Olympia
Skateboard-Legende Titus Dittmann moniert Dopingkontrollen

Münster/Berlin -

Der deutsche Skateboard-Pionier Titus Dittmann (69) hat die Dopingkontrollen in seiner Sportart kritisiert. «Mittlerweile gibt es bei Meisterschaften Dopingkontrollen. Da lachen wir uns alle kaputt», sagte er in einem am Samstag veröffentlichten Interview bei t-online.de. Skateboarden gehört 2020 in Tokio erstmals zum Programm der Olympischen Spiele, entsprechend müssen sich die Athleten an die Antidoping-Regeln halten. 

Samstag, 17.11.2018, 11:13 Uhr aktualisiert: 17.11.2018, 16:27 Uhr
Skateboard-Pionier Titus Dittmann. 
Skateboard-Pionier Titus Dittmann.  Foto: Ina Fassbender

«Bei Doping geht es prinzipiell um Leistungssteigerung. Aber Skateboarder nehmen ja meistens Sachen, die die Leistung nicht steigern, sondern eher schwächen», sagte der Münsteraner. «Nur weil die einen kiffen und das illegal ist, sollen sie gesperrt werden? Das kann ich nicht nachvollziehen, zumal Alkohol legal ist.»

Dittmann hat die Aufnahme seiner Sportart ins olympische Programm kritisiert. «Bei Olympia kommt jedenfalls ein unglaublicher kommerzieller Faktor mit rein, der nicht zu unterschätzen ist. Mir persönlich könnte jemand eine Million Euro bieten und ich würde trotzdem sagen: Ich will Skateboarden lieber nicht bei Olympia sehen.»

 

Titus Dittmanns Leben in Bildern

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  • Titus Dittmann gilt als Vater der deutschen Skateboard-Szene. Das stimmt natürlich nicht so ganz, Skateboards gab es schon vorher in Deutschland und auf der Welt. Aber der Münsteraner hat die Skateboard-Szene in Deutschland und Europa entscheidend mitgeprägt, indem er dem Rollbrett aus der Nische zum Mainstream verholfen hat, den Trendsport in Schulen und an die Universität Münster brachte und Skateparks sowie das Unternehmen "Titus" aufbaute. Ein Blick auf den Werdegang des Pioniers der deutschen Skateboardszene.

    Foto: Titus
  • Geboren wurde Dittmann in den Nachkriegsjahren: 1948 in Kirchen im südwestlichen Teil des Siegerlandes im Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz, an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Auf dem zweiten Bildungsweg legte Dittmann 1968 das Abitur in Bad Neuenahr in Rheinland-Pfalz ab und kam 1971 zum Lehramtsstudium nach Münster.

    Foto: Ansgar Griebel
  • Hier kam Titus, der eigentlich Eberhard heißt, zum ersten Mal mit dem rollenden Sportgerät in Berührung. Am Aaseehügel am Zoo sah er Skateboarder und war sofort von ihrer positiven Energie begeistert. Seine anfänglichen Vorurteile über die „gefährlichen Rollbretter“ verflogen auf der Stelle. Eine Leidenschaft war geboren.

    Foto: verschiedene
  • Während seines Referendariats am Hittorf-Gymnasium in Münster in den Jahren 1973 bis 1980 gründete der studierte Sport- und Geographielehrer eine Skateboard-AG. Der erste Skateboard-Boom war eigentlich vorbei, nur in Münster wurde scheinbar noch geskatet. Der Bedarf nach Skateboards und Rollerskates war hier groß und so reiste Dittmann in die USA, um Skateboards und Ersatzteile zum Selbstkostenpreis an Schüler zu verkaufen. Sein zweites Staatsexamen legte Dittmann 1980 zum Thema „Skateboarding im Schulsportunterricht?“ ab und wurde Studienrat am Hammonense Gymnasium in Hamm. Mit ihm zog Skateboarding erstmalig als Bestandteil des Schulunterrichts ein.

    Foto: verschiedene
  • Die günstigen Preise seiner US-Import-Ware sprachen sich herum. Schnell kamen nicht mehr nur Anfragen von der Schule, auch Münsteraner und Skateboarder aus ganz Deutschland wollten Nachschub. Der Moment war günstig für Dittmann. Er deckte den Markt ab, der zwar klein war, aber den zu fast 100 Prozent. Als das Geschäft wuchs, quittierte er 1984 seinen Beamtenstatus als Lehrer. Nicht nur Dittmanns Geschäfte wuchsen, so auch die Akzeptanz der Trendsportart. Fünf Jahre später durfte er sich über einen Skatepark in Münster Berg-Fidel freuen (Bild) - einen von noch ganz wenigen in Deutschland Ende der Achtiger. 

