Fr., 23.11.2018

Preußen-Stadion wird aus- und umgebaut Frischzellenkur für Antik-Arena

Dieser Anblick soll alsbald der Vergangenheit angehören: Für die Modernisierung des Stadions wird viel Geld freigegeben.

Dieser Anblick soll alsbald der Vergangenheit angehören: Für die Modernisierung des Stadions wird viel Geld freigegeben. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Es scheint so, als könnte eine jahrzehntelange Debatte in Münster zu den Akten gelegt werden. Stadt und Preußen Münster sind sich in der Stadion-Frage einig geworden.

Von Dirk Anger

Die Jahrzehnte andauernde Stadion-Debatte hat allem Anschein nach ein Ende gefunden, mit dem alle Beteiligten gut leben können. Um kurz vor halb neun am Freitagmorgen sind sich die Spitzen von Stadt und Preußen Münster im Enschede-Zimmer des Stadthauses in dieser Angelegenheit so nah wie schon lange nicht. Der Fußball-Drittligist begräbt nach dem Scheitern der Bösensell-Pläne endgültig seine Hoffnungen auf einen neuen Stadion-Standort und bekommt im Gegenzug ein Modernisierungsversprechen für die Hammer Straße im Wert von 40 Millionen Euro.

Von einem „Quantensprung“ spricht wenig später ein nicht unzufrieden wirkender Preußen-Präsident Christoph Strässer; eine „historische Einigung“ bejubelt Oberbürgermeister Markus Lewe angesichts der quälend langen Vorgeschichte in Sachen Stadion. Die Vorlage für die jüngste Entwicklung hatte Mitte der Woche die Ratsmehrheit von CDU und Grünen gegeben: Im Zuge seiner Haushaltsberatungen hatte sich das Bündnis darauf verständigt, für die erforderlichen Investitionen – auch ein Nachwuchsleistungszentrum ist geplant – im kommenden Jahr zehn Millionen Euro, 2020 weitere zehn Millionen und für spätere Jahre 20 Millionen in den Haushalt einzustellen. Und OB Lewe hofft auf weitere Unterstützer: „Wir wollen die Preußen aus dem parteipolitischen Hickhack heraushalten.“

Übersicht: Chronologie: Überblick: Die Preußen und ihr Stadion

Am 12. Dezember soll Münsters Rat den Weg für die Finanzierung formell ebnen. Unmittelbar danach wollen Stadt und Verein eine Absichtserklärung unterschreiben, die den Ausbau des Stadions an der Hammer Straße auf 20 000 Zuschauer festschreibt. Das Realisierungskonzept für ein neues Stadion sowie alle weiteren Details drum herum sollen von einer gemeinsamen Projektgruppe erarbeitet werden, an der auch externe Projektentwickler beteiligt werden.

Diesen Weg in die Zukunft wollen die Stadt Münster und der SC Preußen nach Lewes Worten „ohne Wenn und Aber“ gemeinsam gehen. „Wir haben auf den grünen Knopf gedrückt“, erklärte der Oberbürgermeister. Ein Zeitplan, wann das runderneuerte Stadion fertig sein soll, existiert noch nicht. „So schnell wie möglich“, lautet dabei Lewes Marschroute.

Durch die lange erwartete Verabschiedung des Bebauungsplans Sportpark Berg Fidel in diesem Sommer wurden die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für den Um- und Ausbau der Fußball-Arena geschaffen. Jetzt steht eine politische Mehrheit für eine Finanzierung, die die Preußen Abstand von ihren bisherigen Plänen für ein bis zu 40 000 Zuschauer fassendes Stadion andernorts nehmen ließ. Die Stadt hatte dafür 2017 in Münster drei Grundstücke intensiver geprüft, die laut Lewe aber „nicht über die verkehrliche Infrastruktur“ verfügt hätten.  

 

 


Kommentar

Ein Sieg des Machbaren

Als das frisch gewählte  Präsidium des SC Preußen Münster der  Öffentlichkeit 2016 seine Absichten vom Neubau eines bundesligatauglichen Stadions verkündet hatte, war die Überraschung genauso groß wie die Skepsis. Zwei Jahre und etliche Standort-Prüfungen später steht fest: Über Bösensell ist der Verein doch wieder an der Hammer Straße angekommen. Und zwar, weil die von CDU und Grünen gebildete Ratsmehrheit dem Club ein Angebot unterbreitet hat, das er angesichts der erfolglosen Vorgeschichte nicht ablehnen konnte: ein rundum modernisiertes Stadion für 20 000 Zuschauer an dem Standort, den die meisten Besucher und viele Vereinsmitglieder ohnehin für den besten halten. 

Natürlich wird es weiter Stimmen geben, die beklagen, dass Verwaltung und Politik nicht alles getan haben, um ein Grundstück in Münster für ein privat finanziertes Stadion zu finden. Doch aktuelle Großprojekte andernorts zeigen, wie schwierig es heutzutage ohnehin ist derlei Vorhaben im Konsens umsetzen zu können. Natürlich wird es Klagen geben, dass die Stadt eine Summe von 40 Millionen Euro in ihr eigenes Stadion investiert. Dabei wird gerne vergessen, das Preußen Münster deutschlandweit ein Imageträger für die Domstadt ist und Spitzensport genauso Unterstützung verdient wie Theater oder Museen.

Wenn man aber die Planungen klug vorantreibt, die im bezahlten Fußball immens wichtigen Logen ausreichend berücksichtigt, ist ein 20 000 Zuschauer fassendes Stadion an der Hammer Straße das, was zu Münster passt und bei einem Zweitliga-Aufstieg reichen dürfte. Zudem ist ein Nachwuchsleistungszentrum verdienter Lohn für erfolgreiche Jugendarbeit.

Für die Preußen mag es angesichts der eigenen Erwartungen nur ein gut genährter Spatz in der Hand sein. Vielleicht wären die Infrastrukturkosten für die Stadt an einem anderen Standort auch geringer ausgefallen. Aber die jetzige Einigung zum Ausbau der altehrwürdigen Arena an der Hammer Straße ist ein Sieg des Machbaren – und wohl das Ende einer ewig langen Debatte.



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