Wurde junge Mandantin hintergangen?
Noch kein Urteil gegen den Anwalt

Münster -

Im Prozess um „Schweren Parteiverrat“ kam es auch am letzten der ursprünglich anberaumten Termine nicht zu einem Urteilsspruch. Ein münsterischer Anwalt wird beschuldigt, seine Pflichten gegenüber einer früheren Mandantin verletzt und im Interesse Dritter gehandelt zu haben. Die heute 25-Jährige war in ihrer Steinfurter Wohnung unter anderem mit harten Drogen und einer Schusswaffe ertappt worden.

Dienstag, 30.10.2018, 19:00 Uhr
 
  Foto: dpa

Der Prozess zieht sich hin. Auch am letzten der angesetzten Verhandlungstage kam es in der Sache „Schwerer Parteiverrat“ noch nicht zu einem Urteil. Angeklagt am Landgericht ist ein 45-jähriger münsterischer Anwalt. Er hatte in einem zurückliegenden Prozess die Verteidigung einer mittlerweile 25-jährigen Verurteilten inne – und muss nun darlegen, ob er seine Anwaltspflichten in strafrechtlich relevanter Weise verletzt hat.

Die Frau wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, da in ihrer Wohnung über 100 Kilo harte Drogen, eine Schusswaffe und 17.000 Euro gefunden worden waren. Ein durchaus hohes Strafmaß, wenn man das niedrige Alter der nicht vorbestraften Frau bedenkt.

Zu wenige Besuche in der Haft

Die Frage, die nun Gegenstand der aktuellen Verhandlung ist: Hat ihr Anwalt sie „nur“ schlecht verteidigt oder sich in strafbarer Weise verhalten („Schwerer Parteiverrat“). Das stellte der Vorsitzende Richter gegenüber den im Gericht anwesenden Eltern der verurteilten Frau nochmals klar.

Aufs Tapet kam an diesem Tag auch die Korrespondenz per Mail oder SMS, die zwischen Mutter und Anwalt seinerzeit erfolgt war. Die Mutter der 25-Jährigen hatte sich ein ums anderes Mal beklagt, dass der Anwalt ihrer Tochter nicht den nötigen (auch seelischen) Beistand leiste und sie zu wenig in der Haft besuche.

Im Einsatz für Hintermänner?

Der „Knackpunkt“ des Falls liegt in dem nicht erfolgten umfassenden Geständnis der Frau, das womöglich zu einer Strafmilderung geführt hätte. Ein Dokument besagt, dass sie über diese Möglichkeit belehrt wurde – nur habe ihr Anwalt (der jetzige Angeklagte) diesen Trumpf nicht zu früh ausspielen wollen, hieß es. Dass er vielleicht im Interesse von Hintermännern handelte, ist der Vorwurf.

Was ebenfalls deutlich wurde, war die hoch professionelle Organisation, mit der die junge Frau in ihrer Steinfurter Wohnung das Geschäft der Drogen-Bande unterstützte. Die Urteilsverkündung wird für den 26. November erwartet.

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