Lernen mit Kopf, Herz und Hand
„PCs vermindern Lernerfolg“

Münster -

Digitalisierung erfasst schon die Jüngsten: In der Schule, ja selbst in der Kita sollen Computer und Internet den Nachwuchs auf die (Arbeits-) Welt von morgen vorbereiten. Deutschlands bekanntester Gehirnforscher hat jetzt im Franz-Hitze-Haus Wasser in den „Wein 4.0“ geschüttet.

Dienstag, 13.11.2018, 10:00 Uhr
Der Vorschlag von Prof. Dr. Manfred Spitzer zog fast 400 Gäste an. Mit seinen Thesen enttäuschte er sein Publikum nicht.
Der Vorschlag von Prof. Dr. Manfred Spitzer zog fast 400 Gäste an. Mit seinen Thesen enttäuschte er sein Publikum nicht. Foto: privat

Eine lange Schlange bildete sich am Samstag kurz vor Beginn vor dem Franz- Hitze Haus. Fast 400 Personen kamen zu dem Vortrag von Deutschlands bekanntestem Gehirnforscher, Prof. Dr. Manfred Spitzer. Der Montessori-Landesverband Nordrhein-Westfalen hatte gemeinsam mit dem Franz-Hitze-Haus an diesem Morgen Eltern, Erzieher, Lehrer und Interessierte zum Thema „Gehirnentwicklung und Lernen, Einfluss digitaler Medien“ eingeladen.

„Wir wollen Eltern und Kinder stärken“, betonte Ruth Püttmann, Vorsitzende des Montessori-Landesverbandes NRW in ihrer Begrüßungsrede. Gerade die Chancen der Montessori-Pädagogik durch das Lernen mit Kopf, Herz und Hand stellten ein Gegengewicht zum digitalen Lernen dar, heißt es in einer Mitteilung des Montessori-Landesverbandes.

Manfred Spitzer erklärte zu Beginn des Vortrags die Entwicklung des Gehirns und machte deutlich, dass sich das Gehirn im frühen Kindesalter rasant entwickele durch das tägliche Experimentieren des Kleinkindes mit seinen Händen und seiner Sinneswahrnehmung. „Nehmen wir Kindern diese Möglichkeit unter anderem durch die Nutzung digitaler Lernprogramme, stagniert die Hirnentwicklung.“

Über Risiken und Nebenwirkungen von digitalen Medien werde bislang kaum gesprochen, obgleich diese in mittlerweile sehr vielen Studien nachgewiesen seien, betonte Spitzer. Digitale Medien schadeten der körperlichen, geistigen und seelischen wie auch der sozialen Entwicklung des Menschen. Der Gebrauch von Computern beim Lernen vermindere den Lernerfolg, so Spitzer. Soziale Fähigkeiten könnten an Bildschirmen nicht gelernt werden, man müsse sie vielmehr schon haben, um soziale Medien sinnvoll zu nutzen.

In der Podiumsdiskussion betonte Dr. Esther Grindel, Leiterin der Montessori-Schule, wie wichtig es sei, bevor man Geld für die Digitalisierung an Schulen ausgebe, zu schauen, was dringlicher gebraucht werde, um handlungsorientiertes Lernen auch in staatlichen Schulen zu ermöglichen.

Auch Prof. Christian Fischer, Leiter des Internationalen Centrums für Begabungsforschung an der WWU Münster, betonte, vertieftes individuelles Lernen brauche unmittelbare soziale Beziehungen, sodass digitale Lernumgebungen analoge Lehrformate ergänzen, aber nicht ersetzen können.

Prof. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen Münster, machte deutlich, dass digitale Medien nicht um ihrer selbst willen, sondern als Instrumente für einen guten Unterricht eingesetzt werden müssen.

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