Prozess wegen Bandendiebstahl
Landgericht: Vier Einbrecher packen aus

Münster/Westerkappeln -

Sie sind in die Lager von Fotogeschäften eingedrungen und haben Kameras und Objektive mitgehen lassen – so viel ist klar, die vier Einbrecher sind geständig. Doch am Landgericht wird noch geprüft, ob die vier wirklich die ganze Wahrheit erzählen . . .

Dienstag, 23.10.2018, 18:18 Uhr aktualisiert: 23.10.2018, 18:22 Uhr
 
  Foto: dpa

Einbruchdiebstahl lohnt sich nicht. Davon können die vier Rumänien, die sich derzeit vor dem Landgericht Münster wegen Bandendiebstahls verantworten müssen, ein Liedchen singen: Der Aufwand ist groß, die Gefahr ist riesig – und die Beute aus den Lagern von Fotogeschäften in Münster, Westerkappeln und Eschborn muss auch noch mühsam zu Geld gemacht werden.

Beute im Wert von 380 000 Euro, aber nur 15 000 Euro Reingewinn pro Person: So viel ist ein halbes Jahr in deutschen Gefängnissen ohne Kontakt zur Familie nicht wert. Die vier ertappten Einbrecher hatten deshalb, wie berichtet, schon zum Prozessauftakt ein Geständnis angekündigt, um die Sache schnell zu Ende zu bringen. Und tatsächlich vermittelten sie jetzt voller Reue nacheinander einen Eindruck von ihren Beutezügen im Oktober 2016 und April 2017.

Die Masche: Der erste ist Fahrer und setzt die drei anderen unauffällig am Straßenrand ab. Der zweite bleibt vor der Tür und steht Schmiere. Der dritte klettert aufs Dach und nimmt die Beute entgegen. Der vierte klettert durch ein selbst gebohrtes Loch in der Decke und greift sich teure Kameras und Objektive.

Klingt schlüssig. Nur am Fall Westerkappeln, wo der Beutezug durch eine Alarmanlage abrupt beendet wurde, scheiden sich die Geister. Die vier wollen dort höchstens ein Objektiv gestohlen haben, während der Staatsanwalt einen Schaden von fast 7000 Euro auflistet. In Münster und Eschborn war jedenfalls erheblich mehr zu holen: Die eine oder andere Kamera wurde zum Eigenbedarf behalten, der Rest wurde verscherbelt, um den Lebensunterhalt zu finanzieren.

Gelegenheit macht Diebe? Der münsterische Ermittlungsbeamte, als Zeuge befragt, traut dem Quartett offenbar ein anderes Kaliber zu – in Planung und Ausführung erheblich professioneller als nach eigener Darstellung. Nur waren sie nicht besonders geschickt darin, digitale Spuren zu verwischen; es gibt mehrere Hinweise auf weitere Taten. „Die Beweisaufnahme ist nicht abgeschlossen“, meint der Staatsanwalt. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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