Sa., 03.11.2018

Stadion-Neubau-Pläne in Bösensell gescheitert SC Preußen hat nur noch die Hammer Straße

Stadion-Neubau-Pläne in Bösensell gescheitert: SC Preußen hat nur noch die Hammer Straße

Auf diesem Gebiet in Bösensell wollte der SC Preußen Münster sein neues Stadionprojekt realisieren. Foto: di

Münster/Bösensell - 

Dramatische Entwicklung in Sachen Stadion-Neubau: Der SC Preußen Münster ist wohl um eine Hoffnung ärmer. 

Von Dirk Anger, Dietrich Harhues, Klaus Baumeister

Die Pläne des Fußball-Drittligisten SC Preußen Münster für einen Stadion-Neubau in Bösensell sind gescheitert. Der Eigentümer des in Betracht kommenden landwirtschaftlichen Grundstücks unweit der Autobahn 43 soll erklärt haben, seine Fläche nicht mehr zur Verfügung stellen zu wollen, wie unsere Zeitung erfahren hat.

Angeblich soll der öffentliche Druck der vergangenen Tage den Landwirt zu dieser Entscheidung bewogen haben. In Bösensell gab es zuletzt vernehmbaren Protest gegen den möglichen Stadionbau, der auch in einer Bürgerversammlung deutlich wurde.

Damit stehen die SCP-Verantwortlichen mit leeren Händen da. Kurz nach ihrer Wahl im Oktober 2016 hatte die Vereinsspitze um den neuen Präsidenten und früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer erklärt, ein bundesligataugliches Stadion für bis zu 40 000 Zuschauer bauen zu wollen. Weil die Stadt Münster dem Verein aber kein geeignetes Grundstück zur Verfügung gestellt hat, suchte der Club in der Umgebung Münsters und glaubte zuletzt, in Bösensell seine Pläne verwirklichen zu können.

Streit innerhalb der münsterischen Kommunalpolitik

Die Stadion-Debatte hatte auch für Streit innerhalb der münsterischen Kommunalpolitik geführt. Münsters CDU hatte von Anfang an vor zu hohen Erwartungen im Zusammenhang mit einer Realisierung der ambitionierten Stadionpläne in Bösensell gewarnt.

Am Rande der CDU-Haushaltsklausur am Freitagabend erneuerte Oberbürgermeister Markus Lewe die Bereitschaft, den Stadion-Standort an der Hammer Straße auszubauen: „Gut, dass wir das Stadion an der Hammer Straße nie aufgegeben haben und hier umsetzen können, was derzeit machbar ist“, wird Lewe in einer Pressemitteilung zitiert.

Die CDU wolle nun in den Haushaltsplan für das Jahr 2019 einen Betrag in zweistelliger Millionengröße zur weiteren Modernisierung und zum Ausbau des Stadions einstellen, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Weber in derselben Mitteilung. Das Preußen-Stadion könne mit einer geschlossenen Rundum-Tribüne zu einem Zuhause für die vielen Preußen-Fans werden, so der Fraktionschef. Er bot an, „sich zügig mit der Vereinsführung darüber zu verständigen“.

Stellungnahme des Vereins

Nachdem die Nachricht der gescheiterten Stadionpläne am Freitagabend durchgesickert war, reagierte der SC Preußen mit einer Presseerklärung und bestätigte den Sachverhalt, der dem Vernehmen nach erst später hätte kommuniziert werden sollen.

In der Erklärung heißt es im Hinblick auf die Grundstücksfrage: „Nach mehr als einem Jahr intensiver Arbeit überrascht die Begründung für das Aus. Es hat zwar bezüglich der Übertragung der Grundstücke keine verbindliche Zusage gegeben, die grundsätzliche Bereitschaft hierzu war jedoch durchgehend Stand der Verhandlungen und Grundlage dafür, dass es überhaupt zu diesen Verhandlungen kommen konnte.“

Die Stellungnahme des SC Preußen Münster im Wortlaut

Mit großem Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass ein Standort in Senden-Bösensell für ein neues Münsterlandstadion als Spielstätte für den SC Preußen Münster nicht mehr zur Verfügung steht. Damit ist nicht nur für den SC Preußen Münster eine große Chance vertan, sondern für die gesamte Region.

