Fr., 02.11.2018

Bombenentschärfung im Klinikviertel „Eine scharfe Angelegenheit“

Horst Schöwe vor der entschärften Bombe mit dem Zünder in der Hand. Den Detonator hatte er gesprengt, eine Vorsichtsmaßnahme, die bei britischen Fliegerbomben Standard ist. Erstmals kamen bei einer Evakuierung in Münster auch Fotos einer Drohne zum Einsatz.

Horst Schöwe vor der entschärften Bombe mit dem Zünder in der Hand. Den Detonator hatte er gesprengt, eine Vorsichtsmaßnahme, die bei britischen Fliegerbomben Standard ist. Erstmals kamen bei einer Evakuierung in Münster auch Fotos einer Drohne zum Einsatz. Foto: Björn Meyer

Münster - 

Als Herausforderung stellte sich am Freitag die Fliegerbombe im Klinikviertel heraus. Die reibungslose Entschärfung jedoch zeigte, dass sich die exakten Vorbereitungen aller Beteiligten gelohnt haben.

Von Björn Meyer

Seit 25 Jahren arbeitet Horst Schöwe in der Kampfmittelbeseitigung. Routine war die Bombenentschärfung an der Albert-Schweitzer-Straße am Freitag für ihn dennoch nicht. Die senkrechte Lage der Bombe mit dem Zünder nach unten sei eine Herausforderung gewesen, bilanzierte Schöwe. Er war damit in einer Kette der Letzte, der mit der britischen 250-Kilo-Fliegerbombe seine Schwierigkeiten hatte.

Seit drei Wochen habe man den Tag intensiv geplant, sagte etwa am frühen Morgen der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Professor Robert Nitsch. Augen- und psychiatrische Klinik wurden für den Tag evakuiert. „Das war schon ein großer Aufwand“, bilanzierte Nitsch. Was er zu dieser Zeit noch nicht wissen konnte: Seine Hoffnung auf eine nicht allzu große Bombe sollte in Erfüllung gehen.

Wäre die Fliegerbombe mit einer Sprengkraft jenseits der 500 Kilogramm ausgestattet gewesen, Klinikum und Einsatzkräfte hätten vor weitaus größeren Problem gestanden. „An die Räumung der beiden Bettentürme will ich gar nicht denken“, sagte Nitsch und machte deutlich, dass es dafür wohl der Unterstützung aus ganz Nordrhein-Westfalen bedurft hätte.

Mit Bussen evakuiert

So aber gingen die Planungen der Klinik exakt auf. Lediglich ein Mann reagierte am Morgen ungehalten. Er gab an, nicht von der Evakuierung gewusst zu haben. Sein Anfahrtsweg über 200 Kilometer am Morgen sei so völlig umsonst gewesen.

Fotostrecke: Bombenfund im Klinik-Viertel

Doch die Beschwerde blieb ein Einzelfall. Reibungslos gelang auch die Evakuierung des dem Bombenfundorts noch näher gelegenem Martin-Luther-Hauses, einem Altenheim. „Alles läuft nach Plan“, zeigte sich Ulrich Watermeyer, Geschäftsführer der Diakonie Münster, zufrieden, während die älteren Bewohner gerade in den fünften von sechs Bussen einstiegen, die die Menschen auf Einrichtungen der Umgebung verteilten.

Reibungslose Räumung

Gegen 12.15 Uhr sperrten Polizei und Feuerwehr in einem Umkreis von 250 Metern um die Bombe die Straßen für den Verkehr. Zudem gingen Einsatzkräfte von Tür zu Tür, um die in dem betroffenen Gebiet lebenden Bürger zu evakuieren. Wer drin war, musste raus – wer rein wollte, hatte keine Chance. „Hätte ich es gewusst, ich wäre zu Hause geblieben und hätte die Tür nicht geöffnet“, sagte jemand, der mit seinen Einkäufen nicht mehr zu seiner Wohnung kam. „Der Münsteraner ist da schon mal schwierig“, hatte Feuerwehrsprecher Jörg Rosenkranz, selbst Münsteraner, bereits vorher aus seinem Erfahrungsschatz berichtet.

Letztlich aber verlief alles reibungslos. Keine Verkehrsprobleme, keine renitenten Evakuierungsverweigerer. Nachdem zum ersten Mal in der Stadt eine Evakuierung durch Drohnenbilder unterstützt wurde, machte sich Horst Schöwe gegen 13.40 Uhr an sein Werk. Dabei, bilanzierte der Dülmener später, sei er alleine an der Bombe, um: „das Ausfallrisiko möglichst gering zu halten.“ Denn eines dürfe man nicht vergessen: „So eine Bombe ist halt eine ziemlich scharfe Angelegenheit.“



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