Polizei-Bilanz fürs erste Halbjahr
Ein Drittel weniger Wohnungseinbrüche

Münster -

Mit der Aktion „Riegel vor“ will die Polizei landesweit den Einbruchschutz verbessern. Und in Münster gibt es noch eine gute Nachricht.

Mittwoch, 24.10.2018, 19:45 Uhr aktualisiert: 24.10.2018, 20:58 Uhr
Rollentausch: Eine junge Polizistin versucht sich als Einbrecherin. Die Aktion „Riegel vor!“ will den Einbruchschutz verbessern.
Rollentausch: Eine junge Polizistin versucht sich als Einbrecherin. Die Aktion „Riegel vor!“ will den Einbruchschutz verbessern. Foto: Dirk Anger

Wenn junge Polizisten in Uniform Einbrecher spielen, sieht das bisweilen komisch aus. Einen ernsten Hintergrund hat die Sache aber allemal. Denn die Nachwuchs-Beamten sollen lernen, welche Schwachstellen der Feind ausnutzt, um sich unerlaubt Zutritt zu Wohnungen und Häusern zu verschaffen.

Zum Auftakt der landesweiten Kampagne „Riegel vor! Sicher ist sicherer!“ machen sich am Mittwoch in der Polizei-Beratungsstelle an der Moltke­straße angehende Polizisten an den dort ausgestellten Fenstern und Türen der beiden Musterhäuser mit den Machenschaften des Einbrecher-Gewerbes vertraut. In den nächsten Tagen folgen für die Münsteraner Info-Stände und Vorträge zum Thema Einbruchschutz.

Rückgang von 30 Prozent

Zugleich verbreitet die Behörde Zuversicht, dass sich die in den vergangenen Jahren intensivierte Verfolgung von Wohnungseinbrüchen auszahlt: Im ersten Halbjahr 2018 verzeichnete die Polizei in Münster nach eigenen Angaben 305 Wohnungseinbrüche und damit einen Rückgang um 30 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres (454). 2016 lag die Zahl der Einbrüche im ersten Halbjahr gar noch bei 503 regis­trierten Fällen, wie es heißt.

Eine „Kombination vielfältiger Faktoren“ führt der stellvertretende Behördenleiter Günter Gross für die Entwicklung zum Guten an.

Einbrecher-Mythen - Gerücht oder Wahrheit?

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  • Reiner Schöttler, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Steinfurt, erklärt, welche Einbrecher-Mythen wahr sind.

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  • 1. Auf dem Dorf wird nicht so viel eingebrochen.

    „Grundsätzlich“, so bestätigt Schöttler, lägen die Fallzahlen in den Ballungsräumen in der Regel höher. „Das liegt möglicherweise daran, dass dort die soziale Kontrolle nicht ganz so groß ist.“ Für den Kreis Steinfurt lasse sich für den Vergleich zwischen Stadt und Dorf aber keine signifikante Aussage treffen. „Entscheidend sind die Tatgelegenheiten“, sagt Schöttler. „Überregionale Täter bevorzugen gute Verkehrsanbindungen.“ Die gibt es teilweise aber auch schon in kleinen Dörfern.

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  • 2. Einbrecher kommen am liebsten nachts.

    Das sei nicht richtig, so Reiner Schöttler. Ein Großteil der Taten werde tagsüber verübt. „Die Täter wollen ungestört arbeiten.“ Es werde kontrolliert, ob jemand zu Hause ist. „Einbrecher möchten nicht auf Wohnungsinhaber treffen.“

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  • 3. Offen herumliegendes Geld oder Wertsachen sorgen dafür, dass Einbrecher schnell wieder verschwinden und nicht das ganze Haus durchsuchen.

    „Davon rate ich dringend ab“, ist Schöttlers Auskunft unmissverständlich. Die Wertsachen ließen die Einbrecher sicher mitgehen. „Und es bietet keine Gewähr, dass sie nicht weitersuchen.“

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  • 4. Eingebrochen wird überwiegend im Winter.

    Richtig sei zumindest, erklärt Schöttler, dass es in der dunklen Jahreszeit höhere Fallzahlen gebe. Das habe Gründe. „Im Winter ist draußen in den Gärten weniger Bewegung“, so Schöttler. Im Winter sei es in den frühen Abendstunden schon dunkel und viele Leute seien dann nicht zu Hause.

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  • 5. In Häusern, in denen viel Geld vermutet wird, wird eher eingebrochen.

    „Jeder kann das Opfer eines Einbruches werden“, sagt Schöttler dazu. „Bargeld und Schmuck hat ja jeder zu Hause.“

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  • 6. Gute Verstecke reichen aus, um vor Verlust zu schützen.

    „Nicht unbedingt“, so Schöttler. „Einbrecher kennen auch Verstecke. Wertsachen gehören in den Tresor oder in das Schließfach.“

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  • 7. Wenn jemand im Haus ist, schlagen Einbrecher nicht zu.

    Einbrecher, so Schöttler, wollten keinen Kontakt zum Wohnungsinhaber haben. Deshalb würden sie ja vorab klären, ob jemand zu Hause ist. „Sollten sie doch aufeinandertreffen, ergreifen Täter in aller Regel umgehend die Flucht“, berichtet der Sprecher der Kreispolizeibehörde in Steinfurt.

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  • 8. Flüchtlinge brechen mehr ein als Deutsche.

    Da gibt es von Reiner Schöttler eine ganz klare Antwort. „Dafür gibt es absolut keine Erkenntnisse“, stellt er unmissverständlich klar. Dass in der hiesigen Region indes organisierte Banden aus Osteuropa unterwegs seien, sei hingegen eine bekannte Tatsache.

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Neben der präventiven Arbeit macht sich aus Sicht der Polizei auch die vor wenigen Jahren eigens ein­gerichtete Ermittlungskommission „Beis“ bezahlt. Eine intensivere Täterverfolgung und eine höhere Aufklärungsquote von fast 20 Prozent sind nach den Worten von Peter Scheffzik, Leiter des Kommissariats Vorbeugung, das Ergebnis dieser polizeilichen Arbeit.

Fenster und Türen als Schwachstellen

Dass nur die allerwenigsten Einbrecher in James-Bond-Manier mit dem Glasschneider kommen, betont Stephan Höltker von der Beratungsstelle Einbruchschutz. Schwachstellen sind zumeist schlecht gesicherte Fenster und Türen. Dabei gebe es für Sicherungsmaßnahmen weiterhin eine öffentliche Förderung über KfW-Mittel. Auch darauf will die Aktion „Riegel vor!“ 2018 die Bürger hinweisen.

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