Nach mehr als einem Jahr intensiver Arbeit überrascht diese Begründung für das „Aus“. Es hat zwar bezüglich der Übertragung der Grundstücke keine verbindliche Zusage gegeben, die grundsätzliche Bereitschaft hierzu war jedoch durchgehend Stand der Verhandlungen und Grundlage dafür, dass es überhaupt zu diesen Verhandlungen kommen konnte.

 Wir haben diese Entscheidung zu akzeptieren, über deren Hintergründe trefflich spekuliert werden kann.

 Da die Option des Neubaus in Senden-Bösensell erklärtermaßen die absolute Präferenz bei den Planungen des Vereins für die Zukunft hatte, werden sich die Gremien mit der nun entstandenen Situation auseinandersetzen und über Alternativen diskutieren und entscheiden müssen.

 Mit dem aktuellen „Aus“ für den Standort Bösensell ist eine schwierige Situation entstanden. Alle Beteiligten sind dazu aufgerufen, sich zusammenzusetzen und schnellstmöglich andere Lösungen zu finden. Wir, die Gremien des SC Preußen Münster, sind dazu bereit und werden nach dem erforderlichen Denkprozessen schnellstmöglich unsere Vorschläge präsentieren.

Dass der Grundstücksdeal gescheitert ist, wurde am Freitagabend von der Gemeinde Senden nicht bestätigt. Von Bürgermeister Sebastian Täger war keine Stellungnahme zu erhalten.

Aus der Familie des Landwirtes, um dessen Fläche es ging, wurde betont, dass „noch nie zugestimmt“ worden sei, die Flächen für ein Stadion zur Verfügung zu stellen. Es sei lediglich festgelegt worden, dass kein Areal verkauft, sondern Ackerfläche im Verhältnis eins zu drei in der Umgebung getauscht werden könnte.  

Die CDU-Pressemitteilung im Wortlaut

Nach dem bedauerlicher Weise aufgrund der massiven örtlichen Bürgerproteste absehbaren Scheitern der Pläne des SC Preußen Münster, in Bösensell ein neues Fußballstadion zu errichten, hat die CDU-Ratsfraktion ihre Haltung bekräftigt, das Stadion an der Hammer Straße in Münster mindestens zweitligatauglich auszubauen. „Wir stehen zu unserem Wort, dem SC Preußen eine realistische Perspektive zu geben und sind gern bereit, uns zügig mit der Vereinsführung darüber zu verständigen“, sagte Fraktionschef Stefan Weber bei der Haushaltsklausurtagung seiner Fraktion am Freitag (2. November) in Billerbeck. 

„Ein stadtnahes Münsterland-Stadion in Bösensell wäre verkehrstechnisch mit Autobahnanschluss und Bahnhof geeignet. Aber gut, dass wir das Stadion an der Hammer Straße nie aufgegeben haben und hier umsetzen können, was derzeit machbar ist“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe. Die SC Preußen-Führung habe nach einer Bösenseller Bürgerveranstaltung mit massivem Protest gegen das Vorhaben bereits neue Signale gesetzt. Markus Lewe: „Jetzt ist es besser, den Spatz Hammer Straße in der Hand zu pflegen als der Taube auf dem Bösenseller Dach nachzuweinen.“
Die Stadt hat als Eigentümerin in das Preußenstadion an der Hammer Straße, das sie dem Verein kostenfrei überlassen hat, in den vergangenen Jahren bereits 10 Mio. Euro investiert. Nach der Verabschiedung des Bebauungsplans „Sportpark Berg Fidel“ in diesem Jahr sind die planungsrechtlichen Voraussetzungen eines mindestens zweitligatauglichen Stadions mit 20.000 Zuschauern geschaffen. Die CDU will nun in Haushaltsplan für das Jahr 2019 einen Betrag in zweistelliger Millionengröße zur weiteren Modernisierung und zum Ausbau des Stadions einstellen, sagte Fraktionsvorsitzender Stefan Weber. Das Preußen-Stadion könne mit einer geschlossenen Rundum-Tribüne zu einem Zuhause für die vielen Preußenfans werden.

 

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