Kammeroperette Musiktruhe zeigt im Theater „Flieder aus Wien“
Alle Paare finden sich

Münster -

Wem im 19. Jahrhundert die Oper schwer im Magen lag, der ging in die Operette. Gleiche Probleme, gleiche Personen – aber mit „Happy End“! Statt „Sein oder Nichtsein“ obsiegt hier das „Wir-sind-alle-kleine-Sünderlein“-Prinzip, Intrige, Eifersucht und Schlimmeres schmolz eine Verkleinerungs-Dramaturgie auf „Petit-Four“-Format. Für süße Schlager, die (fast) jedem Hörer schmeckten, besaß Fred Raymond (1900-1954) eine flotte Feder, seine Operette „Flieder aus Wien“ (Uraufführung: 1949) feierte jetzt im U 2 Premiere.

Montag, 12.11.2018, 20:57 Uhr aktualisiert: 12.11.2018, 21:00 Uhr
Die münsterische Kammeroperette „Musiktruhe“ zeigt im Theater Münster bis März in weiteren acht Vorstellungen ihre Inszenierung von „Flieder aus Wien“.
Die münsterische Kammeroperette „Musiktruhe“ zeigt im Theater Münster bis März in weiteren acht Vorstellungen ihre Inszenierung von „Flieder aus Wien“. Foto: Oliver Berg

Wem im 19. Jahrhundert die Oper schwer im Magen lag, der ging in die Operette. Gleiche Probleme, gleiche Personen – aber mit „Happy End“! Statt „Sein oder Nichtsein“ obsiegt hier das „Wir-sind-alle-kleine-Sünderlein“-Prinzip, Intrige, Eifersucht und Schlimmeres schmolz in der Verkleinerungs-Dramaturgie auf „Petit-Four“-Format. Für süße Schlager, die (fast) jedem Hörer schmeckten, besaß Fred Raymond (1900-1954) eine flotte Feder, seine Operette „Flieder aus Wien“ (Uraufführung: 1949) feierte jetzt im U 2 Premiere.

Der Gardinen-Vorhang deutete bereits die intime Szenerie an: In der Mitte ein Tisch mit vier Stühlen, rechts eine feuerrote Chaiselongue (Regie und Ausstattung: Christian-Kai Sander). In der Ecke dahinter spielte Hyolim Chi Klavier und hatte die Ouvertüre schwungvoll einsetzen lassen, während das Ensemble einen famosen Eingangschor absolvierte. Gerade noch wird der Schattenriss einer Person sichtbar: Johann Strauss jr. (Philipp Bopp), der im Café Steidl dem Tarockspiel frönt.

Dann saust schon Oberkellner Eduard Strebinger (stolz: Harald König) durchs Gelände, schneit auch Tochter Mizzi herein (offenherzig brillant: Luisa Fernada Serna Libreros), die mit ihrer Freundin Etelka Varasi (kokette Puszta-Schärfe: Gerlind Hofmann) zum Sommerball im „Walfisch“ ausgehen möchte.

Mittendrin der Walzergenius mit der Bitte um einen Text für seinen Walzer „Flieder aus Wien“: „Die Musik will fließen – aber der Text nicht!“. Zack – ist ein Walzer fällig: „Dreh’ dich Mädel, dreh’ dich fester“, garniert Rudi mit feurigen Spitzentönen (Juan Sebastián Hurtado Ramírez) und offenbart Mizzi, sie sei „besonders begabt für die Liebe“. Die ist prompt entflammt – man wünschte sich, es ginge immer so mit der Liebe.

Natürlich ist Rudis Papa, Weinhändler Leopold Graner (stark: Lars Hübel), strikt dagegen und hat stattdessen Lucie im Visier (still: Susanne Kaletta), Tochter des Hoteldirektors Westermann (Manfred Post). Aber natürlich geht diese Mesalliance schief, und alle Paare finden sich, wie die Liebe es will.

Nie tritt Raymonds Musik dem Hörer zu nah, gönnt ihm auch den Luxus, einmal nicht hinzuhören. Locker, mit ironischem Understatement bewegten sich die Sänger durch eine Komödie der Irrungen, deren Figuren mit touristischem Optimismus durchs Österreichische flanieren, und hielten darstellerisch wie sängerisch souverän Kurs beim musikalischen Sturm im Wasserglas. Ein paar Tücken aus dem Kosmos menschlichen Daseins, eine Prise münstersches Lokalkolorit, eine fröhlich schmetternde Gesangstruppe – fertig ist der gelungene Operetten-Nachmittag im Theater!

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