Prozess am Landgericht
Richter rügt „Herumgeeiere“

Münster -

Einem münsterischen Rechtsanwalt wird zur Last gelegt, einer 25-jährigen Mandantin nicht den angemessenen anwaltlichen Beistand geleistet zu haben. Dem Richter wurde es am vorletzten Prozesstag zu bunt.

Dienstag, 23.10.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 23.10.2018, 19:17 Uhr
 
  Foto: dpa

Nach wie vor steht der Vorwurf des „schweren Parteiverrats“ im Raum, der gegen einen münsterischen Rechtsanwalt erhoben wird. Damit droht dem 45-jährigen Juristen, der seit 2017 nicht mehr zugelassen ist, auch ein Berufsverbot.

Ihm wird zur Last gelegt, einer 25-jährigen Mandantin nicht den angemessenen anwaltlichen Beistand geleistet zu haben. Die junge Frau war in ihrer Wohnung in Steinfurt mit über 100 Kilo harten Drogen, 170 000 Euro und einer Schusswaffe erwischt worden, worauf sie – obgleich nicht vorbestraft – zu neun Jahren Haft verurteilt wurde (wir berichteten).

Verbindung in die Drogenszene

Möglicherweise hätte ein Geständnis die Strafe gemindert. Aber ihr Anwalt, der jetzige Angeklagte, war der Frau vom eigenen Ex-Freund empfohlen worden und soll sie zum Stillschweigen animiert haben, da er selber Kontakte ins Milieu unterhalten haben soll.

Am vorletzten Prozesstag am Landgericht versuchte der angeklagte Anwalt, diesen Verdacht zu entkräften. Die Mandantin habe selber keinesfalls die Namen Beteiligter nennen wollen. Zu groß sei ihre Angst gewesen.

Den Vorsitzenden Richter überzeugten seine Erklärungen nicht. Er bediene sich der typisch verschleiernden Sprache eines Betrügers: „Herumgeeiere ohne Ende!“

Absolute Überforderung

Was vor allem deutlich wurde, war die berufliche Überforderung des gescheiterten Juristen. Seine Kanzlei war am Ende vermüllt und brachte kaum Geld ein. Mandanten wurden vertröstet, ihnen zustehende Gelder „versickerten“, wie der Angeklagte es nannte. Ein Großteil der Post (angeblich 90 Prozent) war am Ende gar nicht mehr geöffnet worden. „Irgendwann war der Postberg so groß, dass sich mir schon beim Anblick der Magen umgedreht hat.“

Ohnehin schien die Juristerei nicht der eigentliche Traum des Angeklagten gewesen zu sein. Das wäre eine Dozentur in Geschichte gewesen; ein Fach, das er anfangs nebenbei auch studiert hatte.

Was die Frage des „schweren Parteiverrats“ angeht, so blieben auch an diesem Prozesstag alle Fragen weitgehend offen. Der letzte Termin ist für den 30. Oktober anberaumt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6141120?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker