Fr., 16.11.2018

Anwohner klagen über Lärmbelästigung Party-Studenten mischen Wohnviertel auf

Am Von-Hünefeld-Weg, der an den Torminweg grenzt, wohnen Studierende des Zolls.

Am Von-Hünefeld-Weg, der an den Torminweg grenzt, wohnen Studierende des Zolls. Foto: Pjer Biederstädt

Münster - 

Viele der ehemaligen Briten-Reihenhäuser am Torminweg werden an Studierende vermietet, auch an Studenten des Zoll. Andere Anwohner klagen über hohe Lärmbelästigung.

Von Pjer Biederstädt

Obwohl Marko Simonovic im Sommer gern in seinem Garten sitzt, ist er froh, dass die Zeit der lauen Abende für dieses Jahr vorbei ist. Mehrmals in der Woche raubte der Party-Lärm aus der Nachbarschaft dem Berufstätigen den Schlaf. Denn sein Reihenhaus am Torminweg ist umgeben von Studentenwohnungen.

Eigentlich war das anders geplant: Als Simonovic das Reihenhaus 2013 kaufte, hieß es, die umliegenden ehemaligen Britenhäuser in der Siedlung Lütkenbeck sollen vorwiegend an Familien vermarktet werden. Doch nicht alle Häuser wurden vermarktet. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) vermietet 54 Reihenhäuser an das Studierendenwerk Münster. Weitere 32 an Studierende des Zolls. In der Regel sind pro Haus drei Studierende untergebracht, macht etwa 250 Studenten insgesamt.

Weil die ehemaligen Kasernenhäuser einen Garten haben, feierten die Studierenden im Hitze-Sommer 2018 vornehmlich im Freien. „Wer will es ihnen verdenken? Ich war auch Student und ich hätte es auch so gemacht. Aber wenn es Beschwerden gegeben hat, sind wir dann auch ruhiger geworden“, sagt Simonovic. Er ist keiner, der schnell den Zeigefinger hebt. Im Gespräch betont Simonovic immer wieder, dass er auch Verständnis für die Studenten habe. „Aber wenn unter der Woche bis in die Morgenstunden gefeiert wird, und ich um 6 Uhr aufstehen muss, dann ist das nicht mehr lustig.“

100 Autos zusätzlich im Viertel

Bei den Zoll-Studenten, so Simonovic, komme hinzu, dass sie das Viertel in der Woche mit weit über 100 zusätzlichen Autos belasten – zahlreiche Tempoüberschreitungen in der Dreißiger-Zone inklusive.

Wenn es ihm zu bunt wurde, ging Simonovic die 50 Meter rüber und bat um Rücksicht. „Die Gespräche mit den Studenten waren immer freundlich, führten im Resultat aber zu keiner Verbesserung“, sagt Simonovic. Er wünscht sich eine heterogenere Nachbarschaft, eine stärkere Integration der Studenten ins Siedlungsleben und dass mehr Familien in der Gegend Häuser kaufen können.

Doch Letzteres könnte schwierig werden. Wenn es Bedarf seitens des Zolls gebe, dann würden die Reihenhäuser weiterhin vermietet, sagt Norbert Stahl, Abteilungsleiter Liegenschaften des Bundes bei der Bima.

Bedarf ist stärker denn je

Und der Bedarf ist stärker denn je. 2014 wurden 320 Zoll-Auszubildende des gehobenen Dienstes in Münster eingestellt, 2018 waren es schon 503, wie der Zoll auf Anfrage mitteilte. In den Jahren 2019 bis 2023 rechnet der Zoll mit einer Erhöhung auf 700 Einstellungen.

Für Simonovics Wünsche steht es also nicht zum Besten. Doch wie soll es weitergehen? Wechselseitige Toleranz und Rücksichtnahme seien gefragt, so Stahl von der Bima.

Auch der Zoll gibt sich kooperativ: „Jede Beschwerde wird ernst genommen und eingehend überprüft. Die Nachwuchskräfte werden insoweit mit Blick auf die besondere Wohnsituation sensibilisiert und eindringlich aufgefordert, sich an Ruhezeiten zu halten und größtmögliche Rücksicht auf die übrigen Anwohner zu nehmen.“

Unabhängig davon werde ein externer Wachdienst eingesetzt, um bei Lärmstörungen in den Abend- und Nachtstunden schnell eingreifen zu können. Den hat auch Simonovic schon kontaktiert. Ergebnis? Keine Verbesserung.



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