfarbeit”.

    Foto: dpa
  • Leider hatten die hier Befragten keine fotografischen Zeugnisse ihrer Studenten-Jahre greifbar. Vielleicht können uns andere Leser helfen. Schreiben Sie uns von ihren Wohn-Erinnerungen ihrer Studentenzeit, möglichst in Münster, und schicken Sie doch gerne auch Bilder von sich mit. Mail: redaktion.ms@wn.de (Stichwort: Studentenwohnung) oder per Post: Westfälische Nachrichten Redaktion Münster, Soester Straße 13, 48155 Münster.

    Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen!

    Foto: Oliver Werner
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