„Garten-Messie“ wegen Bedrohung vor Gericht
Müllberge, Ratten und Drohungen

Münster -

Der Fall eines 54-jährigen Münsteraners, der seine Nachbarn in Kinderhaus mit Müllbergen inklusive Ratten drangsalierte, bewegt seit zwei Jahren die Gemüter. Am Dienstag war Prozessbeginn - die Anklage konnte jedoch nicht verlesen werden, da der Beschuldigte an diesem Tag für nicht verhandlungsfähig erklärt wurde. Er ist in psychiatrischer Behandlung; seine Nachbarn fürchten ihn wegen wiederholter Beleidigungen und Drohungen.

Dienstag, 06.11.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 06.11.2018, 19:41 Uhr
Der Angeklagte drangsaliert seine Nachbarn mit Müll.
Der Angeklagte drangsaliert seine Nachbarn mit Müll. Foto: ohw

Der Fall eines 54-jährigen Mannes, der auf seinem Grundstück zum Leidwesen der Nachbarn Müllberge anhäuft, erregt seit etwa zwei Jahren die Gemüter. Der Vorwurf, der aktuell im Amtsgericht gegen ihn erhoben wird, lautet indes „Beleidigung und Bedrohung“. Am ersten Verhandlungstag konnte jedoch noch nicht einmal die Anklage verlesen werden, da der Mann für nicht verhandlungsfähig erklärt wurde.

Gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit bei dieser Klärung hatte er protestiert. Überhaupt schien dem 54-Jährigen das Publikum nicht unangenehm zu sein: Nachdem er den voll besetzten Saal scharf gemustert hatte, stellte er sich namentlich vor und verkündete: „In diesem Staat wird gegen Menschen vorgegangen, obwohl sie gar nicht schuldig sind!“

40 Kubikmeter Müll 

Das „Vorgehen“ gegen seine Person hatte in den letzten Jahren etliche Schlagzeilen gemacht. Den Garten seines ererbten Hauses hatte der 54-Jährige mit Müllbergen angefüllt – Altmetall, Flaschen und anderer Unrat, den er gesammelt hatte.

Der Gestank und die Ratten machten seinen Nachbarn am Althausweg in Kinderhaus das Leben unerträglich. Das Ehepaar Ingrid und Heinrich Peters fühlte sich von der Stadt zunächst alleingelassen, bevor dann im August 2016 eine Räumung angeordnet wurde: 40 Kubikmeter Müll umfasste der Abtransport.

Zunächst hatte das Ordnungsamt beschieden, dass das Müllproblem als Nachbarschaftsstreit hinzunehmen sei. Die Peters versuchten gerichtlich, die Stadt zum Handeln zu bringen und unterlagen mehrfach. Die Belästigung sei zu schwach, „eine Gefährdung“ noch nicht gegeben.

Juristisch bewandert

Vielleicht noch nicht durch Müll, aber doch durch die angedrohte Gewalt? Ingrid Peters jedenfalls hat vor einem Jahr eine Gewaltschutzanordnung erwirkt, weil der Nachbar laut ihrer Aussage gerufen haben soll: „Ich kriege dich kaputt, ich werde dich zerstören.“

Am ersten Prozesstag nun ließ der Nachbar (mittlerweile in der Psychiatrie) sich nur durch eine „polizeiliche Vorführung“ zum Erscheinen bewegen. Mit Gerichtstexten oder Paragrafen kennt sich der gelernte Installateur überraschend aus. „Das ist ein Hobby von ihm“, erklärte Ingrid Peters im Anschluss.

Gegenüber den anwesenden Medienvertretern gab sich der 54-Jährige friedfertig: Die Nachbarn müssten einfach seine „Sammelleidenschaft akzeptieren“. Den Befall von Ratten stritt er ab; auch sei er kein „verrückter Messie“. Der Prozess wird am 13. November fortgesetzt.

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