Prinzipalmarktserie: Leser besuchen Juwelier Freisfeld
Gold und Silber unterm Dach

Münster -

70 Jahre war das Traditionsgeschäft Freisfeld an der Salzstraße beheimatet. Seit diesem Jahr ist es nun am Prinzipalmarkt 20 ansässig. 15 Leserinnen und Leser erlebten eine exklusive Führung - bis unters Dach, wo die Schmuckwerkstatt untergebracht ist.

Samstag, 27.10.2018, 13:00 Uhr
Juwelierin Madeleine Freisfeld (rechts) zeigt den 15 Besucherinnen und Besuchern des Traditionsgeschäftes ihr neues Reich: die Schmuckwerkstatt im Dachgeschoss, wo farbenprächtige Edelsteine von Meisterhand gefasst werden.
Juwelierin Madeleine Freisfeld (rechts) zeigt den 15 Besucherinnen und Besuchern des Traditionsgeschäftes ihr neues Reich: die Schmuckwerkstatt im Dachgeschoss, wo farbenprächtige Edelsteine von Meisterhand gefasst werden. Foto: Oliver Werner

„Ein Juwelier braucht Tageslicht“, erklärt Dr. Andreas Freisfeld. Zum Glück habe Architekt Rainer Kresing beim Umbau des neuen Geschäfts darauf geachtet. „Um spätestens 14 Uhr saust die Sonne von oben rein – das Licht wird dann gebrochen wie ein Diamant!“, schwärmt Freisfeld. „Aber auch so ein grauer Tag wie heute hat seinen Charme.“ Nach 70 Jahren an der Salzstraße ist das Traditionshaus in diesem Jahr an den Prinzipalmarkt gezogen.

Die 15 Leserinnen und Leser, die im Rahmen unserer Prinzipalmarkt-Serie das Geschäft besuchen, lauschen staunend. An diesem Nachmittag können sie das Haus am Prinzipalmarkt 20 kennenlernen – bis hinauf unters Dach mit einem jener wenigen Giebel, die im Krieg nicht zerstört wurden.

Unter diesem Dach – hinten, an der gegenüberliegenden Seite des Prinzipalmarkt-Giebels – ist die Schmuckwerkstatt untergebracht. Vier Treppen geht es hinauf, dann darf über die farbenprächtigen Werke der Goldschmiede gestaunt werden. Drei Meister und ein Auszubildender werkeln dort konzentriert mit Feile und Flamme.

Hier ist das Reich von Madeleine Freisfeld, die von Haus aus Juristin, seit Langem aber leidenschaftliche Juwelierin ist. „80 Prozent dessen, was wir verkaufen, stellen wir auch selber her“, sagt sie. Damit sie nicht ständig die vier Treppen steigen muss, nutzt sie auch gern mal WhatsApp, um einen Ohrring oder eine Kette auf dem Handy zu begutachten.

Was Madeleine Freisfeld besonders schätzt, sind freche, kon­trastreiche Farben, wie etwa bei ihrer Kollektion „Surprise“. Es werde auch eine Jubiläums-Blütenkollektion geben – anlässlich des 275. Jubiläums von Brahmfeld & Gut­ruf, des in Hamburg ansässigen und ältesten Juwelierhauses Deutschlands; es gehört seit 2010 zu Freisfeld.

In Münster jedoch hat Dr. Andreas Freisfelds Vater Josef im Jahr 1946 sein Geschäft gegründet. Als die Lesergruppe am Ende die Büroräume besichtigt, zitiert Freisfeld seinen Vater: „Ich brauche kein Büro – viel lieber bin ich im Café Grotemeyer.“ Und schon sind die schwindenden Traditionshäuser in Münster unter den Gästen ein Gesprächsthema.

„Unsere Philosophie ist beinahe mittelalterlich“, sagt Freisfeld, „alles aus einer Hand.“ Wirklich mittelalterlich ist indes das Haus am Prinzipalmarkt 20. Unten klopft der Hausherr (der indes nicht Hausbesitzer ist) an die Wand. Ein originaler Mauerrest konnte in Absprache mit der Denkmalbehörde erhalten werden.

„Jede Säule und jedes Haus am Prinzipalmarkt ist anders, jedes hat eine verrückte Geschichte“, lächelt Freisfeld und klopft an die 1,50 Meter dicken Wände. „Die haben damals gewusst: Da kommt mal ein Juwelier rein!“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6147537?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker