Gesundheitsrisiko
Kampfansage an die giftige Raupe

Münster -

Die massive Ausbreitung des giftigen Eichenprozessionsspinners war eines der Sommerthemen in Deutschland. Jetzt will die Stadt Münster den haarigen Plagegeistern an den Kragen. Dabei ist aber nicht jedes Mittel recht.

Freitag, 30.11.2018, 06:30 Uhr aktualisiert: 30.11.2018, 10:07 Uhr
Eichenprozessionsspinner fressen nicht nur ganze Bäume kahl, ihre Härchen enthalten auch ein hartnäckiges Nesselgift, das gerade für Allergiker gefährlich sein kann. Das Tückische: Jede Raupe hat Hunderte Brennhaare, die leicht abbrechen. Diese können sich bis zu mehrere Hundert Meter durch die Luft verbreiten.
Eichenprozessionsspinner fressen nicht nur ganze Bäume kahl, ihre Härchen enthalten auch ein hartnäckiges Nesselgift, das gerade für Allergiker gefährlich sein kann. Das Tückische: Jede Raupe hat Hunderte Brennhaare, die leicht abbrechen. Diese können sich bis zu mehrere Hundert Meter durch die Luft verbreiten. Foto: dpa

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben im Hitzesommer 2018 ganz Deutschland in Atem gehalten. Auch die Bäume im Stadtgebiet von Münster waren massiv befallen. Jetzt will die Stadt ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Schädlinge, deren giftige Härchen für Mensch und Tier gefährlich werden können, noch einmal erhöhen.

Einstimmig beschloss jetzt der Umweltausschuss, für die Bekämpfung der Raupen-Nester ab 2019 jährlich 150.000 Euro bereitzustellen. Zusätzlich sollen für weitere 25.000 Euro Absauggeräte zum Entfernen der Gespinste und Industriewaschmaschinen angeschafft werden.

Neu ist außerdem, dass zur Bekämpfung fortan mehr Chemikalien eingesetzt werden sollen. Die Nester wurden bisher von fünf Fach­firmen und einem Kletterer mechanisch je nach Gefährdungspotenzial – Spielplätze und Schulen zuerst – „in einem Wettlauf gegen die Zeit“ entfernt, wie es in der Beschlussvorlage der Verwaltung heißt.

Das Jahr 2018 habe gezeigt, dass die Eindämmung des Eichenprozessionsspinners durch die bisher praktizierte Vorgehensweise nur in geringem Umfang erreicht wurde. „Wir kommen ohne chemische Behandlung nicht mehr aus“, sagte der Ausschussvorsitzende Heinz Georg Buddenbäumer (CDU) auf Anfrage. Mit möglichst gezielt wirkenden Pflanzenschutzmitteln und nicht mit Breitbandmitteln soll dem haarigen Schädling künftig der Garaus gemacht werden. Auf diesen Zusatz im Beschluss pochten die Grünen, um nicht andere Lebewesen unnötig in Mitleidenschaft zu ziehen.

Vermehrung könnte künftig noch zunehmen

Dass der unerwartet heftige Befall in der langen Wärmeperiode ein Einzelphänomen bleiben wird, davon geht die Verwaltung nicht aus. Sie befürchtet, dass die Vermehrung des Tieres künftig noch zunehmen wird.

2016 registrierte die Stadt gerade einmal 541 befallene Bäume, 2018 waren es über 10.000, wie die Stadt schätzt. Wegen der Vielzahl der Fälle und des Zeitdrucks sei auf eine exakte Registrierung verzichtet worden. Die Kosten für die Beseitigung der Nester lag vor zwei Jahren bei rund 11.000 Euro, 2018 waren es fast 70.000 Euro. Insgesamt war die Beseitigung in diesem Jahr ein immenser Kraftakt, wie die 1600 zusätzlich geleisteten Arbeitsstunden des Grün­flächenamtes beweisen.

Reste von Brennhaaren im Eichenlaub

Bei Wind können die leeren Nester des Eichenprozessionsspinners von den Bäumen fallen. „In diesen Nestern befinden sich tatsächlich noch Brennhaare der Raupen, die mittlerweile zu Faltern geworden und ausgeflogen sind“, erklärt Ulrich Kleine-Bösing vom Umweltamt der Stadt. Er kann nur raten, diese Nester nicht mit bloßen Händen anzufassen, da die Härchen immer noch – vor allem bei empfindlichen Personen – allergische Reaktionen auslösen können. Zwar sei die Raupe weitaus giftiger, dennoch rät Kleine-Bösing zu umsichtigem Handeln. Auch beim Zusammenharken von Eichenlaub empfiehlt der Mitarbeiter der Verwaltung, dies am besten mit Handschuhen zu tun. Irene ­Salaschek vom Veterinäramt kann Hundebesitzern nur den Tipp geben, ihre Tiere nicht an den Nestern schnüffeln zu lassen und sie sicherheitshalber an die Leine zu nehmen. „Allergische Reaktionen bei Tieren können auch nach dem Kontakt mit den leeren Nestern möglich sein.“ (mfe)

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