Fr., 16.11.2018

Der Briefschlitzer-Fall zieht Kreise Post reagiert nicht auf Hilfsangebot

Eine Münsteranerin hat Strafanzeige gestellt, weil viele ihrer Briefe im Sommer einfach verschwunden sind.

Eine Münsteranerin hat Strafanzeige gestellt, weil viele ihrer Briefe im Sommer einfach verschwunden sind. Foto: dpa

Münster - 

Eine Münsteranerin meldete sich bei der Post als Geschädigte. Viele ihrer Briefe kamen nicht bei den Adressaten an. Die junge Mutter bot der Post bei der Aufklärung ihre Hilfe an, doch sie habe vom Kundenservice keine Reaktion gehört.

Von Gabriele Hillmoth

Für Katharina Semmler aus Münster ist der Briefschlitzer-Fall noch nicht erledigt. Sie würde gerne zur Aufklärung beitragen, sagt die junge Mutter, doch die Post habe trotz ihrer Bemühungen, per Brief, Mail und Telefon Kontakt zum Kundenservice und zum Reklamationsmanagement zu bekommen, nicht reagiert. Die Polizei fahndet nach eigenen Angaben immer noch nach dem Briefschlitzer, der mindestens 300 Briefe geöffnet und offensichtlich den Inhalt entwendet haben soll.

Bereits im Sommer wurde ein Kasten mit Briefen an der Siemensstraße gefunden. Umschläge waren damals geöffnet und nach Geld durchsucht worden ( wir berichteten). Die Briefe waren frankiert, aber noch nicht abgestempelt. Damals hieß es, dass Polizei und Post gemeinsam ermittelten.

Katharina Semmler bezweifelt diese enge Zusammenarbeit. Ihrer Meinung nach kehre die Deutsche Post das Problem, das es mit der Zustellung und dem Versand von Briefpost gebe, unter den Teppich. Die Münsteranerin meldete sich nach der Veröffentlichung des Vorfalls als Geschädigte.

Nach der Geburt ihrer Tochter habe sie etwa 100 Geburtsanzeigen und Danksagungen von vier Briefkästen in Münsters Innenstadt verschickt. „Wir wissen, dass mindestens 15 nicht angekommen sind – und zwar von vier Postkästen.“

Katharina Semmler berichtet außerdem, dass es ihrer Meinung nach mehrere Funde von Postsachen gegeben haben muss. Zwei seien direkt bei der Polizei gemeldet worden, zwei bei der Post. Die Polizei habe aber keinen Zugriff auf die Funde bei der Post, sagt die Geschädigte. Sonst könnten ihrer Meinung nach die Absender benachrichtigt werden.

Die Münsteranerin ist frustriert darüber, dass die Post bisher nicht reagiert habe. Der ideelle Schaden sei unermesslich, sagt sie, weil es deutschlandweit Familie, Freunde und berufliche Kontakte geben würde, die sie als Absender nun für unhöflich hielten. Dabei könnten sie der Deutschen Post bei der Aufklärung behilflich sein, bietet die Münsteranerin an, die nach eigenen Angaben konkrete Daten über den Einwurf ihrer Post vorliegen habe.

Der Sprecher der Deutschen Post, Achim Gahr, erklärt, dass die Sendungen, die sie aus dem Fund bekommen hätten, auch zugestellt worden seien. Notfalls müsste ein Nachforschungsantrag gestellt werden, rät er ohne auf den konkreten Fall im Sommer einzugehen. „Die Polizei ermittelt“, bestätigt auch eine Sprecherin der Polizei in Münster, die von einer engen Zusammenarbeit mit der Post berichtet. Einige Zeugen hätten sich gemeldet, diesen Hinweisen würden sie nachgehen. Katharina Semmler hat jedenfalls eine Strafanzeige gestellt.

Post-Sprecher Gahr erklärt zudem, warum es gerade in der vergangenen Woche zu verspäteten Zustellungen gekommen sei, was mit einer Betriebsversammlung am vergangenen Samstag zu tun gehabt habe. An diesem Tag sei keine Post verteilt worden. Dies sei aber im Laufe der Woche nachgeholt worden. Gahr reagierte damit auf Katharina Semmlers Kritik an der aktuellen Zustellung.



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