Mi., 07.11.2018

Jahresausstellung der Ateliergemeinschaft Schulstraße Von explosiv bis zerbrechlich

Luzia-Maria Derks beklebte ihren Polo mit Schokoladen-Stanniolpapier. Nach 30 Jahren wurde der VW jetzt aus dem Verkehr gezogen und hängt in Einzelteilen als Kunstwerk an der Wand.

Luzia-Maria Derks beklebte ihren Polo mit Schokoladen-Stanniolpapier. Nach 30 Jahren wurde der VW jetzt aus dem Verkehr gezogen und hängt in Einzelteilen als Kunstwerk an der Wand. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Ein dank Schokolade veredeltes Autowrack, ein durch einen Frosch explosives Gemeinschaftsgemälde, katastrophale Kinderkleidung – bei 17 Künstlern der Ateliers und 21 Gästen ist es kein Wunder, dass die Jahresausstellung der Schulstraße 43 voller wundersamer Dinge ist.

Von Gerhard H. Kock

Ein dank Schokolade veredeltes Autowrack, ein durch einen Frosch explosives Gemeinschaftsgemälde, katastrophale Kinderkleidung – bei 17 Künstlern der Ateliers und 21 Gästen (hinzu kommen Performer und Musiker) ist es kein Wunder, dass die Jahresausstellung der Schulstraße 43 voller wundersamer Dinge ist.

Fotostrecke: Jahresausstellung der Ateliergemeinschaft Schulstraße 43

Der Polo von Luzia-Maria Derks sorgte an der Überwasserkirche lange Zeit für Aufsehen. Nach 30 Jahren ist Schluss. Der mit Stanniolpapier komplett verkleidete VW ist nur noch für die Kunst zugelassen. Derks lässt die Einzelteile mit glitzernden Nikoläusen und Miezekatzen am Wochenende durch den münsterischen Auktionator Eric Wilbois versteigern (20 Prozent gehen ans Hospiz Lebenshaus).

Klaus Geigle zeigt nicht nur Aktuelles seiner vieldimensionalen Malerei, sondern hat mit Ruppe Koselleck ein Gemälde geschaffen, in dem Knallkörper versteckt sind. Der Käufer darf entscheiden, ob er einen auf „Banksy“ macht und das Kunstwerk sprengt und vielleicht wertsteigernd zerstört.

Frederike de Graft und Ruth Lübke stellen ein gutes Dutzend mit Kinderkleidung bespannte Leinwand-Objekte aus: „catas trophies“. Wie der Titel schon verrät, geht es um Katastrophen wie die Ölkatastrophe „Deepwater Horizon“, aber auch die kleinen, hochhysterisierten Alltags-Missgeschicke. Die Ambivalenz zwischen Begriff und Empfindung wird ausgelotet: Hakenkreuze aus Kinderarmband-Perlen enttarnen die Dämonisierung eines Zeichens; der Laster mit der Aufschrift „Monsanto“, der über das Blümchen-Muster eines Kinder-Hemdchens fährt, schmerzt durch die Ironie, dass die indus­trielle Landwirtschaft in all ihrer Effektivität auch Leben vernichtet.

Zwei Neue haben ein Atelier in der Schulstraße bezogen: Fridolin Mestwerdt arbeitet sich am Konzept „White Cube“, der aseptischen Präsentation im musealen Umfeld ab, in dem er einen solchen weißen Quader mit Spanngurten durch ständiges Nachziehen zermürbt – in einer Anhänger-Vitrine vor der Schulstraße. Ulrich Haarlammert stellt nicht nur seine zeitgleichen Fotografien (Winter/Sommer oder Tag/Nacht) aus, sondern auch die Rauminstallation „Zauberlehrling“, die die Grenzen der Beherrschbarkeit von leichtsinnig entfesselten Naturkräften wie Wasser thematisiert.

Christine Rokahr blickt unter dem Motto „Vom Wohlverhalten zum Wohlgefallen“ auf ihre Arbeiten vor 25 Jahren zurück. Esther Rutenfranz zeichnet nicht nur filigran opulente Blumenbilder, sondern stickt auch Zeichnungen.

Isabell Kamp versinnbildlicht mit ihrem Mobile aus Keramik-Händen die Zerbrechlichkeit von Begegnung und die Schwierig-, wenn nicht Unmöglichkeit der wahren Berührung.

Zum Thema

Die Jahresausstellung in der Schulstraße 43 wird am Donnerstag (8. November) um 19 Uhr eröffnet. Öffnungszeiten: Freitag und Samstag von 15 bis 20 Uhr, Sonntag von 12 bis 18 Uhr.



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