L.A. Salami in der Pension Schmidt
Zerrissenheit verpackt in Folk und Blues

Münster -

Ja, der heißt wirklich so. Lookman Adekunle Salami, besser bekannt als L.A. Salami, ist keine kalifornische Wurstspezialität, sondern ein Musiker aus London. Und zwar ein richtig guter, wie sein Konzert in der Pension Schmidt am Montagabend unter Beweis gestellt hat. 

Dienstag, 27.11.2018, 10:40 Uhr
L.A. Salami in der Pension Schmidt: Zerrissenheit verpackt in Folk und Blues
Der Londoner Singer-Songwriter L.A. Salami begeisterte das Publikum in der Pension Schmidt mit seiner Mischung aus Folk und Blues. Foto: Pjer Biederstädt

L.A. Salami ist der breiten Masse hierzulande noch nicht bekannt. Deshalb sei vorweggenommen, dass tiefgründige Interpretationsversuche zu dem vermeintlichen Stadt-Wurst-Künstlernamen vergeudete Zeit sind. Er ist nicht im Bonn-Bierschinken-Sinne gemeint. Das L.A. bedeutet Lookman Adekunle und ist nichts weiter als der Vorname des Londoner Musikers mit nigerianischen Wurzeln. Die Münsteraner, die eine halbe Stunde vor Konzertbeginn am Montagabend eine lange Schlange vor der Pension Schmidt bilden, wissen das natürlich. Und dass der Singer-Songwriter ein echter Geheimtipp ist, hat sich offenbar auch herumgesprochen. Das Wohnzimmer am Alten Steinweg ist ausverkauft.

Während die letzten Gäste noch (vergeblich) nach einem Plätzchen auf einer Sofalehne suchen, haut sich Frank Dillane schon mal das Tamburin gegen den Kopf. Der als Clown geschminkte Brite ist Teil des Trios „Fake People“. Der Headliner-Support legt mit einer traurig-komischen 40-Minuten-Performance aus Musik (super Stimme: Francesco lo Giudice) und Schauspiel den Grundstein für einen insgesamt gelungenen Konzertabend.

Optisch wie Prince, akustisch wie Dylan

Dann betritt L.A. Salami im rot goldenen Mantel die Bühne. Darin wäre er eine Zierde für das „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“-Cover der Beatles gewesen und erinnert mit seiner Gitarre zeitweise an den jungen Prince.

L.A. Salami in der Pension Schmidt

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  • Die Vorband "Fake People" eröffnete den Konzertabend.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Mit einer clownesken Darbietung brachte die Band das Publikum ein ums andere Mal zum Lachen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Nach 40 Minuten ging das Support-Trio von der Bühne.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Zeit für den Umbau.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • L.A. Salami begann in Bandbesetzung mit Gitarre, Gitarre, Bass und Drums.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Vor allem Salamis Gitarrenspiel war herausragend.

    Foto: Pjer Biederstädt
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  • Foto: Pjer Biederstädt

Seine Musik erinnert aber weder an die einen, noch an den anderen. Eher an Bob Dylan, seiner Inspirationsquelle Nummer eins. Variationen aus Folk und Blues, kleine Ausflüge ins Rockige bestimmen den fast zweistündigen Gig. Besonders gut gelingt die Dramaturgie des Auftritts: Die Mischung aus neuen Liedern vom aktuellen zweiten Album „The City of Bootmakers“ in vierköpfiger Bandbesetzung und den Solo-Gitarren-Einlagen, meist vom ersten Album, ist der Garant für Kurzweil, auch wenn dem Londoner das ein oder andere Stück eine Spur zu lang geraten ist.

Das zumeist studentische Publikum lauscht den manchmal stark ironischen, aber immer cleveren Texten über die Zerrissenheit seiner Heimat („England Is Unwell“) und über die Widersprüchlichkeiten seiner Generation der Endzwanziger („Generation L(ost)“) dennoch stets gebannt. Der Applaus am Ende des Abends lässt vermuten, dass der Andrang bei L.A. Salamis nächstem Gastspiel in Münster noch größer sein könnte.  

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