Studie der Universitäten Göttingen und Zürich
Wildunfälle: Nutzen von Reflektoren ist umstritten

Münster -

Wenn die Tage kürzer werden, steigt die Gefahr von Wildunfällen. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden sollten Autofahrer mit Wildwechsel rechnen. Blaue Reflektoren sollen Tiere davon abhalten, auf die Straße zu laufen. Dessen Wirkung wird allerdings in Frage gestellt.

Donnerstag, 25.10.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 25.10.2018, 09:11 Uhr
Studie der Universitäten Göttingen und Zürich: Wildunfälle: Nutzen von Reflektoren ist umstritten
Laut einer Studie der Uni Göttingen sind die blauen Reflektoren wirkungslos. Foto: dpa

In vielen Jagdgebieten gehören die kleinen blauen Reflektoren schon fest ins Straßenbild. Am Leitpfosten angebracht sollen sie Wildtiere davon abhalten, auf die Straße zu rennen. Doch laut einer Studie der Universitäten Göttingen und Zürich können die Reflektoren die Zahl der Wildunfälle nicht verringern.

Bei der Untersuchung auf 150 Teststrecken in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen hätten sich die Reflektoren als wirkungslos erwiesen, wie die Unfallforschung der Versicherer (UDV) jetzt bekannt gegeben hat. Sie hatte die Studie in Auftrag gegeben.

Zahl der Wildunfälle in Wolbeck reduziert

Ob die Reflektoren etwas bewirken oder nicht, darauf möchte Lambert Focke keine pauschale Antwort geben. Der Obmann für Öffentlichkeitsarbeit der Kreisjägerschaft Münster kann von vielen positiven Erfahrungen mit den Reflektoren berichten. So seien diese vor etwa eininhalb Jahren auch an der Umgehungsstraße in Wolbeck angebracht worden. Im Jahr zuvor habe es dort zehn Wildunfälle gegeben, nachdem die Reflektoren angebracht wurden, waren es nur noch vier. "Das ist ja schon eine eindeutige Aussage", sagt Focke.

Autofahrer sollten veranlasst sein, vorsichtig zu fahren.

Lambert Focke

Aus Sicht der Kreisjägerschaft werden die Reflektoren aus zwei Gründen angebracht. Zum einen sollen sie Tiere durch die Reflektion abschrecken und somit verhindern, dass das Wild auf die Fahrbahn rennt. Die Jägerschaft bringe die Reflektoren aber noch aus einem weiteren Grund an, wie Focke sagt: "Autofahrer sollten veranlasst sein, vorsichtig zu fahren." Die Reflektoren seien ein Hinweis darauf, dass mit Wildwechsel zu rechnen sei. Vor allem auf vielen Landstraßen werde zu schnell und zu unvorsichtig gefahren.

Der ADAC hingegen teilt die Auffassung der von der UDV in Auftrag gegebenen Studie, dass die blauen Reflektoren nicht wirksam sind. Wie ein Sprecher im Gespräch mit unserer Zeitung mitteilt, gebe es in Sachsen-Anhalt aktuell ein Projekt zur Wildunfall-Prävention. Dabei werden akustische Wildwarner getestet, die sich nähernde Autos erkennen und dann ein Signal abgeben. "Belastbare Erkenntnisse über die Wirkung liegen aber noch nicht vor", wie der Sprecher sagt.

Mehr als 200.000 Wildunfälle in Deutschland

In Deutschland kommt es laut ADAC jedes Jahr zu mehr als 200.000 Wildunfällen. 2017 sind dabei laut Statistischem Bundesamt zehn Menschen ums Leben gekommen, fast 3000 wurden verletzt - 606 davon schwer. Zudem sei laut ADAC ein Sachschaden von mehr als einer halbe Milliarde Euro entstanden.

In Münster wurde im Jahr 2016 laut einer Sprecherin der Polizei ein Mensch durch einen Wildunfall schwer verletzt, bei 309 Unfällen entstand ein Sachschaden. 2017 gab es 303 Unfälle, drei Personen wurden leicht verletzt.

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Ein totes Reh liegt an einem Straßenrand. In Deutschland kommt es laut ADAC jährlich zu mehr als 200.000 Wildunfällen. Foto: dpa

Fuß vom Gas und Fahrbahnrad beobachten

Weil die Tage jetzt kürzer werden, rät der ADAC zu erhöhter Vorsicht. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden sei mit Wildwechsel zu rechnen. Deshalb empfiehlt der Automobilclub: "Fuß vom Gas, ausreichend Abstand zum Vordermann und den Fahrbahnrand beobachten." Wer ein Tier am Straßenrand entdecke, solle langsam fahren und das Fernlicht ausschalten, um die Tiere nicht zu blenden. In den meisten Fälle könne das Tier durch Hupen verscheucht werden. Außerdem weist der ADAC darauf hin, dass Wildtiere häufig nicht alleine unterwegs seien: "Einem Tier können weitere folgen."

Richtiges Verhalten bei einem Wildunfall

Der ADAC gibt Tipps, falls ein Zusammenstoß mit einem Wildtier nicht zu vermeiden ist:

  • Auf keinen Fall ausweichen, die Gefahren durch Ausweichmanöver seien meist gefährlicher als der Zusammenstoß mit dem Wild.
  • Möglichst stark bremsen und das Lenkrad gut festhalten.
  • Nach einem Zusammenstoß das Warnblinklicht einschalten und die Unfallstelle absichern.
  • Die Polizei unter 110 rufen und den genauen Standort angeben. Die Polizei informiert in der Regel den zuständiger Jäger.
  • Verletzte Tiere nicht anfassen, da sie sich wehren könnten.
  • Tote Tiere wenn möglich von der Fahrbahn ziehen, allerdings sollte ein Tier nie ohne Handschuhe angefasst werden (Tollwutgefahr).
  • Am Unfallort bleiben, bis Polizei oder Jäger eingetroffen sind.
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