So., 04.11.2018

Protest auf dem Prinzipalmarkt 1600 Münsteraner demonstrieren gegen die AfD

Protest auf dem Prinzipalmarkt: 1600 Münsteraner demonstrieren gegen die AfD

Rund 1600 Münsteraner protestierten am Samstagmittag gegen die AfD, die im Rathaus auf dem Prinzipalmarkt ihren Kreisparteitag abhielt. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Rund 1600 Menschen haben am Samstagmittag auf dem Prinzipalmarkt gegen die AfD demonstriert. Der für 14.30 Uhr geplante AfD-Kreisparteitag im Rathaus begann mit 40-minütiger Verspätung. Die Gegenveranstaltung verlief Polizeiangaben zufolge friedlich.

Von Pjer Biederstädt, Martin Kalitschke, Thorsten Neuhaus

Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hatte für die Demo zwischen Rathaus und St.-Lamberti-Kirche rund 300 Teilnehmer angemeldet, insgesamt kamen 1600 Demonstranten, so die offizielle Teilnehmerzahl der Polizei. Darunter waren auch Bürger, die vom Markt oder aus den umliegenden Einkaufsstraßen kamen und sich dem Protest spontan anschlossen.

Die Bandbreite der Teilnehmer umfasste dabei alle Altersgruppen, zahlreich geschwenkt wurden Fahnen von Gewerkschaften, Grünen, Jusos und Europa-Anhängern. Teilnehmer des AfD-Parteitags wurden bei ihrem Eintreffen am Rathaus von den Demonstranten mit Sprechchören zum „Abhauen“ aufgefordert.

Carsten Peters vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ warb in einem Redebeitrag für eine offene und solidarische Gesellschaft. Der Rechtsruck in Deutschland schreite voran, daran sei die AfD maßgeblich beteiligt. Die Partei solle merken, dass sie in Münster nicht erwünscht sei, daher wolle man es ihr „ungemütlich“ machen, sagte Peters.

Fotostrecke: AfD-Gegendemo auf dem Prinzipalmarkt

Münsters SPD-Vorsitzender Robert von Olberg betonte, die Politik der AfD zeige, dass es sich bei ihr um keine normale Partei handele. Die Stadtgesellschaft verdeutliche mit dem Protest, dass die AfD eine Minderheiten-Meinung vertrete.

Stephan Orth, Sprecher der Grünen in Münster, hatte nach eigenem Bekunden nicht mit derart vielen Demonstranten gerechnet, da zum Kreisparteitag naturgemäß keine AfD-Bundespolitiker nach Münster gekommen waren. Ihn freute, dass die Gruppe der Demonstrierenden sich gleichermaßen aus linkem und bürgerlichem Lager zusammensetzte. Grundsätzlich sei es wichtig, dass man Flagge zeige. Denn man könne die AfD in einem demokratischen System zwar wählen, das mache die AfD aber noch lange nicht zu einer Partei mit demokratischen Inhalten, so Orth. 

Während die Demonstranten sich ruhig und friedlich gaben, sorgte die Demonstration bei einigen Kaufleuten für Unmut. Die Gaststätten unmittelbar neben dem Rathaus hatten wegen der Demonstration früher geschlossen. "Dass die Veranstaltung an den umsatzstärksten Tagen stattfindet, merken wir in der Kasse", sagte Marita Bertels, Angestellte bei Beko Blumen. Die Kundgebungsbühne war in unmittelbarer Nähe zu dem Verkaufsstand aufgebaut.

AfD-Versammlung beginnt mit Verspätung

Im Rathaus begann die Versammlung der AfD mit Verspätung um kurz nach 15 Uhr. Knapp 40 Personen wurden dazu erwartet. Ratsherr Martin Schiller erklärte, der Protest falle aus wie erwartet in der Studentenstadt Münster. Münster sei bekanntlich ein schweres Pflaster für die AfD.

40 Teilnehmer beim AfD-Parteitag

Während sich auf dem Prinzipalmarkt 1600 Gegendemonstranten versammelt hatten, kamen gerade mal 40 Mitglieder zum Parteitag der AfD im Rathaus. Dieser begann mit 40-minütiger Verspätung und ging nach Angaben der Partei nach 21 Uhr zu Ende. AfD-Ratsherr Martin Schiller betonte, dass der Protest so ausgefallen sei, wie er erwartet habe – schließlich sei Münster eine Studentenstadt. Er räumte ein, dass die Stadt „ein schweres Pflaster für die AfD“ sei. Auf die Frage, warum die Partei ausgerechnet im Rathaus zusammenkomme, sagte er: „Wir hätten gerne in einer gastronomischen Einrichtung getagt. Aber wir haben keine bekommen. Linke Gewalt bedroht die Gastronomen.“ Schiller wurde mit 33 von 35 Stimmen als Sprecher des AfD-Kreisverbandes wiedergewählt. Es gab keinen Gegenkandidaten. Das nächste Mal werden AfD und Gegendemonstranten am 22. Februar zusammentreffen, wenn die Partei im Rathaus ihren Neujahrsempfang abhält. Erwartet wird AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen.

Auf die Frage, warum Partei im Rathaus zusammenkomme, sagte Schiller: „Wir hätten gerne in einer gastronomischen Einrichtung getagt. Aber wir haben keine bekommen. Linke Gewalt bedroht die Gastronomen.“

Schiller bestätigt zudem gegenüber unserer Zeitung, wer beim Neujahrsempfang am 22. Februar 2019 als Gast erwartet wird: Bundessprecher Jörg Meuthen. Auch für diese Veranstaltung haben AfD-Gegner bereits eine Gegenveranstaltung angekündigt.

Polizei zieht positives Fazit

"Sowohl der Kreisparteitag der AfD im Rathaus als auch die Protestveranstaltung verliefen ohne Störungen", resümierte der Einsatzleiter der Polizei, Martin Mönninghoff. "Beide Veranstalter haben ihr Versammlungsrecht uneingeschränkt ausüben können."



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