Mi., 14.11.2018

Geschäftsmann soll Wohnsitz in Münster verschwiegen haben Prozessauftakt: Nach Hongkong pendeln lohnt sich nicht

Hongkong ist ein teures Pflaster. Wer allerdings als Münsteraner nur behauptet, in Hongkong zu leben, kann eine ganze Menge Steuern sparen.

Hongkong ist ein teures Pflaster. Wer allerdings als Münsteraner nur behauptet, in Hongkong zu leben, kann eine ganze Menge Steuern sparen. Foto: ur

Münster - 

Wer in Hongkong lebt und arbeitet, spart in Münster Steuern. Vor dem Landgericht wurde nun das Verfahren gegen einen Münsteraner eröffnet, der die Finanzbehörden glauben ließ, er wohne in Hongkong.

Von Klaus Möllers

Von einer Wohnung am Alten Fischmarkt und einem Büro am Bült in die Wirtschaftsmetropole Hongkong – über diese Distanz hinweg führte ein Geschäftsmann aus Münster mehrere Jahre lang seine Firma mit Sitz in der Weltstadt. Dass der Mann in Münster lebte und nur noch gelegentlich in die chinesische Sonderverwaltungszone reiste, wussten er und seine Ehefrau. Die deutschen Finanzbehörden aber nicht.

Wegen Steuerverkürzung während der Jahre 2004 bis 2009 verhandelt das Landgericht seit Dienstag gegen den heute 73-Jährigen. Ihm wird vorgeworfen, in der Zeit als Kaufmann dem Staat über 330. 000 Euro Gewerbe- und Einkommenssteuer sowie Gewinne aus Kapitalerträgen vorenthalten zu haben. Statt seinen Wohnsitz in Münster anzugeben, seien die Finanzbehörden getäuscht worden, weil der Unternehmer angegeben habe, dauerhaft in Hongkong zu leben. Eine zweite Firma hatte ihren Sitz in Berlin.

Beihilfe-Verfahren gegen Ehefrau

Der Mann wohnt nach wie vor in Münster. Beim Verhandlungsauftakt gab er zu, dass die Vorwürfe ihm „zuzurechnen“ seien, wie er sagte, und schilderte seinen Werdegang – wie er nach einem abgebrochenen Studium erst in Großbritannien „als Journalist und Verlagskaufmann“ gearbeitet habe.

Als 1987 in Hongkong mit Hilfe des Landeswirtschaftsministeriums ein Zentrum für Kontakte zwischen Firmen aus NRW und der dortigen Wirtschaft entstand, habe er zu diesen Zweck eine eigene Firma gegründet. „Ich habe mich in Deutschland abgemeldet und in Hongkong niedergelassen“, erklärte er. Schrittweise habe er seinen Lebensmittelpunkt später zurück nach Münster verlagert. Das Finanzamt erfuhr davon erst 2010 durch zwei anonyme Anzeigen gegen den Unternehmer.

Mitangeklagt war dessen Ehefrau (62) wegen Beihilfe. Das Verfahren gegen sie wurde am Dienstag gegen eine Geldauflage von 2000 Euro eingestellt.



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