    Foto: verschiedene
  • 1982 entstand auf sein Betreiben das Münster Monster Mastership, die spätere Skateboard-Weltmeisterschaft, deren Zentrum Münster viele Jahre war. Insgesamt 24 Jahre lang veranstaltet Dittmann die „Monster Masterships“ in Münster und Dortmund. Bis ins Jahr 2005 waren die Masterships das größte und einflussreichste Skateboard-Event der Welt. Dann fallen die Sponsoren weg und Münster kann die Weltmeisterschaft nicht mehr halten. Mit seiner Ernennung zum Vorsitzenden des FIRS (Fédération Internationale de Roller Sports) 2014 wächst die Hoffnung, die WM zurück nach Deutschland zu holen. Die FIRS ist für alle Belange des Rollsports auf internationaler Ebene einschließlich Olympia und WM im Auftrag des IOC (Intern. Olymp. Commitee) zuständig.

    Foto: verschiedene
  • Mit Titus Dittmann als ersten internationalen Funktionär für die Sportart Skateboarding ist die Skateboard-WM zwar nicht zurück nach Deutschland gekommen. Dafür hat der Skateboard-Pionier es geschafft, dass sich die rivalisierenden Verbände FIRS und ISF auf eine Zusammenarbeit bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio verständigt haben. Dies geschafft, trat er 2017 als World Chairman für Skateboarding des Verbands FIRS zurück. 

    Foto: Oliver Werner
  • 2009 gründete Titus Dittmann eine eigene Stiftung. Mit der Initiative Skate-Aid will er Kinder- und Jugendprojekte in krisengeschüttelten Regionen unterschützen und mit Hilfe des Skateboardings Entwicklungshilfe leisten. Im Frühjahr 2010 baute er gemeinsam mit dem Kooperationspartner Grünhelme den ersten Sportpark an einer Schule in Afghanistan.

    Foto: verschiedene
  • Es folgten Anlagen in Tansania, Uganda, Südafrika, Kenia, Costa Rica, Palästina und zuletzt im März 2018 in Namibia . Letztere ist speziell für Kinder mit Hör-, Seh- und geistiger Behinderung. Indem Kinder und Jugendliche zusammen skaten, verschwinden soziale Grenzen und der gemeinsame Spaß stehe im Vordergrund, sagt Dittmann. Ein neuer Park ist bereits in Planung: in Syrien .

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  • Seit Oktober 2001 koopertiert Dittmann mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er übernimmt einen Lehrauftrag und wird bei Kontaktaufnahme zur Universität Herat in Afghanistan unterstützt. Dort soll Skateboarding als Fach etabliert werden, um potenzielle skate-aid-Lehrkräfte auszubilden.

    Foto: Bernd Thissen
  • Unterstützung für seine Hilfsorganisation Skate-Aid erhält der Skateboard-Pionier Titus Dittmann regelmäßig von zahlreichen Prominenten bei seiner Gala Skate-Aid-Night . Dort bringt er nicht nur Unterstützer wie Schauspieler Wotan Wilke Möhring (links) oder Moritz Bleibtreu zusammen, sondern auch Tausende Euro Spenden. 

    Foto: Marco Wehler
  • Für sein unternehmerisches und soziales Engagement erhielt Dittmann zahlreiche Preise. So wurde er unter anderem 2001 “Entrepreneur des Jahres” in der Kategorie Handel. 2010 erhielt er den Laureus-Medienpreis in der Kategorie "Soziales Sportprojekt", überreicht von der früheren Profischwimmerin Franziska van Almsick.

    Foto: Tobias Hase
  • Im Mai 2018 feierte das Unternehmen "Titus" mit Hauptsitz in Münster 40. Jubiläum. Es besteht zu diesem Zeitpunkt aus 30 Filialen in Deutschland, einem Versand- und Onlinehandel und veranstaltet Events und produziert Medien. 2010 kommt es zum Generationswechsel. Sohn Julius (links) übernimmt die Geschäfte. Bei allem Wachstum und Erfolg hat Titus Dittmann aber auch die Kehrseite der Medaille kennengelernt.

    Foto: verschiedene
  • 2006 gerät das Unternehmen in eine schwere Krise. Mit 22 Millionen Euro steht der Geschäftsmann bei Lieferanten in der Kreide. Eine Insolvenz kann er knapp abwenden, setzt das Das gesamte Privatvermögen, inklusive der Altersversorgung zur Rettung des Unternehmens ein. Neun Jahre später sagt er im Interview:  "Ich bin daran gewachsen." Seine Erfahrungen qualifizieren ihn 2015 sogar zum Jury-Mitglied in der Serie „Kampf der Start-ups“ im ZDF. Darin berät er JungunternehmerInnen bei der Gründung. "Mit 66 starte ich plötzlich noch mal neu durch und erfahre unglaublich viel Anerkennung", sagt er damals.

    Foto: Sebastian Wagner / ZDF
  • Sein rasantes Leben auf der Extremspur zwischen Adrenalin und Altruismus ist zum einen in seiner Biographie unter dem Titel „Brett für die Welt“ nachzulesen. Zum anderen ist es nachzuschauen im Film „Brett vorm Kopp“, inszeniert von den Berliner Filmemachern Ali Eckert und Monica Nancy Wick.

    Foto: Verlag

 

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