Sa., 10.11.2018

Veranstaltung für Direktversicherungsgeschädigte Betroffene wollen eine Entschädigung

Karl-Heinz Kersting und Michael Rosmus (vor dem Podium) mit Bernd Krüger, Gerhard Kieseheuer, Wolfgang Diembeck und Erwin Tischler (hinten, v.l.).

Karl-Heinz Kersting und Michael Rosmus (vor dem Podium) mit Bernd Krüger, Gerhard Kieseheuer, Wolfgang Diembeck und Erwin Tischler (hinten, v.l.). Foto: Andreas Hasenkamp

Münster-Hiltrup - 

Der Ärger war groß und gebündelt: Auf einer Veranstaltung in Hiltrup haben sich Geschädigte zum Verlustgeschäft ihres Lebens geäußert.

Von Andreas Hasenkamp

Über 130 Personen nahmen an einer Informationsveranstaltung des Vereins „Direktversicherungsgeschädigte“ (DVG) in der Stadthalle Hiltrup ein. Thema des Abends: „Das Verlustgeschäft unseres Lebens“.

1700 Mitglieder habe der 2015 gegründete Verein, die Tendenz sei „stark steigend“. Er vereine aktuell oder früher in der gesetzlichen Krankenkasse Versicherte, die eine Direktversicherung mit Gehaltsumwandlung über den Arbeitgeber abgeschlossen haben (wir berichteten). Über sechs Millionen solcher Verträge gebe es, vor Jahrzehnten erschienen sie attraktiv. Eine Gesetzesänderung verschlechterte 2004 die Bedingungen. Das sei klammheimlich geschehen, so die DVG-Sprecher auf der Bühne, Bernd Krüger, Gerhard Kieseheuer, Wolfgang Diembeck und Erwin Tischler sowie Jost Gerbing als Moderator. So hätten Betroffene auch nicht reagieren können.

Das Erwachen komme, mit der Auszahlung – dann kommt unerwartet die Forderung der Krankenkasse ins Spiel. „Wir Betroffenen zahlen auch noch den Arbeitgeber-Beitrag.“ Zwei Fälle zeigte Tischler in Zahlen: Eine Steuerfachangestellte kam sogar ins Minus, ein Außendienstler erzielte eine minimale Rendite. Informiere die DVG Politiker darüber, dann seien sie entrüstet.

Erst 40 Prozent der Betroffenen seien belastet, jedes Jahr kämen 250 000 hinzu. Längst sei der Verein in der Politik bekannt, mische in Wahlkämpfen auf Landes- und Bundesebene mit, sei im April 2018 gefragt gewesen als Sachverständiger in einer Anhörung des Bundestags, schreiben Abgeordnete. Viel Arbeit verursache er bei Krankenkassen und Gerichten, denn er helfe bei Widersprüchen und Klagen. „Das halten die irgendwann nicht mehr durch“, so der Ingenieur Wolfgang Utta gegenüber unserer Zeitung.

Die DVG will eine große Lösung, mit Entschädigung. Andere Vorschläge sehen etwa vor, die Beiträge zur Krankenkasse zu reduzieren. Gesundheitsminister Jens Spahn operiere bei Schätzungen zu Folgekosten mit falschen Zahlen, so die DVG.

Dann können die Gäste fragen, rege machen sie davon Gebrauch. Das Podium korrigiert Irrtümer, die falsche Hoffnung wecken. Rechtliche Schritte solle man besser dem Anwalt überlassen, der mit dem DVG zusammenarbeitet. In Münster könnte bald ein „Stammtisch“ entstehen, bei dem sich Betroffene austauschen.



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