Gastronomie appelliert an Gäste
Reservierungen ernst nehmen

Münster -

Gastronomen in Münster appellieren an Gäste, gerade im Weihnachtsgeschäft Reservierungen ernst zu nehmen. Der Hotel- und Gaststättenverband beklagt auch ein neues Phänomen, dass Gäste in mehreren Restaurants reservieren und sich erst kurzfristig für einen Betrieb entscheiden.

Donnerstag, 22.11.2018, 20:55 Uhr aktualisiert: 22.11.2018, 21:00 Uhr
Thorsten Bolwin (r.) und sein Küchenchef Etaher Ikkene stimmen den Einkauf für die kommenden Tage ab. Bis Weihnachten geht es im Drübbelken wie in vielen Gastronomien rund, dann sind viele Tische reserviert.
Thorsten Bolwin (r.) und sein Küchenchef Etaher Ikkene stimmen den Einkauf für die kommenden Tage ab. Bis Weihnachten geht es im Drübbelken wie in vielen Gastronomien rund, dann sind viele Tische reserviert. Foto: gh

Thorsten Bolwin ist seit 30 Jahren in der Gas­tronomie tätig. Der Inhaber vom Drübbelken an der Budden­straße rechnet damit, dass das Geschäft wie alle Jahre wieder in der Vorweihnachtszeit heftig wird. Viele Gäste reservierten rechtzeitig, nur einige blieben einfach weg. Dieses Phänomen scheint zuzunehmen. Gastronomen in Münster sowie der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) appellieren darum an Gäste, gerade im Weihnachtsgeschäft die Reservierungen ernst zu nehmen.

„Ich habe es aufgegeben, mich darüber zu ärgern“, sagt Thorsten Bolwin. Trotzdem sei es immer wieder ärgerlich, wenn Tische bei dem stürmischen Andrang frei bleiben würden. Erst am vergangenen Wochenende habe sich im Drübbelken eine Gruppe mit zehn Personen angesagt, die dann nicht gekommen sei. Er habe noch hinterher telefoniert, aber niemanden erreicht, so Bolwin. Eine Viertelstunde hält Bolwin heute einen Tisch für Gäste mit Reservierung frei, dann werde der Platz neu vergeben.

Auswirkungen auf Küche- und Personalplanung

Der Gastronom aus der Innenstadt überlegt, Reservierungen größerer Gruppen künftig nur noch per E-Mail anzunehmen. Er weiß aber auch, dass dies ein „unheimlicher Aufwand“ sei. Aber Ausfälle von Gästen wirkten sich bis auf die Vorbereitungen in der Küche und den Einsatzplan für das Personal aus, sagt der Drübbelken-Chef, den schon jetzt das Gefühl beschleicht, dass die Feiern immer früher geplant werden.

Dass es darum ratsam sei, im Vorfeld einen Tisch zu reservieren, das wissen die meisten Gäste, heißt es in einer Pressemitteilung des Hotel- und Gaststättenverbandes. In Mode gekommen sei aber auch die Angewohnheit, Plätze zu reservieren und dann gar nicht oder mit weniger Gästen als angemeldet zu erscheinen. Relativ neu ist demnach auch das Phänomen, in verschiedenen Gaststätten Plätze zu blocken, um sich erst kurz vor dem reservierten Termin zu entscheiden.

„Die Reservierungen sind verbindlich. Wir rechnen mit Ihnen“, sagt Hendrik Eggert, Inhaber des Ringhotels Landhaus Eggert in Münster und Vorsitzender des Dehoga im Kreis Münster. „Bei unserer Personal- und Einkaufsplanung spielt die Buchungslage eine große Rolle. Reservierte Tische bieten wir anderen Gästen erst einmal nicht weiter an und lehnen Anfragen ab.“ Eggert: „Fair geht vor.“

Kreditkarten-Hinterlegung in den USA

„Reservierungsmissbrauch“ sei aber nicht nur ein nordrhein-westfälisches oder deutsches Phänomen, sondern lässt weltweit Gastronomen nach Auswegen suchen, so der Dehoga. In manchen Ländern wie den USA sei es üblich, bei einer Bestellung bereits Kreditkartendaten zu hinterlegen oder Anzahlungen zu leisten, damit der Gastronom nicht auf seinen Kosten sitzen bleibt. „Wir setzen auf die Einsicht unserer Gäste. Aber wenn das Phänomen weiter zunimmt, müssen wir reagieren“, so Hendrik Eggert.

Franz-Ludwig Feldhaus vom Restaurant Stuhlmacher auf dem Prinzipalmarkt lässt sich Gruppenbestellungen per E-Mail bestätigen. Er bittet darum, drei Tage vorher mitzuteilen, ob es bei der vereinbarten Gästezahl bleibt. Damit seien sie bisher gut gefahren. „Wenn wir lange nichts hören, dann melden wir uns bei den Gruppen“, sagt Feldhaus. Sollten aber bei 25 gemeldeten Gästen nur 18 erscheinen, dann müssten sie die Differenz in Rechnung stellen.

Auch bei Stuhlmacher werden die Tische in der Regel in der Weihnachtszeit eine Viertelstunde freigehalten. Wenn keiner kommt, dann rücken neue Gäste nach.

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