Mi., 14.11.2018

Wechsel in der Geschäftsführung Klarastift: Aufsichtsratschefin Hakenes tritt zurück

Das Klarastift stellt erste Weichen für die Wende: Dr. Holger Praßel leitet das Altenzentrum interimsweise.

Die zurückgetretene Aufsichtsratsvorsitzende Anne Hakenes über die personelle Veränderung am Klarastift. Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Die Wellen schlagen hoch rund um das in finanzielle Schieflage geratene Altenpflegezentrum Klara­stift: Aufsichtsratsvorsitzende Anne Hakenes trat am Mittwochabend überraschend von ihrem Amt zurück, nachdem sich zuvor die Stadt als Gesellschafterin vom bisherigen kaufmännischen Geschäftsführer Dr. Michael Lucas (57) mit sofortiger Wirkung getrennt und den Sanierer Dr. Holger Praßel (51) als Interims-Geschäftsführer berufen hatte.

Von Ralf Repöhler

Praßel stellte sich bereits am Mittwoch im Klarastift und am Abend im Aufsichtsrat vor. Hakenes, die Lucas bis zum Schluss verteidigt hatte, erfuhr davon nur wenige Stunden vor der Sitzung. Mitarbeiter des Altenpflegezentrums hatten die Aufsichtsratsmitglieder mit Trillerpfeilen begrüßt und ihnen per Mail ihr Unverständnis über die personelle Veränderung mitgeteilt.

Die Stadt teilte bereits am Mittag mit, dass das Altenpflegezentrum die Konsequenzen aus der unbefriedigenden pflegerischen und wirtschaftlichen Situation ziehe. Das Klarastift hat nach einem bereits im Juni durch die Heimaufsicht verhängten Aufnahmestopp erhebliche Liquiditätsprobleme.

Grund dafür sind schwere pflegerische Mängel, auch aufgrund von zu wenig Personal, worauf die Geschäftsführung trotz mehrfacher schriftlicher Aufforderung monatelang – so der Vorwurf der Gesellschafter – keine befriedigenden Antworten geben konnte

Dickes Minus in der Kasse

Die pflegerische Situation habe sich seit Juni nicht verbessert, etliche Plätze der Einrichtung hätten nicht mehr besetzt werden können, was die wirtschaftliche Lage zugespitzt habe. Der Aufnahmestopp kostet jeden Monat rund 70 .000 Euro. Von einem dicken Minus in der Kasse von 800.000 Euro ist die Rede.

Eine Mehrheit der Aufsichtsratsmitglieder hatte sich deshalb im Oktober dafür ausgesprochen, dass ein Krisenmanager geholt werden solle. Die Trennung von Lucas und die Bestellung des Interims-Geschäftsführers wurden dann in dieser Woche und vor der Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend von den zuständigen Gremien bestätigt: durch zwei fraktionsübergreifende Dringlichkeitsentscheidungen des Rates und durch Beschluss der Gesellschafterin, die für Personalfragen zuständig ist.

Die für Personal und Pflege zuständige Geschäftsführerin Maria Boresch-Bogovic bleibt im Amt. Die Trennung von Lucas nach fast 20 Jahren und die Berufung von Praßel wird die Stadt mehrere Hunderttausend Euro kosten.

Änderung der finanziellen und pflegerischen Situation

Der neue Interim-Geschäftsführer kommt aus Essen und ist seit 20 Jahren in der Gesundheits- und Sozialbranche tätig. Er hat mehrere Krankenhäuser und Altenheime restrukturiert. Praßel soll das Klarastift voraussichtlich ein Jahr lang führen. Zunächst muss er die finanzielle und pflegerische Situation grundlegend klären. Dann sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass der verhängte Aufnahmestopp aufgehoben werden kann.

Praßel möchte „Ordnung und Ruhe im Unternehmen wiederherstellen sowie wirtschaftlich tragfähige Lösungen für die Zukunft aufzeigen und einleiten.“ Dabei geht es auch um die aus vier Gesellschaften bestehende Struktur. Sie sei nach Ansicht der Curacon-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nicht mehr zeitgemäß, wirtschaftlich risikobehaftet und einer qualitativ guten Pflege weniger dienlich, heißt es.



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