Sa., 17.11.2018

Stadt Münster verspricht Aufarbeitung „In Lauheide liegen NS-Täter neben den Opfern“

Unter den Toten auf dem Ehrenfriedhof in Lauheide sind nach Einschätzung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes auch Täter des NS-Regimes wie General Gerhard Glokke und NSDAP-Kommissar Fritz Schmidt.

Unter den Toten auf dem Ehrenfriedhof in Lauheide sind nach Einschätzung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes auch Täter des NS-Regimes wie General Gerhard Glokke und NSDAP-Kommissar Fritz Schmidt. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes kritisiert, dass sich auf einem Ehrenfriedhof in Lauheide NS-Opfer neben Tätern befinden. Die Stadt stellt nun eine historische Aufarbeitung in Aussicht.

Von Martin Kalitschke

894 Gräber befinden sich auf dem Ehrenfriedhof für deutsche Kriegsopfer in Lauheide: Soldaten, die während des Zweiten Weltkrieges in den Lazaretten starben oder im Kampf fielen, Kinder und Frauen, die bei den Bombardements auf Münster umkamen. Daneben haben hier Zwangsarbeiter aus Belgien, den Niederlanden und den Balkanstaaten ihre letzte Ruhe gefunden.

Opfer neben Tätern begraben

Sie alle waren Opfer. Opfer des Zweiten Weltkrieges, Opfer des menschenverachtenden NS-Regimes. Doch auf dem selben Ehrenfriedhof liegen auch Personen, die Täter waren, kritisiert die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) in einem offenen Brief, den sie in dieser Woche an Regierungspräsidentin Dorothee Feller geschickt hat. Fritz Schmidt, NSDAP-Kommissar für die von Deutschland besetzten Niederlande, ist hier ebenso bestattet worden wie General Gerhard Glokke. Zudem befindet sich in dem Gräberfeld ein Ehrenmal für eine NS-Eliteeinheit.

„Hier wurden Opfer und Täter nebeneinander beerdigt“, kritisiert Michael Bieber von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Die Regierungspräsidentin bittet er um Unterstützung, „um der politisch nicht mehr haltbaren und gesetzlich nicht legitimierten Ehrengrab-Situation (...) Rechnung zu tragen und die Gedenkstätte entsprechend umzugestalten“.

Umstrittene Gräber

Wer genau waren die umstrittenen Personen? Fritz Schmidt war laut Bieber unter anderem für die „Entjudung“ der niederländischen Wirtschaft zuständig. Zudem seien in seinen Verantwortungsbereich Geiselnahmen zur Unterdrückung des Widerstandes gegen die NS-Besatzung gefallen. Im Gauhauptamt Münster sei er für Propaganda zuständig gewesen. Schmidt sei unter ungeklärten Umständen bei einer Dienstreise gestorben – also nicht im Krieg gefallen.

Fotostrecke: Die schönsten Bilder vom Friedhof Lauheide

General Glokke war laut Bieber die Organisation des Wehrbereichs Münster unterstellt. Dazu habe unter anderem die Organisation der Wehrerfassung aller Menschen zum Kriegsdienst gehört. Sein Lebenslauf gebe keine Hinweise, dass er ein Kriegsopfer gewesen sei.

Schließlich das Ehrenmal für die NS-Eliteeinheit „Hammerdivision“: Sie sei unter anderem an der Niederschlagung von Aufständen gegen das NS-Regime beteiligt gewesen.

Stadt verspricht Aufarbeitung

Die Bezirksregierung hat inzwischen auf den offenen Brief reagiert. Sie habe die für Lauheide zuständige Stadt Münster um die Überprüfung der genannten Gräber gebeten. „Die Stadt Münster wird nun die Hintergründe historisch aufarbeiten und einen Vorschlag zum weiteren Verfahren unterbreiten“, so eine Stadt-Sprecherin.

Die Lauheide-Homepage hat die Stadt indessen bereits geändert. Dort erläutert sie seit Mittwoch, dass Glokke 1944 an einem Herzleiden verstorben sei, in der 1948 ausgestellten Sterbeurkunde 1948 jedoch von einem „Kriegssterbefall“ die Rede sei. Wohl aus diesem Grund sei ihm das „dauerhafte Ruherecht“ auf einem Ehrenfriedhof zuerkannt worden.

Dieser Zusatz im Internet reicht dem VVN-BdA nicht. Er fordert „eine würdige Grabanlage der Opfer, die für Besucher historisch erläutert wird, um die Verbrechen des Nationalsozialismus zu dokumentieren“.



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