Interview mit Vulkaniseurmeister
Startklar für den Reifenwechsel

Münster -

Einen festen Zeitraum für den Wechsel von Reifen gibt es nicht. Für den Vulkaniseurmeister Peter Voß gilt die Faustregel „von O bis O“. Von Oktober bis Ostern fährt der 47-Jährige auf Winterreifen ab, von Ostern bis Oktober auf Sommerreifen. Sobald das Wetter kühler wird, sagt Voß, seit dem Jahr 2008 Obermeister der Vulkaniseure in Münster, die sich mit Reifen beschäftigen, „drehen die Münsteraner am Rad“. Seit Anfang der Woche brummt es darum in den Betrieben, denn es wird zunehmend kühler. Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit Peter Voß über das Wechseln von Reifen, über die Winterreifenpflicht und darüber, warum das Auswuchten von Reifen so wichtig ist.

Samstag, 27.10.2018, 12:50 Uhr aktualisiert: 27.10.2018, 12:53 Uhr
Peter Voß, Obermeister der Vulkaniseure in Münster, ist in seiner Werkstatt von Drüppel & Vohs auf den Kundenansturm vorbereitet.
Peter Voß, Obermeister der Vulkaniseure in Münster, ist in seiner Werkstatt von Drüppel & Vohs auf den Kundenansturm vorbereitet. Foto: gh

Haben Sie genug Reifen im Lager oder haben Sie nach dem milden Winter 2017/2018 abgespeckt?

Voß: Nein, wir haben 800 Reifen eingelagert. Das dürfte für den ersten Ansturm reichen. Wir rechnen trotz des milden Winters im letzten Jahr erneut mit einer hohen Umrüstquote. Der Gesetzgeber schreibt dies vor. Autofahrer müssen ihre Bereifung den Straßenverhältnissen entsprechend anpassen.

Stehen die Kunden schon Schlange?

Voß: Letztes Jahr um diese Zeit war schon mehr zu tun. Aber jetzt nach den heißen Monaten kommt der Autofahrer mit dem Reifenwechsel nur langsam in Fahrt, ansonsten haben wir ja auch noch in unserer Werkstatt mit Service und Reparaturen zu tun.

Gibt es gute Gründe für einen Reifenwechsel?

Voß: Sobald es kälter wird, kann der Fahrer mit Winterreifen besser bremsen und fahren. Die Gummi-Mischungen von Sommerreifen verlieren bei Kälte ihre Haftung auf den Straßen.

Viele Autofahrer greifen aber auch gerne zu Ganzjahresreifen, weil ihnen der Wechsel zu nervig ist. Wie sieht es damit aus?

Voß: Das Thema Ganzjahresreifen wird stärker. Vielleicht auch aus Bequemlichkeit. Wer aber beispielsweise einen Winterurlaub plant, der sollte auf Winterreifen zurückgreifen. Eine Empfehlung gibt es allerdings nicht. Aber auch Ganzjahresreifen wollen gepflegt werden. Wie bei allen Reifen muss regelmäßig der Luftdruck überprüft werden. Außerdem hilft dies, die Lebensdauer der Reifen zu verlängern und spart noch Kraftstoff.

Was hat es mit dem Symbol M+S auf den Ganzjahresreifen auf sich?

Voß: Es handelt sich um die sogenannten M+S-Reifen, die Matsch- und Schnee-Reifen, die so gekennzeichnet sind und neuerdings eine Schneeflocke mit einem stilisierten Berg seitlich auf dem Reifen tragen müssen. Die M+S-Kennung reicht ab diesem Jahr nicht mehr aus, dann gilt für Reifen, die ab dem 1. Januar 2018 hergestellt werden, nur noch das Schneeflockensymbol. Eine Übergangsfrist gilt für M+S-Reifen, die bis Ende 2017 hergestellt worden sind. Diese dürfen noch bis zum 30. September 2024 verwendet werden. Erst dann müssen die Reifen ersetzt werden. Die M+S-Kennung führte sogar so weit, dass hierzulande im Winter Sommerreifen aus Südafrika mit diesem Symbol unterwegs waren.

Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus? Haben Autofahrer im Winter mit Sommerreifen Versicherungsschutz?

Voß: Wenn das Fahrzeug nicht mit den richtigen Reifen fährt, muss der Autofahrer mit einer Geldbuße rechnen. Er riskiert möglicherweise auch seinen Versicherungsschutz. Bei einem Unfall kann eine falsche Bereifung dazu führen, dass der Fahrer eine Mitschuld trägt oder ein Schaden nicht gedeckt ist.

Welche Stärke muss das Profil eines Winterreifens haben?

Voß: Wir sagen immer, mindestens vier Millimeter, dann hat der Reifen noch Grip. Darunter verliert der Reifen seine Wintereigenschaften. Der Gesetzgeber schreibt dagegen eine Mindest-Profiltiefe von nur 1,6 Millimetern vor. Dann fahren Sie aber bei Nässe auf der Straße schon Wasserski.

Sie mahnen immer wieder an, die Reifen auszuwuchten – warum?

Voß: Für einen vernünftigen und zitterfreien Lauf ist das Auswuchten notwendig. Die Reifen müssen übrigens bei jedem Wechsel ausgewuchtet werden, denn in jeder Saison fährt man sich je nach Fahrweise eine Unwucht in die Reifen. Ich sage immer, ein Reifen vergisst nichts.

Hat sich in der Reifenwelt viel verändert?

Voß: Die Räder werden immer schwerer und wiegen teilweise schon 45 Kilogramm pro Rad. Die E-Fahrzeuge sind für uns eine neue Herausforderung. Es gibt bestimmte Andockpunkte und bestimmte Aufnahmepunkte, aber dafür sind wir gerüstet.

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